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Auslese |
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Joseph von Eichendorff |
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geb. am 10.3.1788 in Lubowitz/Ratibor gest. am 26.11.1857 in Neisse/Schlesien
Er ist der Prototyp des romantischen Sängers; von ehrlicher Schlichtheit durchdrungen, überdauern seine Naturverse nahezu schadlos den Wandel der Zeiten. Auch wir lieferten unseren Beitrag hierzu, indem wir einige seiner Gedichte vertonten und zur Eichendorff-Liedersammlung luden. |
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ausgewählte Werke |
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Die Nachtblume |
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Nacht ist wie ein stilles Meer, Lust und Leid und Liebesklagen Kommen so verworren her In dem linden Wellenschlagen.
Wünsche wie die Wolken sind, Schiffen durch die stillen Räume, Wer erkennt im lauen Wind, Obs Gedanken oder Träume? -
Schließ ich nun auch Herz und Mund, Die so gern den Sternen klagen: Leise doch im Herzensgrund Bleibt das linde Wellenschlagen. |
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Wünschelrute |
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Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort Und die Welt hebt an zu singen Triffst du nur das Zauberwort. |
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Zwielicht |
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Dämmrung will die Flügel spreiten, Schaurig rühren sich die Bäume, Wolken ziehn wie schwere Träume - Was will dieses Graun bedeuten?
Hast ein Reh du lieb vor andern, Laß es nicht alleine grasen, Jäger ziehn im Wald und blasen, Stimmen hin und wieder wandern.
Hast du einen Freund hienieden, Trau ihm nicht zu dieser Stunde, Freundlich wohl mit Aug und Munde, Sinnt er Krieg im tückschen Frieden.
Was heut müde gehet unter, Hebt sich morgen neugeboren. Manches bleibt in Nacht verloren - Hüte dich, bleib wach und munter! |
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Nachts |
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Ich wandre durch die stille Nacht, Da schleicht der Mond so heimlich sacht Oft aus der dunklen Wolkenhülle, Und hin und her im Tal Erwacht die Nachtigall, Dann wieder alles grau und stille.
O wunderbarer Nachtgesang: Von fern im Land der Ströme Gang, Leis Schauern in den dunklen Bäumen - Wirrst die Gedanken mir, Mein irres Singen hier Ist wie ein Rufen nur aus Träumen. |
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Mondnacht |
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Es war, als hätt der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer Von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus. |
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In der Fremde I |
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Aus der Heimat hinter den Blitzen rot Da kommen die Wolken her, Aber Vater und Mutter sind lange tot, Es kennt mich dort keiner mehr.
Wie bald, ach wie bald kommt die stille Zeit, Da ruhe ich auch, und über mir Rauscht die schöne Waldeinsamkeit, Und keiner kennt mich mehr hier. |
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Im Abendrot |
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Wir sind durch Not und Freude Gegangen Hand in Hand, Vom Wandern ruhen wir beide Nun überm stillen Land.
Rings sich die Täler neigen, Es dunkelt schon die Luft, Zwei Lerchen nur noch steigen Nachträumend in den Duft.
Tritt her und laß sie schwirren, Bald ist es Schlafenszeit, Daß wir uns nicht verirren In dieser Einsamkeit.
O weiter, stiller Friede! So tief im Abendrot , Wie sind wir wandermüde – Ist das etwa der Tod? |
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Abend |
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Gestürzt sind die goldnen Brücken Und unten und oben so still! Es will mir nichts mehr glücken, Ich weiß nicht mehr, was ich will.
Von üppig blühenden Schmerzen Rauscht eine Wildnis im Grund, Da spielt wie in wahnsinnigen Scherzen Das Herz an dem schwindligen Schlund. –
Die Felsen möchte ich packen Vor Zorn und Wehe und Lust, Und unter den brechenden Zacken Begraben die wilde Brust.
Da kommt der Frühling gegangen, Wie ein Spielmann aus alter Zeit, Und singt von uraltem Verlangen So treu durch die Einsamkeit.
Und über mir Lerchenlieder Und unter mir Blumen bunt, So werf ich im Grase mich nieder Und weine aus Herzensgrund.
Da fühl ich ein tiefes Entzücken, Nun weiß ich wohl, was ich will, Es bauen sich andere Brücken, Das Herz wird auf einmal still.
Der Abend streut rosige Flocken, Verhüllet die Erde nun ganz, Und durch des Schlummernden Locken Ziehn Sterne den heiligen Kranz. |
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Abendlich rauscht schon der Wald |
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Abendlich schon rauscht der Wald Aus den tiefsten Gründen, Droben wird der Herr nun bald An die Sternlein zünden. Wie so stille in den Schlünden, Abendlich nur rauscht der Wald.
Alles geht zu seiner Ruh. Wald und Welt versausen, Schauernd hört der Wandrer zu, Sehnt sich recht nach Hause. Hier in Waldes stiller Klause, Herz, geh endlich auch zur Ruh. |
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ausgewählte Werke II |
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Abschied |
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O Täler weit, o Höhen, O schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen Andächtger Aufenthalt! Da draußen, stets betrogen, Saust die geschäftge Welt, Schlag noch einmal die Bogen Um mich, du grünes Zelt!
Wenn es beginnt zu tagen, Die Erde dampft und blinkt, Die Vögel lustig schlagen, Daß dir dein Herz erklingt: Da mag vergehn, verwehen Das trübe Erdenleid, Da sollst du auferstehen In junger Herrlichkeit!
Da steht im Wald geschrieben Ein stilles, ernstes Wort Von rechtem Tun und Lieben, Und was des Menschen Hort. Ich habe treu gelesen Die Worte, schlicht und wahr, Und durch mein ganzes Wesen Wards unaussprechlich klar.
Bald werd ich dich verlassen, Fremd in der Fremde gehn, Auf buntbewegten Gassen Des Lebens Schauspiel sehn; Und mitten in dem Leben Wird deines Ernsts Gewalt Mich Einsamen erheben, So wird mein Herz nicht alt. |
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Sehnsucht |
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Es schienen so golden die Sterne, am Fenster ich einsam stand und hörte aus weiter Ferne ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leibe entbrennte, da hab' ich mir heimlich gedacht: Ach, wer da mitreisen könnte in der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen gingen vorüber am Bergeshang, ich hörte im Wandern sie singen die stille Gegend entlang: Von schwindelnden Felsenschlüften, wo die Wälder rauschen so sacht, von Quellen, die von den Klüften sich stürzen in Waldesnacht.
Sie sangen von Marmorbildern, von Gärten, die überm Gestein in dämmernden Lauben verwildern, Palästen im Mondschein, wo die Mädchen am Fenster lauschen, wann der Lauten Klang erwacht, und die Brunnen verschlafen rauschen in der prächtigen Sommernacht. |
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Winternacht |
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Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab' nichts, was mich freuet, verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume, da rührt er seinen Wipfel sacht und redet wie im Traume.
Er träumt von künft'ger Frühlingszeit, von Grün und Quellenrauschen, wo er im neuen Blütenkleid zu Gottes Lob wird rauschen. |
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Waldmädchen |
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Bin ein Feuer hell, das lodert Von dem grünen Felsenkranz, Seewind ist mein Buhl und fodert Mich zum lustgen Wirbeltanz, Kommt und wechselt unbeständig. Steigend wild, Neigend mild, Meine schlanken Lohen wend ich: Komm nicht nah mir, ich verbrenn dich!
Wo die wilden Bäche rauschen Und die hohen Palmen stehn, Wenn die Jäger heimlich lauschen, Viele Rehe einsam gehn. Bin ein Reh, flieg durch die Trümmer, Über die Höh, Wo im Schnee Still die letzten Gipfel schimmern, Folg mir nicht, erjagst mich nimmer!
Bin ein Vöglein in den Lüften, Schwing mich übers blaue Meer, Durch die Wolken von den Klüften Fliegt kein Pfeil mehr bis hieher, Und die Au'n und Felsenbogen, Waldeseinsamkeit Weit, wie weit, Sind versunken in die Wogen – Ach, ich habe mich verflogen! |
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Waldgespräch |
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Es ist schon spät, es wird schon kalt, Was reitst du einsam durch den Wald? Der Wald ist lang, du bist allein, Du schöne Braut! Ich führ dich heim!
»Groß ist der Männer Trug und List, Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist, Wohl irrt das Waldhorn her und hin, O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.«
So reich geschmückt ist Roß und Weib, So wunderschön der junge Leib, Jetzt kenn ich dich – Gott steh mir bei! Du bist die Hexe Lorelei.
»Du kennst mich wohl – von hohem Stein Schaut still mein Schloß tief in den Rhein. Es ist schon spät, es wird schon kalt, Kommst nimmermehr aus diesem Wald!« |
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Wohin ich geh und schaue |
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Wohin ich geh' und schaue, In Feld und Wald und Tal, Vom Berg hinab in die Aue; Viel schöne, hohe Fraue, Grüß ich dich tausendmal.
In meinem Garten find' ich Viel' Blumen schön und fein, Viel' Kränze wohl draus wind' ich Und tausend Gedanken bind' ich Und Grüße mit darein.
Ihr darf ich keinen reichen, Sie ist zu hoch und schön, Die müssen alle verbleichen, Die Liebe nur ohnegleichen Bleibt ewig im Herzen stehn.
Ich schein' wohl froher Dinge Und schaffe auf und ab, Und, ob das Herz zerspringe, Ich grabe fort und singe, Und grab mir bald mein Grab. |
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Zorn 1810 |
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Seh ich im verfallnen, dunkeln Haus die alten Waffen hangen, Zornig aus dem Roste funkeln, Wenn der Morgen aufgegangen,
Und den letzten Klang verflogen, Wo im wilden Zug der Wetter, Aufs gekreuzte Schwert gebogen, Einst gehaust des Landes Retter;
Und ein neu Geschlecht von Zwergen Schwindelnd um die Felsen klettern, Frech, wenns sonnig auf den Bergen, Feige krümmend sich in Wettern,
Ihres Heilands Blut und Tränen Spottend noch einmal verkaufen, Ohne Klage, Wunsch und Sehnen In der Zeiten Strom ersaufen;
Denk ich dann, wie du gestanden Treu, da niemand treu geblieben: Möcht ich, über unsre Schande Tiefentbrannt in zorngem Lieben,
Wurzeln in der Felsen Marke, Und empor zu Himmels Lichten Stumm anstrebend, wie die starke Riesentanne, mich aufrichten. |
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Letzte Heimkehr |
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Der Wintermorgen glänzt so klar, Ein Wandrer kommt von ferne, Ihn schüttelt Frost, es starrt sein Haar, Ihm log die schöne Ferne, Nun endlich will er rasten hier, Er klopft an seines Vaters Tür.
Doch tot sind, die sonst aufgetan, Verwandelt Hof und Habe, Und fremde Leute sehn ihn an, Als käm er aus dem Grabe; Ihn schauert tief im Herzensgrund, Ins Feld eilt er zur selben Stund.
Da sang kein Vöglein weit und breit, Er lehnt' an einem Baume, Der schöne Garten lag verschneit, Es war ihm wie im Traume, Und wie die Morgenglocke klingt, Im stillen Feld er niedersinkt.
Und als er aufsteht vom Gebet, Nicht weiß, wohin sich wenden, Ein schöner Jüngling bei ihm steht, Faßt mild ihn bei den Händen: »Komm mit, sollst ruhn nach kurzem Gang.« - Er folgt, ihn rührt der Stimme Klang.
Nun durch die Bergeseinsamkeit Sie wie zum Himmel steigen, Kein Glockenklang mehr reicht so weit, Sie sehn im öden Schweigen Die Länder hinter sich verblühn, Schon Sterne durch die Wipfel glühn.
Der Führer jetzt die Fackel sacht Erhebt und schweigend schreitet, Bei ihrem Schein die stille Nacht Gleichwie ein Dom sich weitet, Wo unsichtbare Hände baun - Den Wandrer faßt ein heimlich Graun.
Er sprach: Was bringt der Wind herauf So fremden Laut getragen, Als hört ich ferner Ströme Lauf, Dazwischen Glocken schlagen? »Das ist des Nachtgesanges Wehn, Sie loben Gott in stillen Höhn.«
Der Wandrer drauf: Ich kann nicht mehr - Ists Morgen, der so blendet? Was leuchten dort für Länder her? - Sein Freund die Fackel wendet: »Nun ruh zum letzten Male aus, Wenn du erwachst, sind wir zu Haus.« |
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Nachts |
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Ich wandre durch die stille Nacht, Da schleicht der Mond so heimlich sacht Oft aus der dunklen Wolkenhülle, Und hin und her im Tal Erwacht die Nachtigall, Dann wieder alles grau und stille.
O wunderbarer Nachtgesang: Von fern im Land der Ströme Gang, Leis Schauern in den dunklen Bäumen - Wirrst die Gedanken mir, Mein irres Singen hier Ist wie ein Rufen nur aus Träumen. |
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ausgewählte Werke III |
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Trauriger Winter |
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Nun ziehen Nebel, falbe Blätter fallen, Öd alle Stellen, die uns oft entzücket! Und noch einmal tief Rührung uns beglücket, Wie aus der Flucht die Abschiedslieder schallen.
Wohl manchem blüht aus solchem Tod Gefallen: Daß er, nun eng ans blühnde Herz gedrücket, Von roten Lippen holdre Sträuße pflücket, Als Lenz je beut mit Wäldern, Wiesen allen.
Mir sagte niemals ihrer Augen Bläue: "Ruh auch aus! Willst du ewig sinnen?" Und einsam sah ich so den Sommer fahren.
So will ich tief des Lenzes Blüte wahren, Und mit Erinnern zaubrisch mich umspinnen, Bis ich nach langem Traum erwach im Maie. |
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Seliges Vergessen |
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Im Winde fächeln, Mutter, die Blätter, Und bei dem Säuseln Schlummre ich ein.
Über mir schwanken Und spielen die Winde, Wiegen so linde Das Schiff der Gedanken, Wie wenn ohne Schranken Der Himmel mir offen, Daß still wird mein Hoffen Und Frieden ich finde, Und bei dem Säuseln Schlummre ich ein.
Erwachend dann sehe, Als ob sie mich kränzen, Rings Blumen ich glänzen, Und all meine Wehen Verschweben, vergehen, Der Traum hält sie nieder, Und Leben gibt wieder Das Flüstern der Blätter, Und bei dem Säuseln Schlummre ich ein. |
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Durch! |
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Laß dich die Welt nicht fangen, Brich durch, mein freudig Herz, Ein ernsteres Verlangen Erheb dich himmelwärts!
Greif in die goldnen Saiten, Da spürst du, daß du frei, Es hellen sich die Zeiten, Aurora scheinet neu.
Es mag, will alles brechen, Die gotterfüllte Brust Mit Tönen wohl besprechen Der Menschen Streit und Lust.
Und eine Welt von Bildern Baut sich da auf so still, Wenn draußen dumpf verwildern Die alte Schönheit will. |
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Marienlied |
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Wenn ins Land die Wetter hängen Und der Mensch erschrocken steht, Wendet, wie mit Glockenklängen, Die Gewitter Dein Gebet, Und wo aus den grauen Wogen Weinend auftaucht das Gefild, Segnest Du's vom Regenbogen – Mutter, ach, wie bist Du mild!
Wenns einst dunkelt auf den Gipfeln Und der kühle Abend sacht Niederrausche in den Wipfeln: O Maria, heilge Nacht! Laß mich nimmer wie die andern, Decke zu der letzten Ruh Mütterlich den müden Wandrer Mit dem Sternenmantel zu. |
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Nachtzauber |
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Hörst du nicht die Quellen gehen Zwischen Stein und Blumen weit Nach den stillen Waldesseen, Wo die Marmorbilder stehen In der schönen Einsamkeit? Von den Bergen sacht hernieder, Weckend die uralten Lieder, Steigt die wunderbare Nacht, Und die Gründe glänzen wieder, Wie dus oft im Traum gedacht.
Kennst die Blume du, entsprossen In dem mondbeglänzten Grund? Aus der Knospe, halb erschlossen, Junge Glieder blühend sprossen, Weiße Arme, roter Mund, Und die Nachtigallen schlagen, Und rings hebt es an zu klagen, Ach, vor Liebe todeswund, Von versunknen schönen Tagen – Komm, o komm zum stillen Grund! |
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Das zerbrochne Ringlein |
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In einem kühlen Grunde Da geht ein Mühlenrad, Meine Liebste ist verschwunden, Die dort gewohnet hat.
Sie hat mir Treu versprochen, Gab mir ein'n Ring dabei, Sie hat die Treu gebrochen, Mein Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht als Spielmann reisen Weit in die Welt hinaus, Und singen meine Weisen, Und gehn von Haus zu Haus.
Ich möcht als Reiter fliegen Wohl in die blutge Schlacht, Um stille Feuer liegen Im Feld bei dunkler Nacht.
Hör ich das Mühlrad gehen: Ich weiß nicht, was ich will – Ich möcht am liebsten sterben, Da wärs auf einmal still! |
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Der Abend |
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Schweigt der Menschen laute Lust: Rauscht die Erde wie in Träumen Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt, Alte Zeiten, linde Trauer, Und es schweifen leise Schauer Wetterleuchtend durch die Brust. |
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Der Morgen |
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Fliegt der erste Morgenstrahl Durch das stille Nebeltal, Rauscht erwachend Wald und Hügel: Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!
Und sein Hütlein in die Luft Wirft der Mensch vor Lust und ruft: Hat Gesang doch auch noch Schwingen, Nun, so will ich fröhlich singen!
Hinaus, o Mensch, weit in die Welt, Bangt dir das Herz in krankem Mut; Nichts ist so trüb in Nacht gestellt, Der Morgen leicht machts wieder gut. |
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Der Vögel Abschied |
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Ade, ihr Felsenhallen, Du schönes Waldrevier, Die falben Blätter fallen, Wir ziehen weit von hier.
Träumt fort im stillen Grunde! Die Berg stehn auf der Wacht, Die Sterne machen Runde Die lange Winternacht.
Und ob sie all verglommen, Die Täler und die Höhn – Lenz muß doch wiederkommen Und alles auferstehn! |
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ausgewählte Werke IV |
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Der alte Garten |
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Kaiserkron und Päonien rot, Die müssen verzaubert sein, Denn Vater und Mutter sind lange tot, Was blühn sie hier so allein?
Der Springbrunn plaudert noch immerfort Von der alten schönen Zeit, Eine Frau sitzt eingeschlafen dort, Ihre Locken bedecken ihr Kleid.
Sie hat eine Laute in der Hand, Als ob sie im Schlafe spricht, Mir ist, als hält ich sie sonst gekannt – Still, geh vorbei und weck sie nicht!
Und wenn es dunkelt das Tal entlang, Streift sie die Saiten sacht, Da gibts einen wunderbaren Klang Durch den Garten die ganze Nacht. |
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Die Nacht |
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Wie schön, hier zu verträumen Die Nacht im stillen Wald, Wenn in den dunklen Bäumen Das alte Märchen hallt.
Die Berg im Mondesschimmes Wie in Gedanken stehn, Und durch verworrne Trümmer Die Quellen klagend gehn.
Denn müd ging auf den Matten Die Schönheit nun zur Ruh, Es deckt mit kühlen Schatten Die Nacht das Liebchen zu.
Das ist das irre Klagen In stiller Waldespracht, Die Nachtigallen schlagen Von ihr die ganze Nacht.
Die Stern gehn auf und nieder - Wann kommst du, Morgenwind, Und hebst die Schatten wieder Von dem verträumten Kind?
Schon rührt sichs in den Bäumen, Die Lerche weckt sie bald - So will ich treu verträumen Die Nacht im stillen Wald. |
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Der stille Grund |
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Der Mondenschein verwirret die Täler weit und breit, die Bächlein, wie verirret, gehn durch die Einsamkeit.
Da drüben sah ich stehen den Wald auf steiler Höh', die finstern Tannen sehen in einen tiefen See.
Ein Kahn wohl sah ich ragen, doch niemand, der es lenkt, das Ruder war zerschlagen, das Schifflein halb versenkt.
Eine Nixe auf dem Steine flocht dort ihr goldnes Haar, sie meint', sie wär' alleine, und sang so wunderbar.
Sie sang und sang, in den Bäumen und Quellen rauscht' es sacht und flüsterte wie in Träumen die mondbeglänzte Nacht.
Ich aber stand erschrocken, denn über Wald und Kluft erklangen Morgenglocken schon ferne durch die Luft.
Und hätt' ich nicht vernommen den Klang zu guter Stund', wär' nimmermehr gekommen aus diesem stillen Grund. |
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Der Einsame |
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Wär's dunkel, ich läg' im Walde, Im Walde rauscht's so sacht, Mit ihrem Sternenmantel Bedeckt mich da die Nacht.
Da kommen die Bächlein gegangen, ob ich schon schlafen tu? Ich schlaf nicht, ich hör noch lang Den Nachtigallen zu.
Wenn die Wipfel über mir schwanken, Das klingt die ganze Nacht. Das sind im Herzen die Gedanken, Die singen, wenn niemand mehr wacht. |
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Die Nachtigallen |
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Möchte‘ wissen, was sie schlagen So schön bei der Nacht, ‚s ist in der Welt ja doch niemand, Der mit ihnen wacht.
Und die Wolken, die reisen, Und das Land ist so blaß, Und die Nacht wandert leise Durch den Wald übers Gras.
Nacht, Wolken, wohin sie gehen, Ich weiß es recht gut, Liegt ein Grund hinter den Höhen, Wo meine Liebste jetzt ruht.
Zieht der Einsiedel sein Glöcklein, Sie höret es nicht, Es fallen ihr die Löcklein Übers ganze Gesicht.
Und daß sie niemand erschrecket, Der liebe Gott hat sie hier Ganz mit Mondschein bedecket, Da träumt sie von mir. |
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Marias Sehnsucht |
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Es ging Maria in stiller Nacht, Die Erde schlief, der Himmel wacht', Und durchs Herze, wie sie ging und sann und dacht, Zogen die Sterne mit goldener Pracht. »Ach, hätt ich das Brautkleid von Himmelsschein, Und goldene Sterne gewoben drein!«
Es ging Maria im Garten allein, Da sangen so lockend bunt Vögelein, Und Rosen sah sie im Grünen stehn, Viel rote und weiße so wunderschön. »Ach hätt ich ein Knäblein, so weiß und rot, Wie wollt ichs lieb haben bis in den Tod!«
Nun ist wohl das Brautkleid gewoben gar, Und goldene Sterne im dunkelen Haar, Und im Arme die Jungfrau das Knäblein hält, Hoch über der dunkelerbrausenden Welt, Und vom Kindlein gehet ein Glänzen aus, Das ruft uns nur ewig: nach Haus, nach Haus. |
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Oh wunderbares, tiefes Schweigen |
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Oh wunderbares, tiefes Schweigen, wie einsam ist`s doch auf der Welt! Die Wälder nur sich leise neigen, als ging der Herr durchs stille Feld. Ich fühl mich recht wie neu erschaffen. Wo ist die Sorge, wo die Not? Was mich noch gestern wollt erschlaffen- ich schäm mich des im Morgenrot. Die Welt mit ihrem Gram und Glücke will ich, ein Pilger, frohbereit betreten nur wie eine Brücke zu Dir, Herr, übern Strom der Zeit. |
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Heimweh |
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Du weißts, dort in den Bäumen Schlummert ein Zauberbann, Und nachts oft, wie in Träumen, Fängt der Garten zu singen an.
Nachts durch die stille Runde Wehts manchmal bis zu mir, Da ruf ich aus Herzensgrunde, O Bruderherz, nach dir.
So fremde sind die andern, Mir graut im fremden Land, Wir wollen zusammen wandern, Reich treulich mir die Hand!
Wir wollen zusammen ziehen, Bis daß wir wandermüd Auf des Vaters Grabe knien Bei dem alten Zauberlied. |
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Götterdämmerung |
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Von kühnen Wunderbildern Ein großer Trümmerhauf, In reizendem Verwildern Ein blühnder Garten drauf;
Versunknes Reich zu Füßen, Vom Himmel fern und nah, Aus anderm Reich ein Grüßen – Das ist Italia!
Wenn Frühlingslüfte wehen Hold übern grünen Plan, Ein leises Auferstehen Hebt in den Tälern an.
Da will sichs unten rühren Im stillen Göttergrab, Der Mensch kanns schauernd spüren Tief in die Brust hinab.
Verwirrend in den Bäumen Gehn Stimmen hin und her, Ein sehnsuchtsvolles Träumen Weht übers blaue Meer.
Und unterm duftgen Schleier, Sooft der Lenz erwacht, Webt in geheimer Feier Die alte Zaubermacht.
Frau Venus hört das Locken, Der Vögel heitern Chor, Und richtet froh erschrocken Aus Blumen sich empor.
Sie sucht die alten Stellen, Das luftge Säulenhaus, Schaut lächelnd in die Wellen Der Frühlingsluft hinaus.
Doch öd sind nun die Stellen, Stumm liegt ihr Säulenhaus, Gras wächst da auf den Schwellen, Der Wind zieht ein und aus.
Wo sind nun die Gespielen? Diana schläft im Wald, Neptunus ruht im kühlen Meerschloß, das einsam hallt.
Zuweilen nur Sirenen Noch tauchen aus dem Grund, Und tun in irren Tönen Die tiefe Wehmut kund. –
Sie selbst muß sinnend stehen So bleich im Frühlingsschein, Die Augen untergehen, Der schöne Leib wird Stein. –
Denn über Land und Wogen Erscheint, so still und mild, Hoch auf dem Regenbogen Ein andres Frauenbild.
Ein Kindlein in den Armen Die Wunderbare hält, Und himmlisches Erbarmen Durchdringt die ganze Welt.
Da in den lichten Räumen Erwacht das Menschenkind, Und schüttelt böses Träumen Von seinem Haupt geschwind.
Und, wie die Lerche singend, Aus schwülen Zaubers Kluft Erhebt die Seele ringend Sich in die Morgenluft. |
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In der Fremde II |
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Ich hör die Bächlein rauschen Im Walde her und hin, Im Walde in dem Rauschen Ich weiß nicht, wo ich bin.
Die Nachtigallen schlagen Hier in der Einsamkeit, Als wollten sie was sagen Von der alten, schönen Zeit.
Die Mondesschimmer fliegen, Als säh ich unter mir Das Schloß im Tale liegen, Und ist doch so weit von hier!
Als müßte in dem Garten, Voll Rosen weiß und rot, Meine Liebste auf mich warten, Und ist doch lange tot. |
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