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Auslese |
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Friedrich Hölderlin |
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geb. am 20.3.1770 in Lauffen/Neckar gest. am 7.6.1843 in Tübingen
Reine, tiefe Sprache und ein großes, geradezu klassisches Dichterschicksal verbinden sich mit seinem Namen. Die ersten vier Zeilen der letzten Strophe des Werkes "Das Schicksal" zieren seinen Grabstein und sind gewiß das Leitmotiv seines bewegten Lebens. Er ist eines unserer "ewigen Idole"! |
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ausgewählte Werke I |
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Der Gott der Jugend |
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Gehn dir im Dämmerlichte, Wenn in der Sommernacht Für selige Gesichte Dein liebend Auge wacht, Noch oft der Freunde Manen Und, wie der Sterne Chor, Die Geister der Titanen Des Altertums empor,
Wird da, wo sich im Schönen Das Göttliche verhüllt, Noch oft das tiefe Sehnen Die Liebe dir gestillt, Belohnt des Herzens Mühen Der Ruhe Vorgefühl, Und tönt von Melodien Der Seele Saitenspiel,
So such im stillen Tale Den blütenreichsten Hain, Und gieß aus goldner Schale Den frohen Opferwein! Noch lächelt unveraltet Des Herzens Frühling dir, Der Gott der Jugend waltet Noch über dir und mir.
Wie unter Tiburs Bäumen, Wenn da der Dichter saß, Und unter Götterträumen Der Jahre Flucht vergaß, Wenn ihn die Ulme kühlte, Und wenn sie stolz und froh Um Silberblüten spielte, Die Flut des Anio,
Und wie um Platons Hallen, Wenn durch der Haine Grün, Begrüßt von Nachtigallen, Der Stern der Liebe schien, Wenn alle Lüfte schliefen, Und, sanft bewegt vom Schwan, Cephissus durch Oliven Und Myrtensträuche rann,
So schön ist's noch hienieden! Auch unser Herz erfuhr Das Leben und den Frieden Der freundlichen Natur; Noch blüht des Himmels Schöne, Noch mischen brüderlich In unsers Herzens Töne Des Frühlings Laute sich.
Drum such im stillsten Tale Den düftereichsten Hain, Und gieß aus goldner Schale Den frohen Opferwein! Noch lächelt unveraltet Das Bild der Erde dir, Der Gott der Jugend waltet Noch über dir und mir. |
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Geh unter, schöne Sonne |
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Geh unter, schöne Sonne, sie achteten Nur wenig dein, sie kannten dich, Heilge, nicht, Denn mühelos und stille bist du Über den Mühsamen aufgegangen.
Mir gehst du freundlich unter und auf, o Licht! Und wohl erkennt mein Auge dich, herrliches! Denn göttlich stille ehren lernt' ich, Da Diotima den Sinn mir heilte.
O du, des Himmels Botin! wie lauscht ich dir! Dir, Diotima! Liebe! wie sah von dir Zum goldnen Tage dieses Auge Glänzend und dankend empor. Da rauschten
Lebendiger die Quellen, es atmeten Der dunkeln Erde Blüten mich liebend an, Und lächelnd über Silberwolken Neigte sich segnend herab der Äther. |
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Dem Sonnengott |
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Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir Von aller deiner Wonne; denn eben ists, Daß ich gesehn, wie, müde seiner Fahrt, der entzückende Götterjüngling
Die jungen Locken badet' im Goldgewölk; Und jetzt noch blickt mein Auge von selbst nach ihm; Doch fern ist er zu frommen Völkern, Die ihn noch ehren, hinweggegengen.
Dich lieb ich, Erde! trauerst du doch mit mir! Und unsre Trauer wandelt, wie Kinderschmerz, In Schlummer sich, und wie die Winde Flattern und flüstern im Saitenspiele,
Bis ihm des Meisters Finger den schönern Ton Entlockt, so spielen Nebel und Träum um uns, Bis der Geliebte wiederkömmt und Leben und Geist sich in uns entzündet. |
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Der Herbst |
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Die Sagen, die der Erde sich entfernen, Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret, Sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.
Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen Von der Natur, als wie die Tag' verblassen Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder, Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.
In kurzer Zeit hat vieles sich geendet, Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget, Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget, In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.
Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret Ist wie die Wolke nicht, die Abends sich verlieret; Es zeiget sich mit einem goldnen Tage, Und die Vollkommenheit ist ohne Klage. |
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Hälfte des Lebens |
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Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen. |
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Hyperions Schicksalslied |
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Ihr wandelt droben im Licht Auf weichem Boden, selige Genien! Glänzende Götterlüfte Rühren euch leicht, Wie die Finger der Künstlerin Heilige Saiten.
Schicksallos, wie der schlafende Säugling, atmen die Himmlischen; Keusch bewahrt In bescheidener Knospe, Blühet ewig Ihnen der Geist, Und die seligen Augen Blicken in stiller Ewiger Klarheit.
Doch uns ist gegeben, Auf keiner Stätte zu ruhn, Es schwinden, es fallen Die leidenden Menschen Blindlings von einer Stunde zur andern, Wie Wasser von Klippe Zu Klippe geworfen, Jahr lang ins Ungewisse hinab. |
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An die Parzen |
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Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen! Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget, dann mir sterbe.
Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heilige, das am Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,
Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel Mich nicht hinab geleitet; Einmal Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht. |
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Abbitte |
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Heilig Wesen! gestört hab ich die goldene Götterruhe dir oft, und der geheimeren, Tiefern Schmerzen des Lebens Hast du manche gelernt von mir.
O vergiß es, vergib! gleich dem Gewölke dort Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du Ruhst und glänzest in deiner Schöne wieder, du süßes Licht! |
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An die Deutschen |
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Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt, O ihr Guten! auch wir sind Tatenarm und gedankenvoll!
Aber kommt, wie der Strahl aus dem Gewölke kommt, Aus Gedanken vielleicht, geistig und reif die Tat? Folgt die Frucht, wie des Haines Dunklem Blatte, der stillen Schrift?
Und das Schweigen im Volk, ist es die Feier schon Vor dem Feste? die Furcht, welche den Gott ansagt? O dann nehmt mich, ihr Lieben! Daß ich büße die Lästerung.
Schon zu lange, zu lang irr ich, dem Laien gleich, In des bildenden Geists werdender Werkstatt hier, Nur was blühet, erkenn ich, Was er sinnet, erkenn ich nicht.
Und zu ahnen ist süß, aber ein Leiden auch, Und schon Jahre genug leb ich in sterblicher Unverständiger Liebe Zweifelnd, immer bewegt vor ihm,
Der das stetige Werk immer aus liebender Seele näher mir bringt, lächelnd dem Sterblichen, Wo ich zage, des Lebens Reine Tiefe zu Reife bringt.
Schöpferischer, o wann, Genius unsers Volks, Wann erscheinest du ganz, Seele des Vaterlands, Daß ich tiefer mich beuge, Daß die leiseste Saite selbst
Mir verstumme vor dir, daß ich beschämt Eine Blume der Nacht, himmlischer Tag, vor dir Enden möge mit Freuden, Wenn sie alle, mit denen ich
Vormals trauerte, wenn unsere Städte nun Hell und offen und wach, reineren Feuers voll Und die Berge des deutschen Landes Berge der Musen sind,
Wie die herrlichen einst, Pindos und Helikon, Und Parnasses, und rings unter des Vaterlands Goldnem Himmel die freie, Klare, geistige Freude glänzt.
Wohl ist enge begrenzt unsere Lebenszeit, Unserer Jahre Zahl sehen und zählen wir, Doch die Jahre der Völker, Sah ein sterbliches Auge sie?
Wenn die Seele dir auch über die eigne Zeit Sich, die sehnende, schwingt, trauernd verweilest du Dann am kalten Gestade Bei den deinen und kennst sie nie,
Und die Künftigen auch, sie, die Verheißenen, Wo, wo siehest du sie, daß du an Freundeshand Einmal wieder erwärmest, Einer Seele vernehmlich seist?
Klanglos, ...ists in der Halle längst, Armer Seher! bei dir, sehnend verlischt dein Aug Und du schlummerst hinunter Ohne Namen und unbeweint. |
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ausgewählte Werke II |
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Dem Genius der Kühnheit |
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Wer bist du? wie zur Beute breitet Das Unermeßliche vor dir sich aus, Du Herrlicher! mein Saitenspiel geleitet Dich auch hinab in Plutons dunkles Haus; So flogen auf Ortygias Gestaden, Indes der Lieder Sturm die Wolken brach, Dem Rebengott die taumelnden Mänaden In wilder Lust durch Hain und Klüfte nach.
Einst war, wie mir, der stille Funken Zu freier heitrer Flamme dir erwacht, Du braustest so, von junger Freude trunken, Voll Übermuts durch deiner Wälder Nacht, Als von der Meisterin, der Not, geleitet, Dein ungewohnter Arm die Keule schwang, Und drohend sich, vom ersten Feind erbeutet, Die Löwenhaut um deine Schulter schlang. –
Wie nun in jugendlichem Kriege Heroenkraft mit der Natur sich maß! Ach! wie der Geist, vom wunderbaren Siege Berauscht, der armen Sterblichkeit vergaß! Die stolzen Jünglinge! die kühnen! Sie legten froh dem Tiger Fesseln an, Sie bändigten, von staunenden Delphinen Umtanzt, den königlichen Ozean.
Oft hör ich deine Wehre rauschen, Du Genius der Kühnen! und die Lust, Den Wundern deines Heldenvolks zu lauschen, Sie stärkt mir oft die lebensmüde Brust: Doch weilst du freundlicher um stille Laren, Wo eine Welt der Künstler kühn belebt, Wo um die Majestät des Unsichtbaren Ein edler Geist der Dichtung Schleier webt.
Den Geist des Alls und seine Fülle Begrüßte Mäons Sohn auf heilger Spur, Sie stand vor ihm, mit abgelegter Hülle, Voll Ernstes da, die ewige Natur; Er rief sie kühn vom dunklen Geisterlande, Und lächelnd trat, in aller Freuden Chor, Entzückender im menschlichen Gewande Die namenlose Königin hervor.
Er sah die dämmernden Gebiete, Wohin das Herz in banger Lust begehrt, Er streuete der Hoffnung süße Blüte Ins Labyrinth, wo keiner wiederkehrt, Dort glänzte nun in mildem Rosenlichte Der Lieb und Ruh ein lächelnd Heiligtum, Er pflanzte dort der Hesperiden Früchte, Dort stillt die Sorgen nun Elysium.
Doch schrecklich war, du Gott der Kühnen! Dein heilig Wort, wenn unter Nacht und Schlaf Verkündiger des ewgen Lichts erschienen, Und den Betrug der Wahrheit Flamme traf; Wie seinen Blitz aus hohen Wetternächten Der Donnerer auf bange Tale streut, So zeigtest du entarteten Geschlechten Der Riesen Sturz, der Völker Sterblichkeit.
Du wogst mit strenggerechter Schale, Wenn mit der Toge du das Schwert vertauscht, Du sprachst, sie wankten, die Sardanapale, Vom Taumelkelche deines Zorns berauscht; Es schreckt' umsonst mit ihrem Tigergrimme Dein Tribunal die alte Finsternis, Du hörtest ernst der Unschuld leise Stimme, Und opfertest der heilgen Nemesis.
Verlaß mit deinem Götterschilde, Verlaß, o du der Kühnen Genius! Die Unschuld nie. Gewinne dir und bilde Das Herz der Jünglinge mit Siegsgenuß! O säume nicht! ermahne, strafe, siege! Und sichre stets der Wahrheit Majestät, Bis aus der Zeit geheimnisvoller Wiege Des Himmels Kind, der ewge Friede, geht. |
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Das Ahnenbild |
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Alter Vater! Du blickst immer, wie ehmals, noch, Da du gerne gelebt unter den Sterblichen, Aber ruhiger nur, und Wie die Seligen, heiterer
In die Wohnung, wo dich, Vater! das Söhnlein nennt, Wo es lächelnd vor dir spielt und den Mutwill übt, Wie die Lämmer im Feld, auf Grünem Teppiche, den zur Lust
Ihm die Mutter gegönnt. Ferne sich haltend, sieht Ihm die Liebende zu, wundert der Sprache sich Und des jungen Verstandes Und des blühenden Auges schon.
Und an andere Zeit mahnt sie der Mann, dein Sohn; An die Lüfte des Mais, da er geseufzt um sie, An die Bräutigamstage, Da der Stolze die Demut lernt.
Doch es wandte sich bald: Sicherer, denn er war, Ist er, herrlicher ist unter den Seinigen Nun der Zweifachgeliebte, Und ihm gehet sein Tagewerk.
Stiller Vater! auch du lebtest und liebtest so; Darum wohnest du nun, als ein Unsterblicher, Bei den Kindern, und Leben, Wie vom schweigenden Äther, kommt
Öfters über das Haus, ruhiger Mann! von dir, Und es mehrt sich, es reift, edler von Jahr zu Jahr, In bescheidenem Glücke, Was mit Hoffnungen du gepflanzt.
Die du liebend erzogst, siehe! sie grünen dir, Deine Bäume, wie sonst, breiten ums Haus den Arm, Voll von dankenden Gaben; Sichrer stehen die Stämme schon;
Und am Hügel hinab, wo du den sonnigen Boden ihnen gebaut, neigen und schwingen sich Deine freudigen Reben, Trunken, purpurner Trauben voll.
Aber unten im Haus ruhet, besorgt von dir, Der gekelterte Wein. Teuer ist der dem Sohn, Und er sparet zum Fest das Alte, lautere Feuer sich.
Dann beim nächtlichen Mahl, wenn er, in Lust und Ernst, Von Vergangenem viel, vieles von Künftigem Mit den Freunden gesprochen Und der letzte Gesang noch hallt,
Hält er höher den Kelch, siehet dein Bild und spricht: Deiner denken wir nun, dein, und so werd' und bleib' Ihre Ehre des Hauses Guten Genien, hier und sonst!
Und es tönen zum Dank hell die Kristalle dir; Und die Mutter, sie reicht, heute zum erstenmal, Daß es wisse vom Feste, Auch dem Kinde von deinem Trank. |
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Der Tod fürs Vaterland |
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Du kömmst, o Schlacht! schon wogen die Jünglinge Hinab von ihren Hügeln, hinab ins Tal, Wo keck herauf die Würger dringen, Sicher der Kunst und des Arms, doch sichrer
Kömmt über sie die Seele der Jünglinge, Denn die Gerechten schlagen, wie Zauberer, Und ihre Vaterlandsgesänge Lähmen die Kniee den Ehrelosen.
O nehmt mich, nehmt mich mit in die Reihen auf, Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods! Umsonst zu sterben, lieb ich nicht, doch Lieb ich, zu fallen am Opferhügel
Fürs Vaterland, zu bluten des Herzens Blut Fürs Vaterland – und bald ists geschehn! Zu euch, Ihr Teuern! komm ich, die mich leben Lehrten und sterben, zu euch hinunter!
Wie oft im Lichte dürstet' ich euch zu sehn, Ihr Helden und ihr Dichter aus alter Zeit! Nun grüßt ihr freundlich den geringen Fremdling, und brüderlich ists hier unten;
Und Siegesboten kommen herab: Die Schlacht Ist unser! Lebe droben, o Vaterland, Und zähle nicht die Toten! Dir ist, Liebes! nicht Einer zu viel gefallen. |
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Vulkan |
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Jetzt komm und hülle, freundlicher Feuergeist, Den zarten Sinn der Frauen in Wolken ein, In goldne Träum' und schütze sie, die Blühende Ruhe der Immerguten.
Dem Manne laß sein Sinnen, und sein Geschäft, Und seiner Kerze Schein, und den künftgen Tag Gefallen, laß des Unmuts ihm, der Häßlichen Sorge zu viel nicht werden,
Wenn jetzt der immerzürnende Boreas, Mein Erbfeind, über Nacht mit dem Frost das Land Befällt, und spät, zur Schlummerstunde, Spottend der Menschen, sein schröcklich Lied singt,
Und unsrer Städte Mauren und unsern Zaun, Den fleißig wir gesetzt, und den stillen Hain Zerreißt, und selber im Gesang die Seele mir störet, der Allverderber,
Und rastlos tobend über den sanften Strom Sein schwarz Gewölk ausschüttet, daß weit umher Das Tal gärt, und, wie fallend Laub, vom Berstenden Hügel herab der Fels fällt.
Wohl frömmer ist, denn andre Lebendige, Der Mensch; doch zürnt es draußen, gehöret der Auch eigner sich, und sinnt und ruht in Sicherer Hütte, der Freigeborne.
Und immer wohnt der freundlichen Genien Noch Einer gerne segnend mit ihm, und wenn Sie zürnten all', die ungelehrgen Geniuskräfte, doch liebt die Liebe. |
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Dichterberuf |
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Des Ganges Ufer hörten des Freudengotts Triumph, als allerobernd vom Indus her Der junge Bacchus kam mit heilgem Weine vom Schlafe die Völker weckend.
Und du, des Tages Engel! erweckst sie nicht, Die jetzt noch schlafen? gib die Gesetze, gib Uns Leben, siege, Meister, du nur Hast der Eroberung Recht, wie Bacchus.
Nicht, was wohl sonst des Menschen Geschick und Sorg' Im Haus und unter offenem Himmel ist, Wenn edler, denn das Wild, der Mann sich Wehret und nährt! denn es gilt ein anders,
Zu Sorg' und Dienst den Dichtenden anvertraut! Der Höchste, der ists, dem wir geeignet sind Daß näher, immerneu besungen Ihn die befreundete Brust vernehme.
Und dennoch, o ihr Himmlischen all und all Ihr Quellen und ihr Ufer und Hain' und Höhn Wo wunderbar zuerst, als du die Locken ergriffen, und unvergeßlich
Der unverhoffte Genius über uns Der schöpferische, göttliche kam, daß stumm Der Sinn uns ward und, wie vom Strahle gerührt das Gebein erbebte,
Ihr ruhelosen Taten in weiter Welt! Ihr Schicksalstag', ihr reißenden, wenn der Gott Stillsinnend lenkt, wohin zorntrunken Ihn die gigantischen Rosse bringen,
Euch sollten wir verschweigen, und wenn in uns Vom stetigstillen Jahre der Wohllaut tönt So sollt' es klingen, gleich als hätte Mutig und müßig ein Kind des Meisters
Geweihte, reine Saiten im Scherz gerührt? Und darum hast du, Dichter! des Orients Propheten und den Griechensang und Neulich die Donner gehört, damit du
Den Geist zu Diensten brauchst und die Gegenwart Des Guten übereilest, in Spott, und den Albernen Verleugnest, herzlos, und zum Spiele Feil, wie gefangenes Wild, ihn treibest.
Bis aufgereizt vom Stachel im Grimme der Des Ursprungs sich erinnert und ruft, daß selbst Der Meister kommt, dann unter heißen Todesgeschossen entseelt dich lässet.
Zu lang ist alles Göttliche dienstbar schon Und alle Himmelskräfte verscherzt, verbraucht Die Gütigen, zur Lust, danklos, ein Schlaues Geschlecht und zu kennen wähnt es
Wenn ihnen der Erhabne den Acker baut Das Tagslicht und den Donnerer, und es späht Das Sehrohr wohl sie all und zählt und Nennet mit Namen des Himmels Sterne
Der Vater aber decket mit heilger Nacht, Damit wir bleiben mögen, die Augen zu. Nicht liebt er Wildes! doch es zwinget Nimmer die weite Gewalt den Himmel.
Noch ists auch gut, zu weise zu sein. Ihn kennt Der Dank. Doch nicht behält er es leicht allein, Und gern gesellt, damit verstehn sie Helfen, zu anderen sich ein Dichter.
Furchtlos bleibt aber, so er es muß, der Mann Einsam vor Gott, es schützet die Einfalt ihn, Und keiner Waffen brauchts und keiner Listen, so lange, bis Gottes Fehl hilft. |
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