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Auslese |
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Clemens Brentano |
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geb. am 8.9.1778 in Ehrenbreitstein gest. am 28.7.1842 in Aschaffenburg
Er ist eine unverwechselbare Stimme der deutschen Romantik. Mit seiner Liedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" lieferte er einen äußerst wertvollen Beitrag zu unserer kulturellen Identität. |
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ausgewählte Werke |
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Loreley |
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Zu Bacharach am Rheine wohnt' eine Zauberin, die war so schön und feine und riß viel Herzen hin.
Und machte viel zuschanden der Männer rings umher, aus ihren Liebesbanden war keine Rettung mehr!
Der Bischof ließ sie laden vor geistliche Gewalt und mußte sie begnaden, so schön war ihr' Gestalt.
Er sprach zu ihr gerühret: "Du arme Lore Lay ! Wer hat dich denn verführet zu böser Zauberei ?"
"Herr Bischof, laßt mich sterben, ich bin des Lebens müd, weil jeder muß verderben, der meine Augen sieht'
Die Augen sind zwei Flammen, mein Arm ein Zauberstab - schickt mich in die Flammen, o brechet mir den Stab!"
Ich kann dich nicht verdammen, bis du mir erst bekennt, warum in deinen Flammen mein eignes Herz schon brennt!
Den Stab kann ich nicht brechen, du schöne Lore Lay! Ich müßte denn zerbrechen mein eigen Herz entzwei!
"Herr Bischof, mit mir Armen treibt nicht so bösen Spott und bittet um Erbarmen für mich den lieben Gott?
Ich darf nicht länger leben, ich liebe keinen mehr, - den Tod sollt Ihr mir geben, drum kam ich zu Euch her!
Mein Schatz hat mich betrogen, hat sich von mir gewandt, ist fort von mir gezogen, fort in ein fremdes Land.
Die Augen sanft und wilde, die Wangen rot und weiß, die Worte still und milde, das ist mein Zauberkreis.
Ich selbst muß drin verderben, das Herz tut mir so weh, vor Schmerzen möcht' ich sterben, wenn ich mein Bildnis seh´.
Drum laß mein Recht mich finden, mich sterben wie ein Christ, denn alles muß verschwinden, weil es nicht bei mir ist!“
Drei Ritter läßt er holen: "Bringt sie ins Kloster hin! Geh, Lore! Gott befohlen sei dein berückter Sinn!
Du sollst ein Nönnchen werden, ein Nönnchen schwarz und weiß, bereite dich auf Erden zu deines Todes Reis' !“
Zum Kloster sie nun ritten, die Ritter alle drei und traurig in der Mitten die schöne Lore Lay.
"O Ritter, laßt mich gehen auf diesen Felsen groß, ich will noch einmal sehen nach meines Lieben Schloß.
Ich will noch einmal sehen wohl in den tiefen Rhein und dann ins Kloster gehen und Gottes Jungfrau sein!"
Der Felsen ist so jähe, so steil ist seine Wand, doch klimmt sie in die Höhe, bis daß sie oben stand.
Es binden die drei Reiter die Rosse unten an und klettern immer weiter zum Felsen auch hinan.
Die Jungfrau sprach: "Da gehet ein Schifflein auf dem Rhein, der in dem Schifflein stehet, der soll mein Liebster sein !
Mein Herz wird mir so munter, er muß mein Liebster sein !" Da lehnt sie sich hinunter und stürzet in den Rhein.
Die Ritter mußten sterben, sie konnten nicht hinab; sie mußten all´ verderben, ohn´ Priester und ohn´ Grab!
Wer hat dies Lied gesungen? Ein Schiffer auf dem Rhein, und immer hat´s geklungen von dem Dreirittetstein: Lore Lay! Lore Lay! Lore Lay! Als wären es meiner drei! |
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Frühlingsschrei eines Knechtes aus der Tiefe |
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Meister, ohne dein Erbarmen Muß im Abgrund ich verzagen, Willst du nicht mit starken Armen Wieder mich zum Lichte tragen.
Jährlich greifet deine Güte, In die Erde, in die Herzen, Jährlich weckest du die Blüte, Weckst in mir die alten Schmerzen.
Einmal nur zum Licht geboren, Aber tausendmal gestorben, Bin ich ohne dich verloren, Ohne dich in mir verdorben.
Wenn sich so die Erde reget, Wenn die Luft so sonnig wehet, Dann wird auch die Flut beweget, Die in Todesbanden stehet.
Und in meinem Herzen schauert Ein betrübter bittrer Bronnen, Wenn der Frühling draußen lauert, Kömmt die Angstflut angeronnen.
Weh! durch giftge Erdenlagen, Wie [die] Zeit sie angeschwemmet, Habe ich den Schacht geschlagen, Und er ist nur schwach verdämmet.
Wenn nun rings die Quellen schwellen, Wenn der Grund gebärend ringet, Brechen her die giftgen Wellen, Die kein Fluch, kein Witz mir zwänget.
Andern ruf ich, schwimme, schwimme, Mir kann solcher Ruf nicht taugen, Denn in mir ja steigt die grimme Sündflut, bricht aus meinen Augen.
Und dann scheinen bös Gezüchte Mir die bunten Lämmer alle, Die ich grüßte, süße Früchte, Die mir reiften, bittre Galle.
Herr, erbarme du dich meiner, Daß mein Herz neu blühend werde, Mein erbarmte sich noch keiner Von den Frühlingen der Erde.
Meister, wenn dir alle Hände Nahn mit süßerfüllten Schalen, Kann ich mit der bittern Spende Meine Schuld dir nimmer zahlen.
Ach, wie ich auch tiefer wühle, Wie ich schöpfe, wie ich weine, Nimmer ich den Schwall erspüle Zum Kristallgrund fest und reine.
Immer stürzen mir die Wände, Jede Schicht hat mich belogen, Und die arbeitblutgen Hände Brennen in den bittern Wogen.
Weh! der Raum wird immer enger, Wilder, wüster stets die Wogen, Herr, o Herr! ich treib's nicht länger, Schlage deinen Regenbogen.
Herr, ich mahne dich, verschone, Herr! ich hört in jungen Tagen, Wunderbare Rettung wohne Ach, in deinem Blute, sagen.
Und so muß ich zu dir schreien, Schreien aus der bittern Tiefe, Könntest du auch nicht verzeihen, Daß dein Knecht so kühnlich riefe!
Daß des Lichtes Quelle wieder Rein und heilig in mir flute, Träufle einen Tropfen nieder, Jesus, mir, von deinem Blute! |
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Hörst du, wie die Brunnen rauschen? |
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Hörst du, wie die Brunnen rauschen? Hörst du, wie die Grille zirpt? Stille, stille, laß uns lauschen, Selig, wer in Träumen stirbt; Selig, wen die Wolken wiegen, Wem der Mond ein Schlaflied singt; O! wie selig kann der fliegen, Dem der Traum den Flügel schwingt, Daß an blauer Himmelsdecke Sterne er wie Blumen pflückt: Schlafe, träume, flieg, ich wecke Bald dich auf und bin beglückt. |
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Die Erde war gestorben |
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Die Erde war gestorben Ich lebte ganz allein, Die Sonne war verdorben, Zwei Augen gaben Schein,
Da bot sie mir zu trinken Und blickte mich nicht an, Sie ließ die Augen sinken, Es war um mich getan.
Reg Frühling nur die Schwingen Sehn nur, du Erde, dich, Ich kann nichts anders singen, Als, Jesus schau auf mich. |
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Säusle, liebe Myrte |
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Säusle, liebe Myrte! Wie still ist's in der Welt, Der Mond, der Sternenhirte Auf klarem Himmelsfeld, Treibt schon die Wolkenschafe Zum Born des Lichtes hin, Schlaf, mein Freund, o schlafe, Bis ich wieder bei dir bin.
Säusle, liebe Myrte! Und träum im Sternenschein, Die Turteltaube girrte Auch ihre Brut schon ein. Still ziehn die Wolkenschafe Zum Born des Lichtes hin, Schlaf, mein Freund, o schlafe, Bis ich wieder bei dir bin. |
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Sprich aus der Ferne heimliche Welt |
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Sprich aus der Ferne Heimliche Welt, Die sich so gerne Zu mir gesellt!
Wenn das Abendrot niedergesunken, Keine freudige Farbe mehr spricht, Und die Kränze still leuchtender Funken Die Nacht um die schattichte Stirne flicht:
Wehet der Sterne Heiliger Sinn Leis durch die Ferne Bis zu mir hin.
Wenn des Mondes still lindernde Tränen Lösen die Nächte verborgenes Weh; Dann wehet Friede. In goldenen Kähnen Schiffen die Geister im himmlischen See.
Glänzende Lieder Klingender Lauf Ringelt sich nieder, Wallet hinauf.
Wenn der Mitternacht heiliges Grauen Bang durch die dunklen Wälder hinschleicht Und die Büsche gar wundersam schauen, Alles sich finster, tiefsinnig bezeugt:
Wandelt im Dunkeln Freundliches Spiel, Still Lichter funkeln, Schimmerndes Ziel,
Alles ist freundlich wohlwollend verbunden, Bietet sich tröstend und trauernd die Hand, Sind durch die Nächte die Lichter gewunden, Alles ist ewig im Innern verwandt.
Sprich aus der Ferne, Heimliche Welt, Die sich so gerne Zu mir gesellt. |
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