Auslese

Hermann Löns

geb. am 29.8.1866 in Kulm
gef. am 26.9.1914 bei Reims

Erst spät entdeckten wir die etwas rauhbeinig wirkenden Verse dieses erfrischend unzeitgemäßen Mannes. In- zwischen zählt er zu unseren Lieblingsdichtern. Seine naturverbundenen Verse sprühen vor männlichem Temperament und werden wohl baldigst von uns vertont werden müssen.


ausgewählte Werke I

Die schöne Marie

Zigeunertod

Sühne

Maiensegen

Protokoll

Erinnerung

Der Kreuzstein

Die rote Rune

Der Langobarde

(ausgewählte Werke II)




Die schöne Marie

Eine Möwe flog um das Achterdeck
Und schrie und schrie und schrie;
Kord Kordsen war es, als wenn sie rief:
Marie, Marie, Marie!

Kord Kordsen drehte das Steuerrad
In der breiten, braunen Hand,
Und er dachte an die schöne Marie,
Und sein Herz ihm stille stand.

Und er dachte daran, wie gespart und gespart
Und gespart er Jahr für Jahr,
Und alles um die schöne Marie
Mit dem blonden Ringelhaar.

Die andern vertaten die Löhnung an Land
Bei Weibern und bei Wein;
Kord Kordsen gedachte der schönen Marie,
Hielt Leib und Lippen rein.

Und dann kam der Brief über Land und Meer,
Kord Kordsens Seele schrie,
Und er dachte, wo er ging und stand:
Marie, Marie, Marie!

Und er aß nicht mehr und er schlief nicht mehr
Und vertrank die Löhnung an Land.
Und er dachte an die schöne Marie,
Am Griffe des Messers die Hand.

Und er kam nach Haus und er ging zum Tanz
Und trank und prahlte und schrie,
Und er rief Timm Taadje ein Schimpfwort zu,
Dem Manne der schönen Marie.

Timm Taadje schlug zu und Kord Kordsen zog blank,
Und die Weiber umkreischten sie,
Und das Messer war rot und Timm Taadje war tot,
Und es weinte die schöne Marie.

Eine Möwe flog an dem Deich entlang
Und schrie und schrie und schrie.
Kord Kordsen war es, als wenn sie rief:
Marie, Marie, Marie!

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Zigeunertod

Sie führten ihn hinaus zum Tor
Beim ersten Sonnenstrahle;
"Nun sieh dich um, du junges Blut,
Zum allerletzten male!

Mit deinen beiden Augen schau
So weit du nur kannst schauen,
Den blauen Fluß, den grünen Wald,
Die blumenbunten Auen.

"Und wenn du eine Bitte hast,
Sprich aus sie ohne Zagen,
Den letzten, allerletzten Wunsch
Darf dir kein Mensch versagen."

Er schlug die Augen langsam auf
Und sah nach allen vier Winden:
"Was lebt und blüht von Süd nach Nord
Muß welken und verschwinden."

Er sah hinauf zum Sonnenlicht
Und sah hinab zur Erde:
"Und was auch lebt, es ist nur wert,
Daß wieder Staub es werde.

"Und wenn ich einmal hängen soll,
So schenk ich euch die Gnaden,
Werft meinen Leib den Hunden hin,
Den Käfern und den Maden.

"Wein, Weib und Pfeife, Kinderei!
Ich hab damit geschlossen;
Ihr Knechte, ich hab von alledem mehr;
Als ihr zusammen, genossen.

"Und wenn ich heute sterben soll,
Gilt alles mir geringe."
Er spuckte nach dem Galgen hin
Und bot sein Haupt der Schlinge.

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Sühne

Hans Elges verfluchte Louis Veit:
"Die Schwindsucht soll er sich holen!
Er hat mir die Sonne aus meinem Tag
Mit Lug und Verleumdung gestohlen."

Er sprach zu mir mit grauem Gesicht:
"Du mußt mir sekundieren;
Auf Kampfunfähigkeit fordere ich,
Mit Zielen und Avancieren."

Es war ein sonniger Maientag,
Die Sonne kam über die Wälder,
Die Droschken rumpelten hell und laut
Durch grüne, tauige Felder.

Wir hielten hinter dem Weidenhag,
Ein Sperber schlug einen Ammer;
Hans Elges lachte: "Der Vorspuk ist gut;
Ihr Veits, ich künde euch Jammer!"

Der erste Gang; er schoß vorbei
Und stampfte verstohlen die Erde;
Um seinen Mund kroch scharf und kalt
Eine bitterböse Gebärde.

Der zweite Gang: Bluthunger im Blick
War Elges vorgegangen;
Er traf; die Freudenträne lief
Ihm glitzernd über die Wangen.

Drei Jahre Festung wurden sein Lohn;
Es machte ihn wenig verdrossen;
Er sang jeden Tag: "Louis Veit ist tot,
Und ich hab´ ihn totgeschossen."

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Maiensegen

Die Maiennacht ist hell und heiß,
In Flammen steht der heilige Kreis,
Ein Dreieck hin, ein Dreieck her,
Die liegen über Kreuz und Quer.

Es bebt das Laub am Lindenbaum,
Es träumt der Väter hohen Traum;
Das ist die Nacht, die heilige Nacht,
In der das neue Reich erwacht.

Es neigt sich jedes Lindenreis,
Der starke Gott tritt in den Kreis;
Die Sterne geben hellern Schein,
Die gute Fraue tritt herein.

Da hebt der Gott die Schwerthand auf
Und hemmt der Wolkenkühe Lauf;
Sie eilen in den heiligen Kreis,
Wo jedes seine Stelle weiß.

Die Euter hängen tief und schwer,
Und Feld und Wiesen dürsten sehr;
Die Göttin regt die weiße Hand,
Der Regen rieselt auf das Land.

Es sprießt das Gras, es schießt das Korn,
Es singt sein Lied der Hungerborn;
O Maiennacht, o Weihenacht,
Es steht das Land in Hochzeitspracht!

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Protokoll

Ich heiße Friedrich Wilhelm Schläger,
Nicht vorbestraft, bin vierzig alt,
Verehelicht, ich stand als Jäger
In Bückeburg und bin bestallt
Seit sieben Jahren über Echter,
Aubruch, Kirchlohe, Hellenstein
Als Jagdaufseher von dem Pächter,
Dem adeligen Jagdverein.

Ich merkte es seit ein´gen Wochen,
Es war nicht sauber im Revier,
Hier war ein Rehbock aufgebrochen,
Dort fehlte eine Ricke mir;
Pfingstsonntag wurden zwei Gescheide
Auf einmal mir ins Haus gebracht,
Von alten Ricken, alle beide
Enthielten eine reife Tracht.

Am dritten Juli bei halb viere
Stand ich am Kösterbruche an,
Dem besten Wechsel im Reviere,
Da kam von Meyers Busch ein Mann;
Die Mütze trug er im Gesichte
Und unterm Arme das Gewehr,
Er pürschte von der Zwillingsfichte
Sich langsam vor der Wiese her.

Dort äste bei der Vorflutbrücke
Vertraut seit einer Stunde sich
Mit ihrem Kitze eine Ricke,
Auf diese zu der Wilddieb schlich;
Ich sah, wie er sich fertig machte
Und langsam vortrat aus dem Wald,
Und ehe daß es drüben krachte,
Ging ich in Anschlag und schrie: "Halt!"

So wie ich rief, da riß der Funken,
Der Hagel schlug um mich herum,
Da nahm aufs Korn ich den Hallunken
Und machte auch den Finger krumm;
Ich sah im Feuer ihn roullieren,
Den Knall er nicht vernommen hat,
Er tat nicht Hand noch Fuß mehr rühren,
Es saß die Kugel Mitte Blatt.

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Erinnerung

Heut ist der erste Dezembertag,
Da ist das Herz uns schwer,
Ich seh´ noch, wie er vor mir lag,
Sind´s auch schon Jahre her.

Am ersten Dezember vor sieben Jahr
Schien auch die Sonne so blank,
Und als der Tag zu Ende war
Die Totenglocke klang.

Wir gingen zu Holze bei halber Nacht,
Der Schnee war hell und hart,
Der Himmel stand in Sternenpracht,
Uns fror der Hauch im Bart.

Wir gingen neben einander her,
Seine Augen waren weit fort,
Sein Atem ging so tief und schwer,
Er sprach kein einziges Wort.

Und als wir kamen auf das Hai,
Da sagte er: "Johann,
Mir ist so eigen, Junge sei
Meiner Schwester ein guter Mann!"

Er setzte die Säge an den Baum,
Am anderen Ende ich stand;
Seine Augen waren wie im Traum,
Ich hatt´ ihn noch nie so gekannt.

Sonst sah man die Zähne in seinem Mund,
Den Tag, da sah man sie nicht;
Sonst war so fröhlich und so rund,
Nun ernst und lang sein Gesicht.

Wir nahmen die Axt, der Doppelklang
Schallte hell und klar;
Das Echo aus dem Felsen sprang,
Ganz wie sonst es war.

Es gab einen Krach und gab einen Schrei,
Falsch fiel der Buchenbaum;
Er fiel auf ihn: "Es ist vorbei",
Sprach er, den Mund voll Schaum.

Ich sprach für ihn ein kurzes Gebet,
Daß leicht ihm die Erde sei;
Im Dorfe hat ein Hahn gekräht,
Es war wie ein Jammerschrei.

Der Oberholzhauer trat heran
Und deckte ihm zu das Gesicht,
Und sprach: "Nun sagt es dem Förster an!
Für heute machen wir Schicht."

Komm, Frau, und lass´ die Arbeit stehn,
Zieh an dein Kirchenkleid;
Wir wollen zu seinem Grabe gehn,
Es ist seine Sterbezeit.

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Der Kreuzstein

Es steht ein Stein am Wege,
Ein alter, grauer Stein;
Es grub in ihn der Steinmetz
Kreuz und Beil hinein.

Als Untatsangedenken
Er dort am Wege steht;
So meldet die Bauernkunde,
Die von dem Steine geht.

Keiner wurde vergessen,
Jedem ward sein Teil;
Ein Kreuz bekam der eine,
Der andere das Beil.

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Die rote Rune

Bleede Bluthand sprang von des Schiffes Rand,
Seine Mannschaft hinter ihm drein,
Und er sah nach dem grünen Marschenland,
Und er wog das Schwert in der schwieligen Hand,
Und begann ein Lied, und wer bei ihm stand,
Der fiel voll Freuden ein:

"O du Rune rot, o du Rune fein,
O du Rune so rot wie das Blut,
Rote Runen werden am Himmel sein,
Rote Runen trocknen am Schwerte mein,
Rote Runen schenk ich dem Mägdelein,
Daß es weiss, wie das Lieben tut!"

Der Tage sieben gingen vorbei,
Sieben Dörfer standen in Brand;
Und die Luft war voll von Rabengeschrei,
Und der Wolf vergaß, was Heißhunger sei;
Denn die Wikinger sangen die Blutlitanei
Die Kreuz und die Quere im Land.

Es kam die Nacht auf den siebenten Tag,
Bleede Bluthand lag und schlief;
Ein rosiges Mädchen im Arme ihm lag,
Ihr Vater starb durch des Schwertes Schlag,
Ihrer Mutter Herz vor Entsetzen brach;
Bleede Bluthand schlief ruhig und tief.

Und es schlich herbei und es kroch heran,
Das nackende Messer im Mund;
Und es würgte die Schildwachen Mann für Mann,
Und der Meerwölfe Herzblut im Sande zerrann,
Unehrlichen Strohtod jedweder gewann,
Der da schnarchte im grasigen Grund.

Bleede Bluthand schlief und atmete schwer,
Denn ein Nachtmahr brachte ihm Not;
Das Schiff gehorchte dem Steuer nicht mehr,
Tote Männer schwammen neben ihm her,
Und die Wellen die gingen die Kreuz und die Quer,
Und vom Ufer her lachte der Tod.

Bleede Bluthand stand vor dem großen Stein,
Und die Bauern hielten Gericht;
Und das bei ihm geschlafen das Mägdelein
Das stieß ihm den Dolch in die Augen hinein,
Nahm das Sonnenlicht ihm und den Mondenschein,
Und spuckte ihm in das Gesicht.

Und sie banden ihn in sein Drachenboot
Und stießen´s hinaus in die Flut;
Und sie sangen das Lied von der Rune rot,
Von der Blutrune Lust, von der Blutrune Not,
Drei Runen sie gaben ihm mit in den Tod,
Drei Runen, so rot wie das Blut:

"O du Rune rot, o du Rune schön,
O du Rune, so rot wie das Blut,
Rote Rune soll der Wind dir wehn,
Rote Rune soll dein Auge sehn,
Rote Rune sei dein Sterbegestöhn,
Daß du weißt, wie das Lieben tut."

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Der Langobarde

Es flogen drei Schwäne über die Haide,
Drei silberne Schwäne und keiner mehr;
Sie kamen von Morgen und Abend und Mittnacht,
Aber von Mittag kam keiner her.

Ihr Silbergefieder trug rote Rosen
Vom Abendrot in die Nacht hinein;
Wie Sterne schimmerten ihre Schnäbel,
Wie goldene Sterne mit hellem Schein.

Sie sangen drei Lieder über die Haide,
Drei alte Lieder, süß und schwer;
Drei Lieder von Liebe und Mühe und Frieden,
Drei liebe Lieder und keines mehr.

*

Er stand am Tore und sah in die Haide
Und hatte wieder das fremde Gesicht;
Seine Augen flogen hinunter zum Süden,
Und was sie sahen, er kannte es nicht.

Er sah das Meer und die weißen Städte
Und schwarzes Volk gering und gemein ;
Er sah es unter dem Schwerte sich ducken,
Und das Schwert war rot und das Schwert war sein,

Er sah seine Faust das Szepter halten,
Die Faust, gewohnt des Pfluges Sterz;
Heiß quoll es ihm in die blauen Augen,
Unruhig schlug sein junges Herz.

*

Es kam ein Adler von Mittag geflogen,
Ein goldener Adler und keiner mehr;
Seine Schwingen zerschnitten die Abendwolken,
Sein Schlachtgesang fuhr vor ihm her.

Es schlugen Flammen aus seinen Augen,
Flammen wie Rubine so rot;
Seine Krallen schleuderten helle Blitze,
Jeder von ihnen war der Tod.

Es klang sein Mordschrei über die Haide,
Der heiße Schrei, der Schrei voll Mut;
Drei süße Schwanenlieder verstummten,
Zum gelben Sand floss rotes Blut.

*

Er lag ohne Schlaf auf seinem Lager,
Sein Herz war matt, seine Seele krank;
Das Morgenrot stieg über die Haide,
Ein Adlerruf aus der Ferne klang.

Er riss das Schwert vom Hirschhornhaken
Und gürtete sich mit hastiger Hand;
Er rief sein Horn in die Nebelhaide,
Laut klang es über das stille Land.

Im Frühlicht blitzten die blanken Speere,
Der Adler flog vor dem Volke her;
Ein Siegeslustlied sang er den Männern,
Die silbernen Schwäne sangen nicht mehr.

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ausgewählte Werke II

Jeduch

Die Varusschlacht

Lucifer

Der Hexenbrenner

Das Gericht

Frühling im Dom

Die arme Sünderin

Der Spuk

(ausgewählte Werke III)




Jeduch

Ich stehe hier am Jammerstein
Und schreie meinen Fluch;
Ihr Männer von Meckeloh, hört mein Schrei´n,
Jeduch, jeduch, jeduch!

Hört mein Schrei´n und hört meine Not,
Ich stehe am Jammerstein;
Mein Hennecke, euer Haupt ist tot,
Und Jeduch muß ich ihm schrei´n.

Jeduch auf die Leute aus Lüttgeloh,
Die ihn schlugen mit heimlicher Hand;
Ich rufe Jeduch durch den ganzen Go,
Über Feld, über Moor, über Sand.

Wo die Beeke kommt aus dem großen Moor,
Da fand ich ihn liegen im Sand;
Aus seinem Haar krochen Maden hervor,
In den Augen das Blut ihm stand.

Seinen Brägen hatte der Fuchs verbracht,
Seinen Nacken der Wolf zernagt;
Mit dem Haar hab ich ihm sein Gesicht rein gemacht,
Mit der Hand ihm die Fliegen verjagt.

Sein Arm war hart, seine Hand war rauh,
Sein Herz und sein Mund waren weich;
Seine Augen die waren wie Bachblumen blau,
Keiner von euch ist ihm gleich.

Wo er hinschlug, kam das Gras nicht zurück,
Wo er küßte, küßte er Glut;
Des Dorfes Stolz, meiner Augen Glück,
Da liegt er in seinem Blut!

Bei Nacht und Nebel, vor Tau und Tag
Erschlug ihn das Hundegezücht;
Von hinten traf ihn des Mörders Schlag,
Er lag auf seinem Gesicht.

Keine Nacht noch war er in Wonnen bei mir,
Kein Kind von ihm trägt mein Leib;
Eine Jungfernwitwe, so stehe ich hier,
Ein unglückseliges Weib,

Wenn der Kuckucksruf aus dem Maibaum schallt,
Dann sollte sein Weib ich sein;
Jetzt liegt auf der Deele er steif und kalt,
Und ich bin gelt und allein.

Ich schnitt mir vom Kopfe mein schönes Haar,
Zerkratzte mir Brust und Gesicht;
Aller Zier und Pracht will ich werden bar,
Einem andern gönn ich das nicht.

Will in Lumpen geh´n, will in Lappen sein,
Um den Kopf das Witwentuch;
Und immer bloß schrei´n und schrei´n und schrei´n:
Jeduch, jeduch, jeduch!

Bis Lüttgeloh brennt, bis Lüttgeloh qualmt,
Bis zum Himmel soll blaken die Glut;
Bis der Hammer der Mörder Knochen zermalmt,
In den Mist soll fließen ihr Blut.

Aus Lüttgelohs Balken baut mir dann
Die letzte Lagerstatt;
Und der Mörder Blut soll kleben daran
Das macht meine Augen satt.

Dann will ich legen mein Bestkleid an,
Will tragen das große Geschmeid;
Zu Hennecke geh ich, zu meinem Mann,
Unser Bett, das ist bereit.

Wenn in Lüttgeloh die Kinder schrei´n,
Wenn das Vieh verkohlt im Stall,
Dann will meines Hennecke Weib ich sein,
Will fahren mit ihm zu Walhall.

Ich stehe hier am Jammerstein
Und schreie meinen Fluch;
Ihr Männer von Meckeloh, hört mein Schrei´n,
Jeduch, jeduch, jeduch!


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Die Varusschlacht

Der Herdrauch zog die Diele entlang,
Im Feuer schwehlte der Torf,
Und um das Feuer da saß im Kreis
Die ganze Jungmannschaft vom Dorf;
Sie hatten es alle vernommen,
Es ging von Haus zu Haus:
"Wülfke ist wieder gekommen,
Er gibt heute Abend eins aus!"

Und Wülfke, der griente und legte dann los:
"Na ja, das war schon ein Spaß,
Wenn´s auch den römischen Kerls nicht so schien,
Denn scheußlich bekam ihnen das;
Was machten sie sich auch so mausig,
Uns ging die Geduld schließlich aus,
Na, und da, da ging´s ihnen lausig,
Kaum einer fand wieder nach Haus.

"Na ja, wie das nun gekommen ist,
Das weiß ich nicht mehr so genau,
Ich trank am Abend gefährlich viel Bier
Und war am Morgen noch blau;
Es saß da auf so ´nem Dinge
Ein Kerl und machte sich breit,
Er hatte die Finger voll Ringe
Vor lauter Hoffährtigkeit.

"Na ja, der prahlte in einem weg,
Bloß das ich kein Wort von verstand,
Ein Mann aus der Gegend, der meinte zu mir,
Er hätt´ uns Gesindel genannt;
Das wollt mir denn doch nicht recht passen,
Vor den Augen wurd´s mir ganz rot,
Ich konnt es wahrhaftig nicht lassen
Und bölkte wie unklug: schlah´ dot!

"Na ja, da ging die Geschichte denn los,
Mir wurde davon erst ganz dumm;
Wohin ich auch sah, fiel ein römischer Kerl,
Wie´n Schwein beim Schlachtefest um;
Da spuckt´ ich denn auch in die Hände
Und kriegte mein Messer her,
Ein ganzes langes Ende
Weiß ich nun aber gar nichts mehr.

"Na ja, denn über- und überall
Da gings: schlah´ dot, schlah´ dot!
Und als ich wieder zu mir kam,
Mein Arm war bis obenhin rot;
Zum Kuckuck war mein Messer,
Da langte ich mir ein Schwert,
Das flutschte denn doch noch besser;
Es hängt da hinter dem Herd.

"Na ja, so ging´s denn in einem fort,
Wir brachten sie schön auf den Trab,
Ich hab die Nase noch voll von dem Kerl,
Dem ich den Kälberfang gab;
Er tat man so blitzen und blinken
Vor Gold und Edelgestein,
Und nach Maiblumen tat er stinken;
Sie schmieren mit so was sich ein

"Na ja, doch gegen die Melkezeit
Da wurd´ mir ganz albern vor Durst,
Ob das von der hillen Arbeit nun kam,
Oder ob von der salzigen Wurst?
Da hab ich denn Wasser getrunken,
Wahrhaftig, als wie ein Stück Vieh,
Und das Wasser, das hat gestunken,
Solchen Kuhdurst hatt´ ich noch nie.

"Na ja, das tat mir denn hinterher leid,
Denn im Lager war mächtig viel Wein,
Das Bier da zu Lande ist ja ganz schön,
Aber Wein ist noch einmal so fein;
Doch muss man sich erst dran gewöhnen,
Denn Kinder, ich sage euch bloß,
Ich wurde im Brägen das Dröhnen
Volle drei Tag nicht los."

Er spuckte in das Feuer hinein
Und trank sein Warmbier aus,
Die anderen plinkten sich heimlich zu
Und gingen dann alle nach Haus;
Doch ehe sie abseits bogen
Zum Moor und nach der Haid´,
Da hieß es: "Na, der hat gelogen
Nach der schweren Schwierigkeit!"

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Lucifer

Am Tage des jüngsten Gerichtes war es,
Am letzten Tage des letzten Jahres;
Mit weithin hörbarem Donnerknall
Zersprang der morsche Erdenball.

Alle, die dort vorhanden waren,
Sind sofort gen Himmel gefahren;
Sie scharten sich um Gottes Thron,
Strafe erharrend oder Lohn.

Die Frommen, die ganz vorne standen,
Zu ihrer Entrüstung plötzlich fanden,
Daß auch Satan bei ihnen sei;
Das war ihnen gar nicht einerlei.

Ließen darum bei dem Herren fragen,
Was er eigentlich täte sagen
Zu dieser Frechheit sonder Maß,
Die sich herausnähme Satanas.

Der Herr sprach ohne viel Federlesen:
"Auf mein Geheiß ist er Satan gewesen;
Hätte die Sünde gehabt nicht Platz,
Wo wäre geblieben der Gegensatz?

"Wäre kein Satan zur Erde gekommen,
Gäb´s keine Schächer, gäb´s keine Frommen.
Ihr Erzengel, öffnet eure Reih´n
Fortan soll er wieder Lucifer sein!

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Der Hexenbrenner

Pater Christoph liegt im Sterben,
Und weil immer er getan,
Was die heilige Kirche vorschreibt,
Sieht den Tod er ruhig an;
Beichtet, was nicht wert der Beichte,
Nimmt das letzte Sakrament
Und er empfiehlt die reine Seele
In des lieben Herrgotts Händ´.

Als die Seele schwach und elend
Nun im dunklen Jenseits stand,
Sie zu ihrem größten Schrecken
Garnicht sich zurechte fand;
Sehr vermisste sie den Engel,
Der den wahren Weg ihr wies,
Und es schien ihr nicht sehr freundlich,
Daß man sie alleine ließ.

Und sie schwirrte hin und wieder,
Und sie schwirrte hin und her,
Und sie murrte und sie knurrte
Und sie fluchte schließlich sehr:
"Dazu hat man nun auf Erden
Sich nicht Kuß noch Kind gegönnt,
Daß man hier nun wie ein Schwanzstern
Köpflings in die Runde rennt.

Über fünfzig Hexen hat man
Zu der Hölle hinspediert,
Alles Weinen, alles Winseln
Hat mir nicht den Sinn gerührt;
Und besonders bei der einen
Kam es garnicht leicht mich an.
Denn man war doch jung und kräftig
Und war schließlich auch ein Mann.

"Himmelblau war´n ihre Augen
Und wie Sonnenschein ihr Haar,
Und ihr Leib war schön, wie schöner
Nicht der von Frau Venus war;
Selbst als er zerfetzt und blutig
Wimmernd in den Ketten hing,
Sündlich Fühlen mir wie Feuer
Über Leib und Lenden ging.

"Doch ich rang die Sünde nieder
Und ich trat den Teufel tot,
Und ich lag in meiner Zelle
Nackt bei Wasser und bei Brot;
Und ich betete und büßte,
Und ich rief den Himmel an,
Und in Hunger, Frost und Elend
Ich den sauren Sieg gewann.

"Doch, wenn ich es recht bedenke,
Finde ich, ich war sehr dumm,
Daß ich selber mir die Pforte
Schloß zu dem Elysium;
Beten, fasten und kasteien
Tat ich all mein Leben lang,
Und nun wird man so behandelt,
Und das ist dafür der Dank!"

Und er quält sich und er härmt sich
Drei Millionen Jahre hin,
Hat den Himmel längst vergessen,
Hat das Hexlein nur im Sinn;
Hexlein mit den blauen Augen,
Hexlein mit dem blonden Haar,
Mit dem blütenweißen Leibe,
Der so jung gestorben war.

Und die arme Seele flattert
Wimmernd vor das Höllentor;
"Laura", ruft sie, und ein Teufel
Nied´ren Grades tritt hervor:
"Ihre Laura, werte Seele,
Ist hier gänzlich unbekannt."
Ganz verdonnert Pater Christophs
Seele auf der Treppe stand.

Und sie flattert wieder weiter
Und zum Fegefeuer hin,
Doch die Auskunft, die ihr wurde,
Ward ihr auch nicht zum Gewinn;
In der Hölle keine Laura?
Und im Fegefeuer nicht?
Sollte sie im Himmel weilen?"
Seufzt der ganz verdutzte Wicht.

Zaghaft naht er sich der Pforte,
Und er pochet scheu und bang,
Und das Tor des Himmels öffnet
Weit sich ihm mit hellem Klang;
Und am Tor steht seine Laura,
Schön wie sie auf Erden war,
Mit den himmelblauen Augen,
Mit dem sonnenblonden Haar.

Und er zögert, und er dienert,
Und er fragt: "Ist es erlaubt?
Habe dir dein junges Leben
Einst in blödem Wahn geraubt;
Ich, der Pater Hexenbrenner
Stürzte dich in Not und Qual,
Und nun willst du meine Seele
Führen in den goldnen Saal?"

Doch das Hexlein lacht und alle
Engel lachen mit im Chor,
Und aus seiner Demantlaube
Tritt der liebe Gott hervor;
Und er füget ihre Hände,
Und die Seelen küssen sich;
Gottes Sohn, der lächelt freundlich,
Doch der Geist spricht feierlich:

"Glaubst du denn, wir hier im Himmel
Haben irdisches Gemäß,
Messen eure armen Sünden
Mit dem amtlichen Gefäß?
Nein, wir werten nur die Liebe,
Gab sie sich auch plump und dumm;
Wer geliebt hat, der hat Zutritt
Einstmals zum Elysium."

Und er schämt sich ganz gehörig,
Und dann spricht er seinen Dank,
Und dann küßt er seine Laura
Zehn Millionen Jahre lang;
Und die Engel stehen alle
Dicht geschart und ihr Gesang
Lehret ihn des Himmels Satzung,
Die verfehlt er allzu lang:

Von dem Mond bis zu der Sonne,
Das ist wohl ein weiter Weg,
Von der Erde bis zum Himmel
Führt ein ewig langer Steg;
Alle Reue, alle Buße
Kürzt dir nicht des Weges Pein,
Nur die Liebe kann dir helfen,
Daß du gehst zum Himmel ein.

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Das Gericht

Das Fallbeil fiel; auf dem Schaffot
Bekam er seinen Lohn;
Den roten Ring um seinen Hals
Stand er vor Gottes Thron.
Die weißen Engel schlugen all´
Die Hände vor´s Gesicht,
Und eine tiefe Stimme sprach:
"Es sei ihm das Gericht!"

Es sprach der Geist mit hartem Blick:
"So fahr´ zur Hölle hin;
Du hast vergossen Bruderblut,
Die Nacht sei dein Gewinn!"
Die schwarzen Engel, augenlos,
Mit Mienen tot und stumm,
Die stellten um den Schächer sich
Ganz eng und dicht herum.

Es sprach der Sohn mit weichem Blick:
"Laßt ihn zum Lichte ein;
Er hat mit Tod die Tat gebüßt
Und soll willkommen sein!"
Die weißen Engel nahmen all´
Die Hände vom Gesicht;
Die tiefe Stimme aber sprach:
"Fahr fort in dem Gericht!"

Es sprach der Geist, es sprach der Sohn,
Die Waage fiel und stieg;
Sie stieg und fiel, bis daß der Sohn
Beklommen stand und schwieg,
Die Stimme schwoll, die Stimme quoll,
Sie fiel wie Blei hinab:
"Ihr schwarzen Engel, tretet her,
Führt ihn zum ewigen Grab!"

Der Mörder sah die Stimme an
Und sprach: "Das nennst du Recht?
Was schufest du zum Herren mich,
Und machtest mich zum Kecht?"
Er riß das flammendheiße Schwert
Dem Cherub aus der Hand
Und schlug der schwarzen Engel Schar
Bis an den Höllen Rand,

Und schrie der stummen Stimme zu:
"Du trägst allein die Schuld;
Du gabst mir zu viel Leidenschaft
Und nicht genug Geduld;
Gabst mir den Nacken steif und stolz
Und kochendheißes Blut;
Dich trifft, was ich verbrochen hab´
In glühendroter Wut!

"Kommt her, ihr Engel ohne Blick,
Ihr Engel, schwarz wie Nacht;
Hier steht ein Mann mit einer Wehr,
Der eurer aller lacht!
Komm Satan her; mit Flammenschrift
Bemal´ ich dein Gesicht;
Sind auch Milliarden hinter dir,
Ich folg´ dir dennoch nicht!"

Die tiefe Stimme stieg empor,
Sie wurde leicht und hell,
Und wurde rosig, wurde warm,
Und sprach: "Komm her, Gesell!"
Da fiel der Mörder auf die Knie
Und sprach: "O Herr, hab´ Dank!"
Und aus der weißen Engel Schar
Erscholl ein Lobgesang.

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Frühling im Dom

Wunderschönes Frühlingswetter
Glitzert durch die bunten Scheiben,
Goldne Sonnenstäubchen tanzen
Lustig um den Hochaltar.

Auf der Kanzel spricht der Pater
Donnernd gegen Lust und Unzucht,
Auf dem breiten, keuschen Schmerbauch
Hüpft ein goldner Lichtreflex.

Und um seine rote Nase
Flattert ein Zitronenfalter,
Fliegt zu einem schönen Mädchen,
Das mit scheuem Herzen horcht.

Nachgefolgt dem gelben Falter
Sind des Paters strenge Augen,
Treffen schließlich auch das liebe,
Süße Mädchenangesicht.

Plötzlich stockt der Pater Thomas,
Er, der große Kanzelredner,
Er, der große Reuebringer,
Wird verwirrt, er stockt und schweigt.

Über einem Strebepfeiler
Sitzt ein feister Marmorengel,
Dieser grinst mit kleinen Augen
Lustig Pater Thomas an.

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Die arme Sünderin

Ein Glöckchen hört ich läuten,
so bald die Nacht verwich;
es war das Sünderglöckchen,
es läutete um dich.

Der Richter sprach das Urteil,
der Richter brach den Stab;
der Mönch in schwarzer Kutte
das Abendmahl dir gab.

Der Henker im roten Mantel,
der schnitt das Haar dir ab;
und seine sieben Knechte,
die gruben dir das Grab.

Und alle, die es sahen,
die haben da gesagt:
Sie hat ein Herz ermordet,
und das hat sie verklagt.

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Der Spuk

Ach Schwester, liebe Schwester,
es ist gewißlich wahr,
es spukt in deiner Kammer,
ich hörte es ganz klar.

Ach Schwester, liebe Schwester,
das war im Stroh die Maus,
wir wolln den Besen nehmen
und jagen sie hinaus.

Ach Schwester, liebe Schwester,
die Maus, die war es nicht,
es trug ja einen Schnurrbart
in seinem Gesicht.

Ach Schwester, liebe Schwester,
der Kater wird es sein,
wir wolln die Tür verriegeln,
dann kann er nicht herein.

Ach Schwester, liebe Schwester,
es war kein Katertier,
es kam ja durch das Fenster
und flüsterte mit dir.

Ach Schwester, liebe Schwester,
laß doch das Fragen sein,
es spukt vielleicht auch nächstens
in deinem Kämmerlein.

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ausgewählte Werke III

Das Buchenblatt

Schwefelgelbe Blitze...

Blut um Blut!

Die Nonne

Zigeunerlied

Osterfeuer

Alle Birken grünen...

Wiesengras

(ausgewählte Werke IV)




Das Buchenblatt

Nun hat es sich gewendet,
das grüne Buchenblatt,
nun hat es sich geendet,
was mich erfreuet hat.

Die Rose hat verloren
die roten Blüten all,
was du mir hast geschworen,
es war ein leerer Schall.

Das Blatt am Buchenbaume
gibt keinen Schatten mehr,
dem allerschönsten Träume
blüht keine Wiederkehr.


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Schwefelgelbe Blitze...

Schwefelgelbe Blitze fahren
Durch die blaue Sommernacht,
Knirschend sich die Buchen biegen
Und es stöhnt und pfeift und kracht.

Und es kracht und knirscht und donnert
Und die stärkste Buche liegt
Mit den Wurzeln ausgerissen
Vor mir wettersturmbesiegt.

Wie ein Wetter war die Stunde,
Die mich brausend überwand,
Als ich ohne Kraft und Willen
Mich zu deinen Füßen fand.

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Blut um Blut!

Es sang und sang ein Vögelein,
sang von dem Herzgeliebten mein;
ich mußte weinen, als es sang,
dieweil es also traurig klang,
so rot wie Blut, so rot wie Blut,
so rot als wie das Blut.

Und als ich in den Wald 'nein kam,
drei Glockenschläge ich vernahm;
da weinte ich zum andernmal
viel bittre Tränen ohne Zahl,
so rot wie Blut, so rot wie Blut,
so rot als wie das Blut.

Und als ich kam in den kühlen Grund,
mein Liebster lag auf den Tod verwundt;
da weinte ich wohl ohne End
und rang meine schwanenweiße Händ,
so rot wie Blut, so rot wie Blut,
so rot als wie das Blut.

Das Tüchlein, das ist schlehenweiß,
es trank deinen bittren Todesschweiß;
ich schwenk es nach des Mörders Haus,
und lösche ihm sein Leben aus,
so rot wie Blut, so rot wie Blut,
so rot als wie das Blut.

Das Tüchlein schwenk ich in der Hand,
davon wird ihm das Herz verbrannt;
das Tüchlein wehet auf und ab,
ich grabe ihm das Totengrab,
so rot wie Blut, so rot wie Blut,
so rot als wie das Blut.

Und wo mein Schatz begraben liegt,
eine weiße Taube zum Himmel fliegt;
und wo der Mörder fand sein Grab,
da fliegt ein Rabe auf und ab,
so rot wie Blut, so rot wie Blut,
so rot als wie das Blut.

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Die Nonne

Viel hundert weiße Lilien
im Klostergarten stehn;
die roten, roten Rosen
sind noch einmal so schön.

Die roten, roten Rosen
die darf ich gar nicht ziehn;
im Klostergarten dürfen
bloß weiße Lilien stehn.

Drei rote Rosen fallen
vor meine Füße hin;
es fließen meine Tränen,
daß ich eine Nonne bin.

Ach, Reiter, junger Reiter,
behalt die Rosen dein;
mir blühen bloß die Lilien,
doch nicht die Röselein.

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Zigeunerlied

Die Lisa eine Hexe war,
das wußten alle Leute.
Als Kätzchen ging sie gestern um,
als Käuzchen flog sie heute.

Doch endlich hat man sie gefaßt
im Wald beim Wurzelsuchen
und schleppte sie zum Galgenberg
trotz Wehgeheul und Fluchen.

Doch als sie auf dem Holzstoß war,
da sprach sie zu mir leise:
"Hol mir die alte Fiedel her,
zu spielen letzte Weise!"

Als ich ihr dann die Geige gab,
begann ein schrilles Tönen,
und Klänge wird, gespensterhaft
entlockte sie den Sehnen,

daß alles Volk im Kreise rings
verfiel dem Zauberreigen,
und immer toller noch begann
die Alte da zu geigen,

bis lang und kurz und jung und alt
vor wildem Taumel trunken,
da warf sie mir die Fiedel hin,
verschwand als wie versunken.

Als ich das alte Geigenholz
nun an mich hatt genommen,
hat eine wilde Wanderlust
mich stürmisch überkommen.

Wohl durch das ganze Ungarland
begann ich froh zu wandern,
von Agram bis nach Debreczin
von einem Nest zum Andern.

Wo immer meine Fiedel klingt,
muß Schmerz und Trauer schwingen.
Sie fliehn vor meinem Zauberspiel
wie Flugsand vor den Winden.

Drei Saiten hat die Fiedel nur,
die halten wohl noch lange,
und jeden fasset wilde Lust
bei ihrem tollen Klange.

Doch wenn die letzte Sehne reißt,
muß sich mein Wandern enden.
Dann ruh ich unterm Rasen aus,
die Fiedel in den Händen.

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Osterfeuer

Die goldenen Osterfeuer glühen,
Der Frühling kam in die Welt hinein,
Ich sehe deine Wangen glühen
In unserer Feuer rotem Schein.

Zwei Feuer nebeneinander flammen,
Wir haben lächelnd die Glut entfacht,
Die roten Flammen schlagen zusammen
Und lodern vereinigt in die Nacht.

Es lodern und leuchten und zittern und sprühen
Zwei Flammen heiß in die Nacht hinein,
Und unsere Wangen flammen und glühen
Von unserer Liebe Widerschein.

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Alle Birken grünen...

Alle Birken grünen in Moor und Heid,
Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold,
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit,
Jeder Birkhahn kullert und tollt.

Meine Augen, die gehen wohl hin und her
Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
Und schweben zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht
Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht,
Und mein Herz, es singt sein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt.

Ein leises Lied, ein stilles Lied
Ein Lied, so fein und lind,
Wie ein Wölkchen, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.

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Wiesengras

Das Wiesengras ist lang und weich,
Die Sonne flammt und glüht,
Um rote Disteln zittert die Luft,
Die ganze Wiese blüht.

Wie Wachen, stark und scharf bewehrt,
Die Disteln uns umblühn,
Weich ist und lang das Wiesengras
Und deine Lippen glühn.

Deine glühenden Lippen zittern leicht,
Wie Blumenblätter im Wind,
Deine Lippen, die viel roter noch
Wie die roten Blumen sind.

Ich sehe die roten Blumen nicht,
Ich sehe dich nur an
Und küsse deinen roten Mund,
Solange ich küssen kann.

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ausgewählte Werke IV

Über die Heide

Märchen

Rosenschein

Abschied

Goldene Lichter

Das Bild des Pharao

Mohnblumen

Auf Feldwache

(ausgewählte Werke V)




Über die Heide...

Über die Heide sind wir gegangen,
Und die Heide war blütenleer,
Goldene Käfer flogen schimmernd
Auf dem Sande vor uns her.

Alle Fuhrenzweige blühten,
Und die Heidelerche sang
Aus der wolkenlosen Höhe
Süß zu unserm Heidegang.

Einen Busch von goldenem Ginster
Hieltest du in deiner Hand,
Den ich an dem Hünengrabe
Zur Erinnerung dir band.

Zur Erinnerung an die Stunde,
Die in uns noch lange glüht,
Wenn an deinem Ginsterstrauße
Alle Blumen sind verblüht.


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Märchen

Am Heidehügel geht ein Singen,
Ein leises Singen her und hin,
Da wiegt in einer goldenen Wiege
Ihr Kind die Zwergenkönigin.

Ich denke an das alte Märchen,
Es liegt mein Kopf in deinem Schoß,
Dein Mund singt mir ein Wiegenliedchen,
Und meine Augen werden groß.

Mein Herz, das ist so still und selig,
Ein goldener Traum darüber fliegt,
Es liegt in einer goldnen Wiege,
Die langsam hin und her sich wiegt.

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Rosenschein

Die grünen Wälder versinken
In violettem Duft,
Ein schwarzer Reiher rudert
Durch die tiefblaue Luft.

Das letzte Sonnenglühen
Am Himmelsrande loht,
Die schwarzen Heidewasser
Färben sich rosenrot.

Ich gehe mit sicheren Augen
In die Nacht hinein,
Vor mir ist meiner Liebe
Leuchtender Rosenschein.

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Abschied

Das alte Lied, das alte Leiden,
Das jeden Menschen einst betrübt:
Ade, ade, jetzt muß ich scheiden
Von dir, die ich so sehr geliebt.

Wer kann es sagen, kann es wissen,
Ob er die Lieben wiedersieht;
Ein letzter Gruß, ein letztes Küssen,
Das alte Leid, das alte Lied.

Nun reich’ mir deine beiden Hände,
Den letzten Kuß, leb wohl, ade!
So laß mich los und mach’ ein Ende –
Wer weiß, ob ich dich wiederseh ...

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Goldene Lichter

Das junge Rohr im Teiche
Starrt wie ein Lanzenwall,
In den Weiden jubelt
Klagend die Nachtigall.

Hinter den Ellern erblasset
Rosig die Abendglut,
Goldene Lichter zittern
Über die dunkle Flut.

Goldene Lichter zittern
Über mein Leben hin,
Seit ich deiner Augen
Leuchten begegnet bin.

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Das Bild des Pharao

Ist einer, der Judith Josephi sah
Und sein Herz blieb stumm und lau?
Schöner war einst in Samaria
Keine Hammoriterfrau;
Ihr Angesicht ist rot und weiß
Wie Linnen, getränkt in Bordeaux,
Ihre Augen, blau wie Ehrenpreis,
Sind liebessiegesfroh.

Im Völkermuseum ein Bildnis starrt
Geformt aus grauem Stein,
Seine kalten Züge stehen hart
Im warmen Sonnenschein;
Düster droht das hehre
Uralte Königsbild,
Seine Augen sind mit Leere,
Seine Lippen mit Schweigen gefüllt.

Judith Josephi steht vor dem Stein
Des großen Pharao:
"Das soll egyptische Bildkunst sein?
Ich finde es plump und roh!"
Einen Nasenstüber
Versetzt sie dem grauen Gesicht:
"Wissen Sie was, mein Lieber?
Sie imponieren mir nicht!"

Das graue Bildnis kraust die Stirn,
Ein Schauder sie erschreckt;
"Es braust mir wohl noch im Gehirn
Von heute Nacht der Sekt."
Aber dann rauscht sie weiter,
Ihre seidenen Röcke weh'n,
Wo hell und hold und heiter
Die Götter der Griechen steh'n.

"Ach ja, die Nacht war toll und lang!"
Die Augen werden ihr schwer;
Sie gleitet auf die Ruhebank,
Still ist es um sie her.
Es sinken ihre Lider,
Lauter ihr Atem weht,
Langsam auf und nieder
Ihre Spitzenbluse geht.

Längst erlosch an der roten Wand
Der gelbe Sonnenschein,
Im grauen Spinnewebegewand
Tritt der Abend ein;
Die Töne der Glocke verklangen,
Schweigen bricht ringsum hervor.
Der Wärter ist gegangen,
Es schloß sich Tür und Tor.

Eine eherne Stimme das Schweigen stört:
"Judith Josephi, tritt her!"
Aus ihrem Schlummer empor sie fährt,
Ringsum ist's stille und leer;
Rundum ihre Augen spähen,
Das Schweigen atmet tief,
Niemand ist zu sehen,
Der sie mit Namen rief.

Des Pharao Bildnis starrt sie an
Mit leerem Gespensterblick,
Zieht langsam sie in seinen Bann,
Ihr Herzblut tritt zurück;
Und wiederum schallt die Stimme
Und hallt so tief und schwer,
Die schreckliche, die schlimme:
"Judith Josephi, tritt her!"

Auf ihrer Stirne liegt der Schweiß
Und brennt des Fiebers Glut,
Ihre Hände sind so kalt wie Eis,
In den Schläfen braust ihr das Blut;
Und abermals tönt die Stimme
Und dröhnt so hohl und leer,
Die grausige, die grimme:
"Judith Josephi. tritt her!"

Zitternd bricht sie in die Knie
Mit schrillem Schreckensschrei,
Aus tiefster Seele wimmert sie:
"Jahve, stehe mir bei!"
Unter Seufzen und Stöhnen
Schleppt sie sich voran,
Und hörte die Worte tönen:
"Steh' auf und sieh' mich an!"

Der ehernen Stimme hohler Laut
Ihren Willen in Stücke bricht,
Sie hebt die Augen auf und schaut
In das steinerne Gesicht;
Dumpf und dröhnend hallen
Die Worte auf sie herab,
Gleich Schollen, wenn sie fallen
In ein tiefes Grab:

"Judith Josephi, du hast gelacht
Ins Gesicht dem Pharao,
Du, deren Volk einst ist zerkracht
In meiner Hand wie Stroh;
Wie eine Unwetterwolke
Stand ich über dem Land,
Die Hälfte von deinem Volke
Trat ich in den Sand.

"Es schwirrte Israels Weheschrei
Meinen Rossen voran,
Ich schleppte in die Sklaverei
Siebenzigtausend Mann;
In grauen Bettlerröcken
Ging eurer Großen Schar,
Meinen Speichel mußten sie lecken
Dreiunddreißig Jahr.

"In meinem Zelte die ganze Nacht
Eures Königs Tochter schrie,
Ihrer Tränen habe ich gelacht,
Meine Lust versüßten sie;
Es lag vor meinem Bette
Ihr Vater mit grauem Gesicht
An einer Hundekette,
Seine Flüche trafen mich nicht.

"Judith Josephi, dein Leib ist schön
Und süß ist dein Gesicht,
Entgürte dich, ich will dich seh'n
Nackend im Sternenlicht."
Die steinernen Hände greifen
An ihres Gürtels Schluß,
Die steinernen Lippen streifen
Sie mit kaltem Kuß.

Ist einer, der Judith Josephi sieht,
Und dem das Herz nicht friert?
Grauen aus ihren Augen glüht,
Als hätte der Tod sie berührt;
Ihre roten Lippen erbleichten,
Sie wurden nie mehr froh,
Seitdem auf ihnen keuchten
Die Küsse des Pharao.

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Mohnblumen

Mit roten Feldmohnblüten
Hatt' ich dein Haar geschmückt,
Die roten Blumenblätter
Die sind nun alle zerdrückt.

Du bist zu mir gekommen
Beim Abendsonnenschein,
Und als die Nacht hereinbrach,
Da ließest du mich allein.

Ich höre die Stille rauschen
Und sehe die Dunkelheit sprühn,
Vor meinen träumenden Augen
Purpurne Mohnblumen blühn.

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Auf Feldwache

Ich weiß einen Lindenbaum stehen
In einem tiefen Tal,
Den möchte ich wohl sehen
Nur noch ein einziges Mal;
Ich weiß zwei blaue Augen
Und einen Mund so frisch und rot,
O grüner Klee, o weißer Schnee,
O schöner Soldatentod.

Zu Hause auf den Feldern
Da liegt der Schnee so weiß,
Zu Hause in den Wäldern
Da hängt das blanke Eis;
Hier fällt nicht Schnee noch Regen,
Zu lindern uns're große Not,
O grüner Klee, o weißer Schnee,
O schöner Soldatentod.

So mancher mußte sterben
Allhier in Afrika,
Wir wollen nicht verderben,
Der Tag der ist bald da;
Die Nacht die geht zu Ende,
Der Himmel der wird hell und rot,
O grüner Klee, o weißer Schnee,
O schöner Soldatentod.

Wo sich die Straße wendet
Da wohnt die Liebste mein,
Ist meine Zeit beendet,
So will ich bei ihr sein;
Und kann es nicht so werden,
Und muß ich fort beim Morgenrot,
O grüner Klee, o weißer Schnee,
O schöner Soldatentod.

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ausgewählte Werke V

Frühling

Schäferlied

Rote Gluten

Rose im Schnee

Die Verehrung

Der späte Mai

Der sonderbare Vogel

Der König

(ausgewählte Werke VI)




Frühling

Hoch oben von dem Eichenast
Eine bunte Meise läutet
Ein frohes Lied, ein helles Lied,
Ich weiß auch, was es bedeutet.

Es schmilzt der Schnee, es kommt das Gras,
Die Blumen werden blühen;
Es wird die ganze weite Welt
In Frühlingsfarben glühen.

Die Meise läutet den Frühling ein,
Ich hab' es schon lange vernommen;
Er ist zu mir bei Eis und Schnee
Mit Singen und Klingen gekommen.


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Schäferlied

Hier auf dieser braunen Heide,
Wenn ich meine Schafe weide
Ganz mutterseelenallein allein,
Mein Schatz, dann denk ich dein.

Wenn die Lerche lustig singet,
Sich hinauf zum Himmel schwinget,
Ganz mutterseelenallein allein,
Mein Schatz, dann denk ich dein.

Wenn der Tauber ruft sein Weibchen,
Sein geliebtes Turteltäubchen,
Ganz mutterseelenallein allein,
Mein Schatz, dann denk ich dein.

Wenn die Sonne geht hernieder,
Wenn sie morgens kehret wieder,
Ganz mutterseelenallein allein,
Mein Schatz, dann denk ich dein.

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Rote Gluten

Die Sonne taucht in rote Gluten
Und goldenes Leuchten Wald und Feld,
Dein Haupt ruht eng an meiner Schulter,
Mein Arm dich fest umschlungen hält.

Es brechen lauter goldene Lichter
Und rote Flammen aus dem Wald,
Du schaust hinein mit großen Augen
Und suchst an meinem Herzen Halt.

Die letzten Gluten sind verglommen,
Vorüber ist die Abendpracht,
Es kündete das Flammen und Glühen
Uns eine goldene Sonnennacht.

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Rose im Schnee

Rose weiß, Rose rot,
Wie süß ist doch dein Mund,
Rose rot, Rose weiß,
Dein denk ich alle Stund,
Alle Stund bei Tag und Nacht,
Daß dein Mund mir zugelacht,
Dein roter Mund.

Ein Vogel sang im Lindenbaum,
Ein süßes Lied er sang,
Rose weiß, Rose rot,
Das Herz im Leib mir sprang,
Sprang vor Freude hin und her,
Als ob dein Lachen bei ihm wär,
So süß es klang.

Rose weiß, Rose rot,
Was wird aus mir und dir?
Ich glaube gar, es fiel ein Schnee,
Dein Herz ist nicht bei mir,
Nicht bei mir, geht andern Gang,
Falsches Lied der Vogel sang
Von mir und dir.

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Die Verehrung

Ich ging im grünen Walde
Und hielt mein Herz in der Hand;
Da hab' ich es verloren,
Bis es ein Jäger fand.

Er gab es mir nicht wieder,
Er sprach, es wäre sein;
Ich sollt' ihm auch noch geben
Mein Jungfernkränzelein.

Und hast du schon das Herze,
So nimm dir auch den Kranz;
Nimm aber nicht den halben,
Nimm ihn gleich lieber ganz.

Nun habe ich kein Herze
Und auch kein Kränzlein mehr;
Ich stehe bei der Wiege,
Die gehet hin und her.

Und will sie stille stehen,
Dann stoße ich sie an;
Sonst weint, was mir verehrte
Der grüne Jägersmann.

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Der späte Mai

Die roten Blätter rauschen,
Der Sommer ist lange vorbei,
Es leuchten unsere Augen,
Es blüht in uns der Mai.

Wir können die Liebe nicht bergen,
Wir sind uns viel zu gut,
Es brennen unsere Lippen,
In den Schläfen klopft unser Blut.

Wir reden schüchterne Worte,
Wir sehn aneinander vorbei,
Scheu wie die erste Liebe
Macht uns der späte Mai.

Was zögerst du, was zagst du,
Wer weiß, bald fällt der Schnee,
Die ungeküßten Küsse,
Das ist das bitterste Weh.

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Der sonderbare Vogel

Ich hörte einen Vogel singen
Und nahm mein Mädchen bei der Hand;
Er sang ein wunderschönes Liedchen
Von allerlei und allerhand.

Der Vogel, der flog immer weiter,
Bis da, wo eine Linde stand;
Da sang er noch einmal das Liedchen
Von allerlei und allerhand.

Er flog wohl auf und flog wohl nieder,
Bis er sein Nest im Laube fand;
Und da sang er erst recht das Liedchen
Von allerlei und allerhand.

Mein Mädchen hat ihn eingefangen,
Gefangen ihn mit ihrer Hand;
Doch darum läßt er nicht das Singen
Von allerlei und allerhand.

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Der König

Das war der junge König,
Der König ohne Land,
Der stand auf brauner Haide,
Sein Speer, der stak im Sand.

Da kam die Allerschönste,
Sie trug ihr Herz in der Hand,
Sie sah den jungen König,
Den König ohne Land.

Was stehst du hier zu warten,
Du König ohne Land,
Hast ja zwei starke Arme,
Dein Speer, der steckt im Sand.

Das blanke Eisen blitzte,
Der Himmel stand in Brand,
Sein war die Allerschönste,
Sein war das ganze Land.

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ausgewählte Werke VI

Das Osterfeuer

Das stille Wasser

Der eiserne Flegel

Der goldene Hahn

Der Haidhauer

Alle Birkenzweige

Allwundheil

Asmus Teufel




Das Osterfeuer

Über die Haide ging ich, die Haide so weit und so breit,
Mürrische Worte raunte ins Ohr mir die Einsamkeit.

Raunte von toten Zeiten, da hier noch der Urstier zog,
Über dem Bruche der Adler himmelhoch kreisend flog;

Da der Grauhund, der grimme, Mordrunen ließ im Sand,
Da noch das Elch, das starke, fiel von des Jägers Hand.

Da noch nicht welsche Weise Gut in Böse verkehrt,
Wode und Frigga, die Hehren, standen hochgeehrt;

Da noch Mannesmut galt und nicht allein das Geld,
Da mit dem blanken Schwert wahrte sein Recht der Held;

Nicht mit feigem Worte, und nicht mit billigem Eid;
Also lehrte mich heimlich die Toteneinsamkeit.

Unsere Götter die hießen einstmals Liebe und Kraft,
Kraft, die Leben erzeugt, Liebe, die Wonnen schafft.

Unser Gesetz war kurz, unser Gesetz war das:
Liebe um Liebe, aber auch Haß um Haß.

Treuhand jedwedem Mann, der sich erwies als Freund,
Bluthand dagegen dem Wicht, so sich da nahte als Feind.

Andere Zeiten zogen über das Haideland,
Vor der tückischen Axt Wodes Lobewald schwand;

Frigga die freundliche Fraue wurde zur Hexe verkehrt,
Jeglicher heilige Ort zur Greuelstätte entehrt;

Wodes edles Geflügel hieß Galgenvogel nun,
Friggas schelmisches Eulchen schimpften sie Leichenhuhn;

Und die Dreizehn, die hohe Geheimniszahl,
Unglücks- und Angstnummer wurd sie mit einem Mal.

Zwischen Eichen erhob sich ein einsames Strohdachhaus,
Mährenhäupter reckte der moosige Giebel heraus;

Unter ihm aber nach freundlicher Altsitte noch
Eingeschnitten als Herz starrte das Ulenloch.

An dem Missetürbalken, dem grauen, nach alter Weis'
Eingehauen und bunt prangte der heilige Kreis,

Und die Sonnenrune, die gute, daneben auch,
Nach der Urvorväter ernsthaft beharrlichem Brauch.

Rechts und links von der schwarzblanken Feuerwand
Wodes Schlachtroß mutig sich bäumend stand;

Gleich als wollte es lauthals mir wiehern zu:
Noch trage Wode ich, Freund, noch trauest Frigga du.

Weiter ging ich über das dämmernde Land,
Hinter dem rund und rot das gute Gestirn verschwand;

Ihm gegenüber weit hinter dem bräunlichen Bruch
Eine glührote Flamme zum sternleeren Himmel schlug;

Vor dem nachtschwarzen Wald weiß stieg der Rauch empor,
Bis er im Abendgewölke sich langsam verlor.

Und ich stand und stand und sah nach dem Feuerschein,
Hörte der Mädchen Gejuche, der Jungkerle gellendes Schrei'n,

Und ich lachte und dachte: der Urväter fröhliche Art
Hat sich trotz alldem mein Volk immer noch treulich bewahrt.

Immerdar lobt es noch nach der Vorväter schönem Brauch
Seinen Gott mit Glühglut und weißem Wirbelrauch.

Immer noch blieb es, wie es vor Urzeiten war,
Blau von Auge und Sinn, hell von Herzen und Haar.

Immer noch hielt es sich am Leibe und Geiste stark,
Immer noch blieben gesund ihm Bein und Blut und Mark.

Über die Haide ging ich, die Haide so weit und breit,
Fröhliche Worte raunte ins Ohr mir die Einsamkeit.


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Das stille Wasser

Solang' die liebe Sonne lacht
Mit ihrem goldnen Schein,
Da muß ich meine Arbeit tun,
Muß fromm und fleißig sein.

Die Augen schlag' ich unter mich
Und sehe niemand an,
Als ob ich nichts von Liebe weiß
Und davon reden kann.

Doch davon reden tu ich nicht,
Ich schweige immer still,
Und sehe, ob das Sonnenlicht
Nicht bald verschwinden will.

Doch wenn der Mond am Himmel steht,
Es schlafen alle Leut',
Dann will ich mich der Liebe freun
In aller Heimlichkeit.

Und scheint die Sonne wiederum
So hell und auch so heiß,
Stell' ich mich vor den Leuten an,
Als ob von nichts ich weiß.

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Der Abschiedsstrauß

Roter Klee, weißer Klee,
Mir tut das Herz vor Liebe weh;
Schön's Mägdelein,
Fein's Liebchen mein,
Dieweil ich von dir geh'.

Vergißmeinnicht, du edle Zier,
Ich reise fort und du bleibst hier;
Schön's Mägdelein,
Fein's Liebchen mein,
Keine schön're gibt's nach dir.

Weiße Liljen die sind schön,
Nun muß ich in die Fremde gehn;
Schön's Mägdelein,
Fein's Liebchen mein,
Und kann dich nicht mehr sehn.

Die Rosenblüten sind verweht,
Der Morgenstern am Himmel steht;
Schön's Mägdelein,
Fein's Liebchen mein,
Wer weiß, wie's uns noch geht.

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Der eiserne Flegel

Damiett, Damiett, du feine Stadt,
Der Türke hält dich fest;
Wir wurden müde, wurden matt,
Vor dem verdammtigen Nest.

Es floß das teure Christenblut
Von Zinnen und Tor herab;
So mancher Christmensch treu und gut
Fand vor Damiett sein Grab.

So manche Mutter im deutschen Land
Die Augen unter sich schlägt;
Es fiel der Spiegel von der Wand,
Der Wurm in der Lade sich regt.

So manches Mädchen im deutschen Land
Das weint sich die Augen rot;
Der Rosmarin in Blüte stand,
Und heute ist er tot.

Herr Hayo, der Friese, der blickte quer,
Seine Faust zum Tische kracht;
"Bei Christi Tod, ich leid's nicht mehr,
Ein Ende wird gemacht!"

Er nahm den Dreschflegel von der Wand,
Von Eisen war der gebaut;
Er stieg bis auf der Mauer Rand,
Und sang so lustig und laut.

Er sang ein friesisches Drescherlied,
Er sang nicht gerade fein;
Er sang den Heiden Furcht ins Gemüt
Und Angst in die Hosen hinein.

Es klang sein Flegel die klipp die klapp,
Er drosch nach alter Art;
Er drosch ihnen Arme und Beine ab,
Er drosch nicht allzu zart.

Sie ließen die Mauern, sie ließen das Tor,
Sie ließen die feine Stadt;
Es stieg das heilige Kreuz empor,
Wo der Halbmond gestanden hat.

Herr Hayo lachte in seinen Bart
Und trank zwölf Schoppen Wein,
Und sprach: "Geht's nicht auf gute Art,
So schlagt mit dem Dreschflegel drein."

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Der goldene Hahn

Ich hatte einen schönen Traum
Von einem grünen Buchenbaum;
Der Traum, der war so lang und breit,
Wie eine kleine Ewigkeit.

Ich ging allein im grünen Wald,
Viel Brommelbeeren fand ich bald;
Ich hab' mich auf und ab gebückt,
Die Brommelbeeren abgepflückt.

Ein Herz auf einmal stille stand,
Das Körblein fiel mir aus der Hand;
Ich hörte singen den gold'nen Hahn,
Der kündet junges Sterben an.

Was fang' ich an in meiner Not?
Ich höre meinen eig'nen Tod;
Wer den gold'nen Hahn hört ganz allein,
Sein Grab wird bald gegraben sein.

Du junges, junges Jägerblut,
Nimm mich in deine treue Hut;
Die Brommelbeeren im Körbelein,
Die soll'n dir nicht verwehret sein.

Die Brommelbeeren will ich nicht,
Du allerliebstes Angesicht;
Will küssen deinen roten Mund
Im grünen Wald eine Viertelstund'.

Eine Viertelstund' ist nicht lang noch breit,
Es ist ja keine Ewigkeit;
Küß ihn ein Stündlein oder zwei,
Und wenn du willst, noch lieber drei.

Da stand ein grüner Buchenbaum,
Da hatt' ich einen schönen Traum;
Drei Stündlein lang, drei Stündlein breit,
Und durch und durch voll Süßigkeit.

Im grünen Wald der goldne Hahn,
Der singt und singt, soviel er kann;
Sing' du nur hin, sing' du nur her,
Ich fürchte mich kein bißchen mehr.

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Der Haidhauer

Ein Gluttag in die Haidmark zieht;
Noch sind vom Tau die Büsche naß,
Noch liegt es silbern auf dem Ried,
Noch sind die Grillen stumm im Gras.

Da schanzt er schon im braunen Feld,
Macht Platz dem Korn im Ödeland;
Mit seinen harten Händen hält
Den Twickenstiel er fest umspannt.

Es blitzt das Eisen in der Luft,
Die Plagge reißt es knirschend fort;
Der Haideerde saurer Duft
Steigt auf von dem geschälten Ort.

Ein jeder Ruck, ein jeder Schlag,
Ein Stückchen Land, ein Stückchen Brot,
Ein Schritt mehr hin zum Licht und Tag,
Ein Schritt mehr fort aus Nacht und Not.

Die Sonne steigt, die Luft wird heiß,
Kein Lüftchen um die Birken bebt;
Des Mannes Blondhaar näßt der Schweiß,
Am Rückenstrang das Hemd ihm klebt.

Die Sonne sticht, die Lerche schweigt,
Aus blauer Luft der Bussard schreit;
Und rundumher und weit und breit
Die Grille ihren Singsang geigt.

Die Sonne brennt, die Sonne sengt,
Es kocht und loht das ganze Land;
Zum Schatten er die Schritte lenkt,
Die Twicke legt er aus der Hand.

Ein Rangen Brot, ein dünner Trank,
Des Maserkopfes blauer Rauch;
Dann macht er seinen Rücken lang
Am krüpplichen Machangelstrauch.

Der Maserkopf hat ausgeschwehlt,
Die Unterstunde ist vorbei;
Des Mannes Arm ist neu gestählt,
Von Müdigkeit sein Rücken frei.

Den Rücken krumm, die Beine breit,
So scharwerkt stramm er weiter weg;
Reißt in das braune Haidekleid
Aufs neue wieder Fleck um Fleck.

Und jeder Fleck ein Stückchen Land,
Ein Stückchen Feld, ein Stückchen Grün;
Hellgrüner Saaten lichtes Band
Sieht er aus braunem Unland blüh'n.

Buchweizen bollwerkt später hier
Und süßer Klee, so rot wie Blut;
Goldner Lupinen schwere Zier
Und grünen Leines blaue Flut,

Obstbäume trägt des Baches Rand
Und Wiesen, bunt von buntem Vieh;
Drum auf und ab mit harter Hand,
Mit krummem Rücken, krummem Knie.

Drum Plagg und Plagge fest heraus,
Mit jedem Hieb, mit jedem Riß
Verläßt die Schuldenlast das Haus,
Verblaßt der Sorge Finsternis,

Am Wege mülmt es gelb und dicht,
Der Schäfer treibt die Schnucken ein;
Der Mann im Haidfeld achtet's nicht,
Sein Tagewerk muß länger sein.

Die Haidelerche wieder singt,
Der Regenpfeifer ruft im Moor;
Und von dem Torfstich quarrend klingt
Der Frösche breiter Abendchor.

Die Sonne sinkt, die Luft geht kühl,
Der heiße Tag ist bald vorbei,
Schon treibt die Fledermaus ihr Spiel,
Schon gellt der Eule Jammerschrei.

Daheim wohl wartet schon sein Weib;
Er legt die Twicke aus der Hand
Und knöpft um seinen nassen Leib
Den alten Rock aus Beiderwand.

Sein Blick noch einmal überfliegt
Die Rodung, die er heut geschafft,
Und was noch brach und öde liegt
Und wartet seiner Fäuste Kraft.

Dann schreitet still er durch den Sand,
Durch Haid' und Moor, so schwarz und tot;
Der Abendschein am Himmelsrand,
Ihm leuchtet er wie Morgenrot.

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Alle Birkenzweige

Alle Birkenzweige schwenken
Fröhlich jetzt ihr Maiengrün,
Und in vollen gelben Dolden
Alle Schlüsselblumen blühn.

Singt das Lied von goldenen Blumen,
Singt das Lied vom jungen Grün.
Singt das Lied von unserer Liebe
Und von unserer Herzen Blühn.

Unser Lied, das ich gefunden,
Unser Lied, das in mir klang,
Als die Sonne deiner Liebe
Mir das kalte Herz bezwang.

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Allwundheil

Irgendwo und irgendwo,
Schweig' still, schweig' still,
Blüht die Blume Lichterloh,
Schweig' still, schweig' still;
Blüht die Blume Feuerrot,
Die da hilft bei Liebesnot,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

Irgendwie und irgendwie,
Schweig' still, schweig' still,
Find' ich sie und find' ich sie,
Schweig' still, schweig' still;
Hilfst du mir, schöns Mägdelein,
Soll sie bald gefunden sein,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

Irgendwann und irgendwann,
Schweig' still, schweig' still,
Man die Blume pflücken kann,
Schweig' still, schweig' still;
Gehn zu zwein wir in den Wald,
Finden wir die Blume bald,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

Irgendwas und irgendwas,
Schweig' still, schweig' still,
Hat zerdrückt das grüne Gras,
Schweig' still, schweig' still;
Wer die rote Blume bricht,
Schont des grünen Grases nicht,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

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Allwundheil

Irgendwo und irgendwo,
Schweig' still, schweig' still,
Blüht die Blume Lichterloh,
Schweig' still, schweig' still;
Blüht die Blume Feuerrot,
Die da hilft bei Liebesnot,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

Irgendwie und irgendwie,
Schweig' still, schweig' still,
Find' ich sie und find' ich sie,
Schweig' still, schweig' still;
Hilfst du mir, schöns Mägdelein,
Soll sie bald gefunden sein,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

Irgendwann und irgendwann,
Schweig' still, schweig' still,
Man die Blume pflücken kann,
Schweig' still, schweig' still;
Gehn zu zwein wir in den Wald,
Finden wir die Blume bald,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

Irgendwas und irgendwas,
Schweig' still, schweig' still,
Hat zerdrückt das grüne Gras,
Schweig' still, schweig' still;
Wer die rote Blume bricht,
Schont des grünen Grases nicht,
Die rote Blume,
Blume Herzenstrost.

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Asmus Teufel

Die Pfingstfestglocken klingen,
Maigrün ist Feld und Wald,
Der bunten Finken Singen
Aus allen Zweigen schallt;
O Münden, du mußt vergehen,
Münden, du vielschöne Stadt,
Des Kaisers Fahnen wehen,
Der Tilly säuft in Blut sich satt.

Es huben zwölf Kartaunen
Wohl an ein schnöd Gebrumm,
Bis daß von dem Posaunen
Die Mauern fielen um;
Ist mancher hingeworden
In dieser Nacht der Not,
Es ging das große Morden
Vom Abend bis zum Morgenrot.

Da war ein Mündener Bürger,
Asmus Teufel genannt,
Der schrie: "Du papistischer Würger,
Dir wird jetzt die Schnauze verbrannt!"
Er stopfte mit Hackblei und Nägeln
Ein großes Gestücke voll
Und rief: "Den welschen Flegeln
Der Willkomm schlecht geraten soll."

Sie kamen angelaufen
Mit Mordiogeschrei,
Er hielt in den dicksten Haufen,
Es ging kein Bröcklein vorbei;
Da flogen Arme und Beine
In der Luft umher,
Das gab ein großes Gegreine,
Doch Asmus Teufel lachte sehr.

Sie suchten in allen Gassen
Wo er zu finden sei,
Sie mußten ihn leben lassen,
Er kam gesund vorbei;
Zu Göttingen saß er und zechte,
Ein helles Lachen sich hub,
Als kund ward, wie sich rächte
Der Teufel an dem Beelzebub.

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