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Auslese |
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Novalis |
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geb. am 2.5.1772 in Oberwiederstedt/Harz gest. am 25.3.1801 in Weißenfels
Die natürliche Frömmigkeit seiner Verse zu entdecken, heißt die "Blaue Blume" zu finden, die er mit seinem Werk zum Symbol für die suchende Jugend späterer Epochen stili- sierte. Seine tragische Liebe, sein früher Tod und sein Werk sind eine romantische Legende. |
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ausgewählte Werke |
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Geistliche Lieder I |
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Was wär ich ohne dich gewesen? Was würd ich ohne dich nicht sein? Zu Furcht und Ängsten auserlesen Ständ ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt ich sicher, was ich liebte, Die Zukunft wär ein dunkler Schlund; Und wenn mein Herz sich tief betrübte, Wem tät ich meine Sorge kund?
Einsam verzehrt von Lieb und Sehnen, Erschien mir nächtlich jeder Tag; Ich folgte nur mit heißen Tränen Dem wilden Lauf des Lebens nach. Ich fände Unruh im Getümmel, Und hoffnungslosen Gram zu Haus. Wer hielte ohne Freund im Himmel Wer hielte da auf Erden aus?
Hat Christus sich mir kund gegeben, Und bin ich seiner erst gewiß, Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben Die bodenlose Finsternis. Mit ihm bin ich erst Mensch geworden; Das Schicksal wird verklärt durch ihn, Und Indien muß selbst im Norden Um den Geliebten fröhlich blühn.
Das Leben wird zur Liebesstunde, Die ganze Welt sprücht Lieb und Lust. Ein heilend Kraut wächst jeder Wunde, Und frei und voll klopft jede Brust. Für alle seine tausend Gaben Bleib ich sein demutvolles Kind, Gewiß ihn unter uns zu haben, Wenn zwei auch nur versammelt sind.
O! geht hinaus auf allen Wegen, Und holt die Irrenden herein, Streckt jedem eure Hand entgegen, Und ladet froh sie zu uns ein. Der Himmel ist bei uns auf Erden, Im Glauben schauen wir ihn an; Die Eines Glaubens mit uns werden, Auch denen ist er aufgetan.
Ein alter, schwerer Wahn von Sünde War fest an unser Herz gebannt; Wir irrten in der Nacht wie Blinde, Von Reu und Lust zugleich entbrannt. Ein jedes Werk schien uns Verbrechen, Der Mensch ein Götterfeind zu sein, Und schien der Himmel uns zu sprechen, So sprach er nur von Tod und Pein.
Das Herz, des Lebens reiche Quelle, Ein böses Wesen wohnte drin; Und wards in unserm Geiste helle, So war nur Unruh der Gewinn. Ein eisern Band hielt an der Erde Die bebenden Gefangnen fest; Furcht vor des Todes Richterschwerte Verschlang der Hoffnung Überrest.
Da kam ein Heiland, ein Befreier, Ein Menschensohn, voll Lieb und Macht, Und hat ein allbelebend Feuer In unserm Innern angefacht. Nun sahn wir erst den Himmel offen, Als unser altes Vaterland, Wir konnten glauben nun und hoffen, Und fühlten uns mit Gott verwandt.
Seitdem verschwand bei uns die Sünde Und fröhlich wurde jeder Schritt; Man gab zum schönsten Angebinde Den Kindern diesen Glauben mit; Durch ihn geheiligt zog das Leben Vorüber, wie ein selger Traum, Und, ewger Lieb und Lust ergeben, Bemerkte man den Abschied kaum.
Noch steht in wunderbarem Glanze Der heilige Geliebte hier, Gerührt von seinem Dornenkranze Und seiner Treue weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, Der seine Hand mit uns ergreift, Und in sein Herz mit aufgenommen, Zur Frucht des Paradieses reift. |
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Geistliche Lieder V |
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Wenn ich ihn nur habe, Wenn er mein nur ist, Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nie vergißt: Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts, als Andacht, Lieb und Freude.
Wenn ich ihn nur habe, Laß ich alles gern, Folg an meinem Wanderstabe Treu gesinnt nur meinem Herrn; Lasse still die andern Breite, lichte, volle Straßen wandern.
Wenn ich ihn nur habe, Schlaf ich fröhlich ein, Ewig wird zu süßer Labe Seines Herzens Flut mir sein, Die mit sanftem Zwingen Alles wird erweichen und durchdringen.
Wenn ich ihn nur habe, Hab ich auch die Welt; Selig, wie ein Himmelsknabe, Der der Jungfrau Schleier hält. Hingesenkt im Schauen Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen.
Wo ich ihn nur habe, Ist mein Vaterland; Und es fällt mir jede Gabe, Wie ein Erbteil in die Hand: Längst vermißte Brüder Find ich nun in seinen Jüngern wieder. |
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Geistliche Lieder VI |
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Wenn alle untreu werden, So bleib ich dir doch treu; Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, Vergingst für mich in Schmerz; Drum geb ich dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz.
Oft muß ich bitter weinen, Daß du gestorben bist, Und mancher von den Deinen Dich lebenslang vergißt. Von Liebe nur durchdrungen Hast du so viel getan, Und doch bist du verklungen, Und keiner denkt daran.
Du stehst voll treuer Liebe Noch immer jedem bei; Und wenn dir keiner bliebe, So bleibst du dennoch treu; Die treuste Liebe sieget, Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an dein Knie.
Ich habe dich empfunden, O! lasse nicht von mir; Laß innig mich verbunden Auf ewig sein mit dir. Einst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts, Und sinken liebend nieder, Und fallen dir ans Herz. |
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Geistliche Lieder XII |
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Wo bleibst du Trost der ganzen Welt? Herberg ist dir schon längst bestellt. Verlangend sieht ein jedes dich, Und öffnet deinem Segen sich.
Geuß, Vater, ihn gewaltig aus, Gib ihn aus deinem Arm heraus: Nur Unschuld, Lieb und süße Scham Hielt ihn, daß er nicht längst schon kam.
Treib ihn von dir in unsern Arm, Daß er von deinem Hauch noch warm; In schweren Wolken sammle ihn Und laß ihn so hernieder ziehn.
In kühlen Strömen send ihn her, In Feuerflammen lodre er, In Luft und Öl, in Klang und Tau Durchdring er unsrer Erde Bau.
So wird der heilge Kampf gekämpft, So wird der Hölle Grimm gedämpft, Und ewig blühend geht allhier Das alte Paradies herfür.
Die Erde regt sich, grünt und lebt, Des Geistes voll ein jedes strebt Den Heiland lieblich zu empfahn Und beut die vollen Brüst ihm an.
Der Winter weicht, ein neues Jahr Steht an der Krippe Hochaltar. Es ist das erste Jahr der Welt, Die sich dies Kind erst selbst bestellt.
Die Augen sehn den Heiland wohl, Und doch sind sie des Heilands voll, Von Blumen wird sein Haupt geschmückt, Aus denen er selbst holdselig blickt.
Er ist der Stern, er ist die Sonn, Er ist des ewgen Lebens Bronn, Aus Kraut und Stein und Meer und Licht Schimmert sein kindlich Angesicht.
In allen Dingen sein kindlich Tun. Seine heiße Liebe wird nimmer ruhn, Er schmiegt sich seiner unbewußt Unendlich fest an jede Brust.
Ein Gott für uns, ein Kind für sich Liebt er uns all herzinniglich, Wird unsre Speis und unser Trank, Treusinn ist ihm der liebste Dank.
Das Elend wächst je mehr und mehr, Ein düstrer Gram bedrückt uns sehr, Laß, Vater, den Geliebten gehn, Mit uns wirst du ihn wieder sehn. |
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Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren |
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Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren sind Schlüssel aller Kreaturen, wenn die, so singen oder küssen, mehr als die Tiefgelehrten wissen, wenn sich die Welt ins freie Leben und in die Welt wird zurückbegeben, wenn dann sich wieder Licht und Schatten zu echter Klarheit werden gatten und man in Märchen und Gedichten erkennt die wahren Weltgeschichten, dann fliegt vor einem geheimen Wort das ganze verkehrte Wesen fort. |
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An Tieck |
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Ein Kind voll Wehmut und voll Treue, Verstoßen in ein fremdes Land, Ließ gern das Glänzende und Neue, Und blieb dem Alten zugewandt.
Nach langem Suchen, langem Warten, Nach manchem mühevollen Gang, Fand es in einem öden Garten Auf einer längst verfallnen Bank
Ein altes Buch mit Gold verschlossen, Und nie gehörte Worte drin; Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, So wuchs in ihm ein innrer Sinn.
Und wie es sitzt, und liest, und schauet In den Kristall der neuen Welt, An Gras und Sternen sich erbauet, Und dankbar auf die Kniee fällt:
So hebt sich sacht aus Gras und Kräutern Bedächtiglich ein alter Mann, Im schlichten Rock, und kommt mit heiterm Gesicht ans fromme Kind heran.
Bekannt doch heimlich sind die Züge, So kindlich und so wunderbar; Es spielt die Frühlingsluft der Wiege Gar seltsam mit dem Silberhaar.
Das Kind faßt bebend seine Hände, Es ist des Buches hoher Geist, Der ihm der sauern Wallfahrt Ende Und seines Vaters Wohnung weist.
Du kniest auf meinem öden Grabe, So öffnet sich der heilge Mund, Du bist der Erbe meiner Habe, Dir werde Gottes Tiefe kund.
Auf jenem Berg als armer Knabe Hab ich ein himmlisch Buch gesehn, Und konnte nun durch diese Gabe In alle Kreaturen sehn.
Es sind an mir durch Gottes Gnade Der höchsten Wunder viel geschehn; Des neuen Bunds geheime Lade Sahn meine Augen offen stehn.
Ich habe treulich aufgeschrieben, Was innre Lust mir offenbart, Und bin verkannt und arm geblieben, Bis ich zu Gott gerufen ward.
Die Zeit ist da, und nicht verborgen Soll das Mysterium mehr sein. In diesem Buche bricht der Morgen Gewaltig in die Zeit hinein.
Verkündiger der Morgenröte, Des Friedens Bote sollst du sein. Sanft wie die Luft in Harf und Flöte Hauch ich dir meinen Atem ein.
Gott sei mit dir, geh hin und wasche Die Augen dir mit Morgentau. Sei treu dem Buch und meiner Asche, Und bade dich im ewgen Blau.
Du wirst das letzte Reich verkünden, Was tausend Jahre soll bestehn; Wirst überschwenglich Wesen finden, Und Jakob Böhmen wiedersehn. |
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Sehnsucht nach dem Tod |
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Hinunter in der Erde Schoß, Weg aus des Lichtes Reichen, Der Schmerzen Wut und wilder Stoß Ist froher Abfahrt Zeichen. Wir kommen in dem engen Kahn Geschwind am Himmelsufer an.
Gelobt sei uns die ew'ge Nacht, Gelobt der ew'ge Schlummer. Wohl hat der Tag uns warm gemacht Und welk der lange Kummer. Die Lust der Fremde ging uns aus, Zum Vater wollen wir nach Haus.
Was sollen wir auf dieser Welt Mit unsrer Lieb und Treue. Das Alte wird hintangestellt, Was soll uns dann das Neue. Oh! einsam steht und tiefbetrübt, Wer heiß und fromm die Vorzeit liebt.
Die Vorzeit, wo die Sinne licht In hohen Flammen brannten, Des Vaters Hand und Angesicht Die Menschen noch erkannten, Und hohen Sinns, einfältiglich Noch mancher seinem Urbild glich.
Die Vorzeit, wo noch blütenreich Uralte Stämme prangten Und Kinder für das Himmelreich Nach Qual und Tod verlangten. Und wenn auch Lust und Leben sprach, Doch manches Herz für Liebe brach.
Die Vorzeit, wo in Jugendglut Gott selbst sich kundgegeben Und frühem Tod in Liebesmut Geweiht sein süßes Leben. Und Angst und Schmerz nicht von sich trieb, Damit er uns nur teuer blieb.
Mit banger Sehnsucht sehn wir sie In dunkle Nacht gehüllet, In dieser Zeitlichkeit wird nie Der heiße Durst gestillet. Wir müssen nach der Heimat gehn, Um diese heil'ge Zeit zu sehn.
Was hält noch unsre Rückkehr auf, Die Liebsten ruhn schon lange. Ihr Grab schließt unsern Lebenslauf, Nun wird uns weh und bange. Zu suchen haben wir nichts mehr - Das Herz ist satt - die Welt ist leer.
Unendlich und geheimnisvoll Durchströmt uns süßer Schauer - Mir deucht, aus tiefen Fernen scholl Ein Echo unsrer Trauer. Die Lieben sehnen sich wohl auch Und sandten uns der Sehnsucht Hauch.
Hinunter zu der süßen Braut, Zu Jesus, dem Geliebten - Getrost, die Abenddämmrung graut Den Liebenden, Betrübten. Ein Traum bricht unsre Banden los Und senkt uns in des Vaters Schoß. |
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An den Tod |
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Wie den Seraph himmlische Lust erfüllet, Kommt der Brüder einer, auch selger Engel, Den des Himmels Freundschaft mit ihm verwebte Zu dem unsterblichen Bunde,
Wieder von der fernesten Welten einer Wo er Glück und Segen die Fülle ausstreut Heitre Ruhe mit friedlicher Palme über Tausend Geschöpfe ergossen,
Und nun fällt in Engels Entzücken seinem Freunde an die himmlische Brust und dann im Kusse, unaussprechbare Freundschaftswonne Einet die Seelen der Seraphs.
So werd ich mich freuen wenn du einst holder Todesengel meine geengte Seele Zu dem selgen Anschaun Jehovas durch die Trennung vom Körper beflügelst.
Und sich dann die neidische Hülle abstreift Gleich der Puppe welche den Schmetterling hält Und zerplatzet kommet die Zeit der Reife, Jener befreit dann entfliehet.
So wird sie auch fliehen die edle Seele Aus dem Erdenstaube entlastet dort zu Jenen höhern, bessern Gefilden reich an Seliger Ruhe und Freiheit.
Wo ein ewger Frühling die Wangen kleidet Und ich voll unsterblicher Kraft die Schöpfung Sehe, staune, himmlische Freundschaft mich un- sterblichen Geistern vereinet. |
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Gottlob! daß ich auf Erden bin |
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Gottlob! daß ich auf Erden bin Und Leib und Seele habe; Ich danke Gott in meinem Sinn Für diese große Gabe.
Der Leib ist mir doch herzlich lieb Trotz seiner Fehl und Mängel, Ich nehme gern mit ihm vorlieb Und neide keinen Engel.
Ich küsse gern mein braunes Weib Und meine lieben Kinder, Und das tut wahrlich doch mein Leib, Und mir ist es gesünder,
Als wenn ich mit Philosophie Die Seele mir verdürbe, Denn ein klein wenig Not macht sie, Die liebe Weisheit, mürbe. |
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ausgewählte Werke II |
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An mein Schwert |
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Ich wuchs, da gab mein Vater mir Ein Schwert von hartem Stahl, Nun weihe ich ein Liedchen dir O eines Jünglings schönste Zier Nun mein zum erstenmal.
Sei stets des Hülfbedürftgen Schutz Geführt vom starken Arm Und biete jedem Feinde Trutz Sei meinen Freunden stets zu Nutz, Zerstreu der Räuber Schwarm.
Doch diene den Tyrannen nicht Und blink fürs Vaterland Und hau den, der für Sklaven ficht, (Gewiß er ist ein schlechter Wicht), Geführt von meiner Hand. |
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Klagen eines Jünglings |
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Nimmer schwanden undankbar die Freuden Traumgleich mir in öde Fernen hin; Jede färbte, lieblicher im Scheiden, Mit Erinnrung meinen trunknen Sinn; Mit Erinnrung, die, statt zu ermüden, Neue, heilge Wonne mir entschloß, Und mir süßen jugendlichen Frieden Um die rebengrünen Schläfe goß.
Seit ich mehr aus schöner Wangen Röte Mehr aus sanften, blauen Augen las, Oft, wenn schon die scharfe Nachtluft wehte Im beseeltern Traume mich vergaß; Meinem Herzen nachbarlicher, wärmer, Da den Schlag der Nachtigall empfand, Und entfernt von meinem Klärchen ärmer Mich als jeder dürftge Pilger fand:
Lachet, ewge Gottheit in dem Blicke, Mich mein sonnenschönes Leben an, Amor täuscht mich nicht mit List und Tücke, Ganymeda nicht mit kurzem Wahn; Jedes Lüftchen nähert sich mir milder, Das dort Blüten wild herunter haucht; Üppig drängen immer frische Bilder Sich zu mir, in Rosenöl getaucht.
Zypris Tauben warten schon mit Kränzen Und mit Traubenbechern meiner dort, Und in leichtverschlungnen Freudentänzen Reißet Amors Bruderschwarm mich fort. Von der Grazien und Musen Lippen Schmachtet mir entgegen mancher Kuß; Götterwonne kann ich selig nippen, Schwelgen da im freundlichsten Genuß.
Dennoch lodern öfters Purpurgluten Mir um meine Wang und meine Stirn, Wenn sich unter Stürmen, unter Fluten, Wie des Abends leuchtendes Gestim, Mir, umstrahlt von echter Freiheit Kranze, Eines edlen Dulders Seele zeigt, Den der Himmel nicht in seinem Glanze Nicht die Höll in ihren Nächten beugt.
Kraftlos fühl ich mich von dem Geschicke Zum unmännlichern Genuß verdammt; Vor Gefahren beb ich feig zurücke Weil nicht Mut in meinem Busen flammt. Weibisch hat das Schicksal mich erzogen, Nicht sein Liebling, nur sein Sklav bin ich; Amor hat mich schmeichlerisch umflogen Statt der Sorge, die mir stets entwich.
Statt der ernstern, rühmlicheren Lanze Wieget einen Hirtenstab mein Arm; Nimmer wurde mir im Waffentanze Aber oft im bunten Reigen warm: Alle großen, strahlenden Gefahren Hat mein Schicksal von mir abgewandt, Und nur unter frohe Mädchenscharen Statt in Feindes Haufen mich gesandt.
Parze, hast du jemals deine Spindel Nach dem Flehn des Erdensohns gedreht, Dem kein bald entwichner Zauberschwindel, Um die flammendheißen Schläfe weht: O! so nimm, was Tausende begehrten, Was mir üppig deine Milde lieh, Gib mir Sorgen, Elend und Beschwerden, Und dafür dem Geiste Energie.
Ungeduldig soll die Flamme lodern Meines Dankes dann von dem Altar; Nichts mehr sollen meine Wünsche fordern, Frei und gnügsam macht mich die Gefahr; Doch versagest du mir diese Bitte O! so kürze, wenn du streng nicht bist, Mindestens geschwind nur meine Schritte Nimm dies Leben, das nicht Leben ist. |
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In stiller Treue |
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In stiller Treue sieht man gern ihn walten Nicht wie die Meisten, mag er sinnlos schweifen, Er wünscht die dargebotne Rechte zu ergreifen Der bessern Zukunft, und sie fest zu halten.
Reichfarbig wird sich diese Knosp entfalten, Das Auge sich für ferne Welten schleifen Zum Meister wird der treue Lehrling reifen Und um sich her ein neues Reich gestalten.
Wie fröhlich kann dankbar ein Freund verkünden Was seinem Geist sich längst vergnüglich zeigte Wenn er des Jünglings Wandel still bedachte.
O! möchte jede Treue Treue finden Und daß zu dem der Lilienstab sich neigte Der Lust und Leben kranken Herzen brachte. |
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