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Auslese |
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Rolf Schilling |
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Rolf Schilling wurde 1950 in Nordhausen geboren und lebt in Bielen am Harz. In seiner Dichtung verwirklicht sich eine archaische Gestalt, für die es in Deutschland kaum Vorbilder gibt: der Dichter als Sänger, der in rauschhaft-beflügelter Rede die Mächte des Ursprungs beschwört. Ernst Jünger nennt dies eine »mythisch-heraldische Grundhaltung«, die sich im imperativischen Gestus, im Formelhaft-Endgültigen der Sprache und im sicheren Instinkt für die Nuance be- zeugt. Rolf Schilling leistet sich den Luxus prächtiger Bilder und gebietet dabei über eine Skala der Ausdrucksmittel, die vom Runenspruch bis zum Dithyrambus reicht. |
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Interview |
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ausgewählte Werke |
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Nimm, was dir die Götter geben |
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Nimm, was dir die Götter geben, Laß vom Himmel dich beschenken, Wenn die Sperber dich umschweben, Werden sich die Nebel senken.
Laß die göttlichen Symbole Eingang in dein Schauen finden: Ob das Spiel sich wiederhole, Kannst du ahnden, nicht ergründen.
Sicher kannst du Opfer zollen, Kränze flechten, Kronen schmieden, Aber was die Götter wollen, Bleibt im Letzten unentschieden.
Denn die Zeichen, die wir fassen, Sind nur Splitter ihrer Spiele, Ufer, die wir bald verlassen, Wegemarken, kein Ziele. |
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Frühlingstag |
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Mond, der im fahlblauen Schimmer Des Himmels mattsilbern verglomm, Goldstern, Holunder, und immer Mahnt dich ein Morgenduft: Komm -
Komm in die Fluren, vorzeiten War der Oktober dir hold, Lerchenruf, laß dich geleiten Über die Schwelle von Gold.
Stunde beseligten Schwebens, Sind auch die Krüge geleert, Trank aus der Quelle des Lebens Wird deinen Lippen gewährt.
Mohnländer, die du erbeutest, Löwenzahn, zitternd im Wind, Stimmen, die du nicht deutest - Nimm dein Genügen: Sie sind.
Laß dir die Bilder geschehen, Hauch, der den Zauberglast spann, Wirst du verwandelt erstehen, Eh noch die Ernte begann.
Waldwärts verwachsen die Pfade - Immer, im sinkenden Licht, Gehn wir, Geschöpfe der Gnade, Trunken von Glanz und Gesicht. |
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Baldur |
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Es kam ein Ruf aus Norden, Es sind im Wintergau Die Wölfe wachgeworden Auf sturmverharschter Au, Nun, Lichter, im Verglimmen Gib dich den Hütern hin, Die dir das Los bestimmen Vor allem Anbeginn.
Du, Letzter der Erlauchten, Aus Nebelheim entsandt, Wirf an die zeitverbrauchten Gestade deinen Brand, Aus Wolkensturz und Wetter Kehr heim, dem Raben gleich, Ins Jenseits ohne Götter - Dort ruht dein letztes Reich:
Das Reich der weißen Schleier, Aus Wahn und Weh gewebt, Noch einmal Schwert und Leier Für deinen Traum belebt, Mit schwarzem Lorbeer kränze Der Locken goldnes Licht, Des Himmels Huld erglänze Auf deinem Schneegesicht.
Dies ist dein Teil: das Reiten, Frag nicht, woher, wohin, Die Sterne, die dich leiten, Sind schon der ganze Sinn, Wirst ihre Schrift erst lesen, Wenn, aller Taten müd, Aus Blutrauch und Verwesen Die blaue Blume blüht.
Sahst du im Herbstverklärten Die späte Krone? Wies Ein Feuer noch die Fährten? November löscht auch dies. Der blinde Bogenschütze Durchstreift schon Feld und Flur, Zwei Sperber, schlanke Blitze, Behüten seine Spur.
Was bleibt, ist die Legende, Der alte Traum vom Reich, Gesang, Beginn und Ende Umschwebend, schattengleich, Geleit verstummter Rufer, Duft von verbranntem Harz, Da du zum andern Ufer Dich abkehrst, atemschwarz.
Geht dann der Tag zur Neige, Gib Leier fort und Schwert, Gestürzter Gott, besteige Das Wahn- und Wehgefährt, Ein Adler, deinem Goldhaar Getreu, hält ernste Wacht, Und alles, was dir hold war, Sinkt nun hinab in Nacht.
II
Tag, da der lichtgrauen Werber Letzter dein Wappen verriet, Nordstern, der Falke und Sperber Heim in die Himmel beschied, Eh noch der Sommer dein lindes Antlitz in Trauer verbraucht, Fährst du, Erwählter des Windes, Fort in den Hallen aus Rauch.
Wehlaut von splitternden Hufen, Da dich die Flamme beschrie, Traum-Aug, zur Blendung berufen, Labt sich am Vorschein des Nie, Schweift mit gelaßnem Verachten Über die Flutenden hin, Bluthelle künftiger Schlachten Blickt aus dem reinen Rubin.
Wo sich im Schatten des Schwertes Einmal noch Schicksal erfüllt, Lächelst du still dein verjährtes Lächeln, das niemandem gilt, Darfst du die Traumschwinge breiten, Allen Entzeitigten gleich, Treibst du, auf lodernden Scheiten, Heim in dein ewiges Reich. |
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Luzifer |
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Spürt, bis ins Herz eurer friedlichsten Tage, Söhne des Staubs meinen knirschenden Schritt, Wenn ich mit rauschendem Fittich zerschlage Sanftes Getier, das mich liebend erlitt.
Schöner als Gott und die himmlischen Heere, Reiten wir, Engel vom Unteren Reich, Silbernen Hufs durch die steinerne Leere, Städte, schon morgen dem Erdboden gleich.
Muschelgehäus, das ich lachend zerstöre, Panzer aus Kalk, meinem Eifer geweiht, Dorrender Austern arkadische Chöre Tönen, zum Untergang heiter bereit,
Göttern, die klagend in Sümpfen versanken, Holdeste Botschaft verkündigend: Stirb! Beute dem zärtlichen Hieb meiner Pranken, Krümmt sich ein Engel mit zähem Gezirp.
Falken, die heiligen Werke zu segnen, Zucken am Himmel, den Blitzen zum Raub, Feuer wird fallen und Asche wird regnen, Schlangen, sich sonnende, spielen im Staub.
Nichts, nur der Schutt soll den Tag überdauern. Dies meine Botschaft - nun geht, und viel Glück! Fern eurem Traumgelall, fern eurem Trauern Trägt mich mein Fittich ins Chaos zurück. |
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Die Walkyre spricht |
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Eh die Nebel fallen, Schür die Glut im Herd, Laß dein Blondhaar wallen, Schwester mit dem Schwert.
Schwester, die zum Streite, Weiße Rosse schirrt, Sporn an meiner Seite Hat so hell geklirrt.
Schwert, noch in der Scheide, Aber bald schon blank, Eh die Klinge weide, Sprich den Schwanen-Dank.
Nebelgarn, gesponnen, In die Sperbernacht: Schwester, welche Wonnen, Sendet uns die Schlacht?
Sei der Eid geschworen, Sei der Arm bewehrt, Gib dem Roß die Sporen, Schwester, mit dem Schwert. |
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Irminsul |
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Nimm der Zeiten Garn und spul Fäden, die die Norn nicht löst. Ruf die Schläfer aus dem Pfuhl: Wo sie dämmern, Traum-entblößt, Schattet golden Irminsul, Krone, die du spät erhöhst.
Laß die Sichel, häng dein Horn In des Weltenbaums Geäst. Kommt der Sommer, wächst kein Korn, Lädt kein Herold uns zum Fest. Nur der Dunkle wacht im Dorn, Und der Sperber hegt sein Nest.
Pfähle, in den Grund gerammt, Binsen, auf die Flut geneigt: Was aus einer Wurzel stammt, Hat sich in die Zeit verzweigt. Wenn der Tag des Pan verflammt, Steht die Säule noch und schweigt.
Warf der Bote dir das Los, Färbt der Herbst die Blätter braun. Bricht die Säule mit Getos, Stehst du, um den Sturz zu schaun. Aus der Tiefe, aus dem Schoß, Tönt es weiter, das Geraun.
Halt die Muschel an dein Ohr: Bäche Blutes pulsen dumpf. Schwert des Boten, der dich kor, Schlug dem Hirsch das Haupt vom Rumpf. Nur die Schlange ragt am Tor, Schimmernd auf der Säule Stumpf.
Wo die Trümmer an den Traum Grenzen, stößt die Stirn sich wund. Manchmal scheint ein Licht am Saum, Treten Götter in das Rund, Trägt die Aue goldnen Flaum, Blüht im Dunkel dir der Mund.
Sucht vom Schattenborn der Uhl Seinen Weg im Nebel spät, Spann die Schwingen aus und buhl Mit dem Schnitter, der dich mäht. Wer da saß auf goldnem Stuhl, Schläft, ins Fell der Nacht genäht. Dunkel schattet Irminsul Auf den Quell, der nichts verrät. |
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Im Kyffhäuser-Karst |
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Laß deine Pulse stocken Und senk die Stirne tief Zum Saum der Maienglocken, Drin Ofterdingen schlief, Und aufzublühn gebiete Dem Flieder, der dich schmückt, Eh Lilie dich verriete, Hat Wind sie abgepflückt.
Verwirkt ist und verschollen, Was edel war und groß, Verstoben mit den Pollen Und fast schon namenlos, Und wer die ferne Sage Erweckt für einen Tag, Der sänke vor dem Schlage Der Sichel nackt im Hag.
Wo Krieger Blut vergossen, Wo Odin trank am Born, Ist Bärenlauch entsprossen, Blüht rot der Lerchensporn, Pilz wird den Stein zersprengen, Das Wasser tut sein Werk, Und Flechten schwarz verhängen Den Eingang in den Berg.
Wer mit der Wünschelrute Den lichten Wald durchstreift, Wer mit des Widders Blute Die Stämme salbt, ergreift Nichts als von Muschelschalen Den Schild, der leise klirrt Am Eichenast, am kahlen, Der dir nicht grünen wird.
Und wer die Pforte fände, Den blendete kein Licht, Den sehrten keine Brände, Sein Aug erspähte nicht Den Hort der Nibelungen Und nicht des Kaisers Schloß, Weil, was dem Traum entsprungen, Uns wie ein Traum zerfloß.
Nicht fragt der Schatten-Weber, Ob du das Feld verminst, Schatzhüter und Schatzheber Sind beide außer Dienst, Und was wir sommers erben, Sind Walkerbeeren, leg Die holden zu den herben Und geh den Ginsterweg.
Kein Eber schlug die Bresche, Im Wind ragt ohne Wehr Der Quester vor der Esche, Gelehnt auf seinen Speer, Zwei Schlangen weiß umwinden Den Stab - ihr Tanz besagt: Erblühen und erblinden Wirst du, bevor es tagt.
Und auch die späten Wächter, Milan und Hermelin, Sucht Pan, der Spiegelfechter, In seinen Bann zu ziehn, Die Schlangen, sie entgleiten Im Sand und allzu schnell Wirst du den Kreis durchschreiten, Doch silbern springt der Quell.
Wo Nebelschleier wallen, Ist auch der Schlaf nicht fern, Nur einer, hold vor allen, Wacht mit dem Abendstern, Vom Runenblitz getroffen, Im Schatten aufgepflanzt, Und hält die Wunde offen, Die du nicht stillen kannst. |
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Schwertträger |
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Auf den Säulen Widder-Felle, Stern, der sich zur Erde kehrt: Nur der Traum schenkt solche Helle, Unbeweglich auf der Schwelle Steht der Wächter mit dem Schwert.
Er bewahrt es in der Scheide, Er behütet unser Haus. Was der Streiter auch erleide, Zeitlos gelten seine Eide, Und kein Zauber löscht sie aus.
Herz und Lippe sind versiegelt, Doch das Antlitz zeigt es ganz, Was die Sprache nicht entriegelt, Nie gesehne Himmel spiegelt Seines Leibes nackter Glanz.
Flammen-Haar, bedacht von Aaren, Marmor-Schnee und Wolken-Firn: Weiße Schlangen, die sich paaren, Künder künftiger Gefahren Streifen träumerisch die Stirn.
Wird er stehen? Wird er fallen? Jeder Kämpfer fällt zuletzt. Aber einmal über allen Wahn-Gedanken strahlt metallen Ares, der die Klinge wetzt.
Steigt der Held vom Hügel nieder, Rüstet sich das Horn zum Stoß. Marmor wird zur Flamme wieder, Adler breiten ihr Gefieder Über Wasser uferlos.
Stahl, aufzuckend wie Gewitter, Mißt sich mit des Löwen Brunft. Stürzt im Sand der Wüsten-Ritter, Wird sein Herz dem wilden Schnitter Siegel seiner Wiederkunft.
Ferne Welten, leicht bezwungen: Wenn der Arm die Sehne strafft, Spricht der Dichter bald in Zungen, Aber eh der Kranz errungen, Nehmen Schatten uns in Haft.
Biete vor Zypressen-Hainen Hades unserm Walten Halt, Ragt im Himmels-Blau, im reinen, Keins der Zeichen, nur des Einen Dunkle schimmernde Gestalt.
Ob sein Aug im Traum erstarrte? Ob der Waffen-Gang gelang? Rost wächst aus des Schwertes Scharte, Doch der Aar auf der Standarte Trägt die Fackel noch im Fang.
Urnen und zerbrochne Flügel, Niemand ist zurückgekehrt. Blut verschloß die Sonnen-Siegel, Nackt und schweigend vor dem Spiegel Steht der Wächter mit dem Schwert. |
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Montsalvat |
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Hat das Heer der Hirten Spruch und Schwur verlernt, Wo sich Wege wirrten, Werden, weißbesternt, Ranken uns umdornen, Wenn die Nacht beginnt, Wenn das Seil der Nornen Riß im schwarzen Wind.
Die das Reich errungen, Die die Rune kerbt, Zeit hat sie bezwungen, Leid hat sie beerbt, Falter, Feuermale, Zieren unsern Pfad, Da der Herr der Grale Schwand aus Montsalvat.
Auf den Mauer-Ringen Sprossen Farn und Pilz, Da die Gärtner gingen, Hüter des Gefilds, Wo wir uns, dem lauten Wahn des Tags entrückt, Finden im Vertrauten, Traumwach, mohnbeglückt.
Schoß der Pyrenäen, Orgelklang, versteint: Die den Schatten säen, Hatten Glut gemeint, Ruch geweihter Öle, Flamme, die uns sengt, Da die Schlummer-Höhle Unsern Zug empfängt.
Aus der Stalaktiten Wächsernem Gezelt, Glockenklang und Riten, Licht der Unterwelt, Fangen Becken erzen Splitter seines Strahls, Waltet in den Herzen Weiß die Asche Grals.
Goldspur der Trompeten, Reigen und Geraun, Die den Schatten säten, Werden Sonne schaun: Glanz der Mittnacht: holder Als des Tags Fanal: Purpur-Traums Begolder, Leuchtet uns der Gral. |
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ausgewählte Werke II |
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Schwertzeit |
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Schläfer im Wald, Schläfer im Tal, Schläfer im dämmernden Hain: Rief euch der Herzog der Schatten zur Wal? Schenkt euch die Spätnacht ein Sein? Tretet heraus auf die Schwelle Schicksals, von Sterben durchsüßt, Hebt eure Häupter ins Helle Steigenden Tags, der euch grüßt: Schwertlicht, Gewitterlicht, zuckend und fahl, Schimmert auf Stirnen von Stein.
Habt ihr die Fährten des Jägers erspäht, Als ihr euch schartet zur Mahd? Kreuzen die Speer-Ottern, saphirbesät, Silbernen Bugs euren Pfad? Banner des Rauschs, auf die Zinnen Brennender Städte gehißt, Engel, euch träumend zu minnen, Schwirren vom Sterbegenist: Ist es zu frühe? Ist es zu spät? Fragt nicht, entfacht euch zur Tat!
Wachsen euch Flügel am splitternden Blatt, Wenn euch der Sturmbote kor? Loht aus der Traumeschen goldnem Geschatt Frucht, die der Sommer verlor? Sperber, im Speeredurchragten, Winden sich, Fang eurem Stoß, Nimrod, Gebieter der Jagden, Läßt seine Windspiele los, Herz, der Vergängnis, der Wiederkehr satt, Birst unterm Hammer des Thor.
Schläfer im Hain, Schläfer im Tal, Schläfer im dämmernden Wald, Scharen der Fahnder, gegürtet in Stahl, Schatten, ins Feuer gekrallt, Widder, berenn die Gemäuer, Adler, verzuck im Geloh, Stürzt euch, mit Schwingen aus Feuer, Jauchzend ins Nirgendwo, Schwarzfittich, schattend auf Asche und Gral, Schirmt, was erklang, was verhallt.
Spur der Behuften, von Äsern gesäumt, Brandung und rauchender Scheit, Stierhaupt, in purpurne Himmel gebäumt, Führt euren Zug aus der Zeit, Lehm deckt verrottende Münder, Welle schwemmt blutigen Laich, Sturmvogel, Frühlings Verkünder, Schweigt vom verheißenen Reich: War es erlitten? War es erträumt? Wahn hat die Wege verschneit, Aber in Schwerthimmeln, lichtüberschäumt, Dauert der ewige Streit. |
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Neunter Questen-Gesang |
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Geh, unter Blitzen geborgen, Nimm deine Götter mit dir, Zwischen Gestern und Morgen Bist du der blinde Kurier, Schatzhüter, silbern betresste, Schirmen die Grotte am Hang, Wo sich die Holder der Queste Sammeln zum Abschieds-Gesang.
Stämme, schwankend im Winde, Gitter, auf Steine gelegt, Unter der brüchtigen Rinde, Die unser Anwesen trägt, Dehnen sich weite Paläste, Garten, Brunnen, Verlies, Steht eine andere Queste, Schattend auf Säule und Vlies.
Sie, jener oberen Spiegel, Dauert, wenn diese verging, Mit diamantenem Siegel Ruft sie die Jünger zum Thing, Heimstatt befiederter Gäste, Schlafender Adler Gezelt, Neigt sich die Untere Queste Über die Wurzeln der Welt.
Schlange, Zeit und Mäander Weben den goldenen Saum, Bieten Ziel dem Gewander, Bieten Halt unserm Traum, Wirrnis verflochtener Äste, Laubhaar und Blüten-Gebind Wölbt an der Unteren Queste Bögen zum Labyrinth.
Wipfel im Holden, im Heilen, Weltesche, runenbestickt, Wer sie entziffert, die Zeilen, Hat in die Zukunft geblickt, Feder aus brennendem Neste, Wer sie entschleierte, weiß: Heimkehr im Zeichen der Queste Bleibt ihr geheimes Geheiß.
Zeigen die Weiser nach Norden, Trägt deine Stirne das Mal, Ruft dich der samt-schwarze Orden, Ritter vom Inneren Gral, Aber zum Fest aller Feste, Schweifenden Göttern gesellt, Schweben die Holder der Queste Über den Wipfeln der Welt. |
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Im Stil der schönen Schwerter |
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Auf den Hügeln Sonnen-Räder, Aus Gärten welker Flor, Der Rune Gold-Geäder, Die Raute überm Tor: Dies war dein Reich, bewehrter Gesellen Horst und Maut: Im Stil der schönen Schwerter War jenes Haus erbaut.
Hier strichen deine Stößer Um Wipfel und Pylon, Die Woge trug den Flößer, Rohr lockt mit sanftem Ton Dich, dunklem Gott Begehrter, Dich, Traumes Argonaut: Im Glanz der schönen Schwerter Hast du das Vlies erschaut.
Von Lieder Eingelullter, Der Nacht verschworen, streif Den Mantel von der Schulter, Die Worte sind schon reif, Schon trägst du, Fang-Versehrter, Das Zeichen auf der haut, Im Spiel der schönen Schwerter Die Runen, blutbetaut,
Nacht hält den Ausgang offen, Der Jäger wacht im Tann, Die Taube stürzt getroffen, Die Doggen schlagen an, Du, schweigend Hingekehrter, Wirst, eh der Morgen graut, Im Tanz der schönen Schwerter Verschallen ohne Laut. |
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Gesang überm Quell |
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Tief ist der Wald. Wo der Wind schläft im Dämmer der Eichen, Verträumen die Nattern den Tag, und es rieselt der Sand Unaufhörlich vom Hügel zum Saum, den die Wasser begleichen, Doch über dem Joch steht ein farbiger Bogen gespannt. Gefilde des Lichts und des Himmels, du hast sie befahren, Verwirf ihre Lockung, besieh dich im Spiegel und stell Dein Haus in den Strom, und er trägt dich, er wird dich bewahren Im Sturm, der die Wipfel zerreißt, und wir ruhen am Quell.
Die Dunklen behüten den Hort: Salamander und Kröte, Das Zepter des Pan schattet samten, wo silbern und kühl Forellen die Wogen durchschneiden, der Eschenhaugk böte Noch immer dem Drachen ein Obdach und Adlern Asyl. Und was wir verloren, kehrt reicher zurück, wir empfangen, Zur Nacht, was der Abend uns nahm, und die Stimmen sind hell, Der Falke bewacht unsern Hag, und die Herrin der Schlangen Beschirmt unsern Gang zum Altar, und wir singen am Quell.
Vergrab dich ins Grün, wenn der Frühtau die Gräser befeuchtet, Bekränz dich mit Schilf, tu dem Hüter die Speer-Stunde kund, Erwähl deine Kämpfer und schärfe den Stahl, bis er leuchtet, So neigt sich zur blutenden Wunde der blutende Mund. Hüllt Nebel die Pfade des Pan, stehn die Birken entblättert, Der Hüter in schuppiger Haut reicht dem Quester im Fell Vergessens Getränk, doch der Stein, der die Harfe zerschmettert, Schläft noch in der Hand, die ihn hob, und wir trinken am Quell.
Wir ziehn, wird die Stunde auch dunkler und drohender, weiter, Wir geben uns ganz in der nächtigen Schweifer Geleit, Das Horn, das dem Treiben ein Ende setzt, findet uns heiter, Wir blühen dem Traum zu, wir wissen nichts mehr von der Zeit. Wir lagern im Schatten, der Herbst bringt die Schnitter zur Reife, Nicht rührt uns ihr Fittich noch schreckt uns der Doggen Gebell, Wir schlummern, vom Südwind gewiegt, wo die Garde der Greife Den Goldhort vor Spähern beschirmt, und wir träumen am Quell.
Hold ist der Herbst uns. Der Speer, der die Gralshüter feite, Berührt unsre Stirnen. Wenn Ritter mit schwarzem Panier Ihr Herzblut ergießen auf Steine, der Sonne geweihte, Empfangen die Widder den mächtigen Zustrom vom Stier. Wer sagt dann ob Krieger entstehn aus dem Samen des Drachen Und ob sich der Adler des Zeus dem des Odin gesell? Wer wiederkehrt, waltet im Traum, und wer stirbt, wird erwachen, Der Hirt, der die Tore schloß, schweigt, und es raunt noch der Quell. |
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Faun |
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Einsam schweifend im August, Kommt er durchs Gehölz gebrochen, Schießt den Fuchs, zerschlägt die Knochen, Hirsche dienen seiner Lust.
Hergesandt vom untern Reich Aus des großen Pan Geschlechte, Übt er seine Herrscherrechte, Tier und kleiner Gott zugleich.
Sein sind Feld und Ährengold. Nicht die Pilze, nicht die Beeren Dürfen seinen Sinn beschweren, Giften ist sein Gaumen hold.
Ohne Halt und ohne Haft, Blutigen Schleim an Bart und Haaren, Muß er durch die Wälder fahren, Wild berauscht vom Rebensaft.
Hörst du brünstig seinen Ruf, Denk, es folgen seinem Schritte Wahn und Wollust, Recht und Sitte Stampft er unter seinen Huf.
Nur dem Freien gilt sein Gruß. Doch im See an schwülen Tagen Siehst du ihn die Wellen schlagen Emsig mit behaartem Fuß.
Und er scheint so sanft und mild, Spielt mit Nymphen, schaumgeboren ... Und dein Blick, zum Traum erkoren, Folgt dem lieblichen Gebild.
Und du träumst am dumpfen Teich: Ach, nur einmal ihm zu gleichen, Ach, nur einmal ihn erreichen, Tier und kleiner Gott zugleich. |
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Hyperborea |
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Mai hat uns Tau gewährt, November Schnee, Ob, was nicht wiederkehrt, Im Wort besteh? Die deinen Wahn genährt Mit Lust und Weh, Sie stehn am Spätgefährt, Und sprechen: Geh! Von dunklem Traum beschwert, Stichst du in See.
II
Entsteigst du dem Schoß der Mithräen, Vom Blut noch des Stieres benetzt, Beflügeln zwei Gold-Skarabäen Dein Aug, das den Himmel abschätzt.
Verknüpfst du den Gipfel der Grotte, Verklärst du die Schreie zum Sang, Berufst du die Schar, die dem Gotte Zur Herbstwacht befiedert entschwang.
Nicht allein die die Kralle dir schärfen, Gehen dir nah, deinem Wahn parallel, Auch die anderen, die dich verwerfen, Gehorchen geheimem Befehl.
Nicht verlangt deine Stimme nach Worten, Wo ein Blick, wo ein Zeichen genügt, Der gemessene Schritt der Cohorten Sei das Maß, dem dein Walten sich fügt.
III
Da du vom Quell in die Ebenen schrittest, Waren dir Raben und Krähen genaht, Flur, die du blühen sahst, Korn, da du schnittest, Säume nicht länger den dunkelnden Pfad.
Worte, vertane, die dich nicht bedeuten, Stimmen, verwundete, die du nicht heilst, Wölfe, dir folgend in hungrigen Meuten, Sind dein Geleit, da du sanglos enteilst.
Fittiche weisen dir, schweigendem Geher, Masken aus Schnee, die der Frühwind zerbricht, Unter dem Himmel der Hyperboreer Treten die mächtigen Schatten ans Licht.
IV
Spann deine Segel ins Verweste, Wenn auch der Schleier Traums zerreißt: Dein Wink ist eines Ritters Geste, Dein Geist ist eines Kriegers Geist.
Rufst du den Schwan, das er dich leite, Bringt er sein Herz dir, Drifter, dar, So bleibst du der im Fall Gefeite, Dir selber Freistatt und Gefahr.
Nur einer - Blut sind seine Spuren - Kürt blanker Klinge dich zur Braut Und zeichnet magische Figuren Auf deine bald schon welke Haut.
Nur einer, der dir nie begegnet, Wird wachen, wo dich niemand kennt: Er ist die Schlange, die dich segnet, Und ist der Blitz, der dich verbrennt.
V
Sprich, Schatzhüter Greif: Siegt Gold über Grauen? Rührt nächtige Auen Von Holdem ein Streif?
Sag, Schweiger im Schacht: Den Schatten im Klange, Das Siegel der Schlange - Wer hält es in Acht?
Du bleibst, vor es tagt, Der Zeichen-Verzückte, Der Flügel-Bestückte, Von Geren umragt.
Wird, Wahrer des Banns, Dich Traum auch beschweren, Wird Flamme dich sehren - Du waltest im Glanz.
Wird Blut, das verrollt, Den Fittich dir streifen, Du wirst es ergreifen Mit Klauen von Gold.
Nicht fährt, vor es tagt, Dein Schatten vom Hügel, Doch über der Tiefe Wacht samten dein Flügel Und, wenn er entschliefe, Dein Aug von Smaragd.
VI
Geh zu den Hyperboreern, Jenseits von Wasser und Land Hebt sich, von Sängern und Sehern Dunkel aus Träumen bekannt, Halle, von Harfen durchtönte, Schlafender Ritter Castell, Labt sich Hirsch der Grkrönte Am elysäischen Quell.
Wenn dich die Wasser umfangen, Wenn dir die Küste verschwimmt, Bleibst du, von Schleiern verhangen, Lichtem Ziele bestimmt, Fährst du fernhin durch hohe Abende, sonnig und klar, Stehn die Schatten in Lohe Unterm Wind der Gefahr.
Lecken salzige Wogen Deinen befiederten Fuß, Salbt der Gott mit dem Bogen Deine Stirne mit Ruß, Er, der die Düsternis lichtet, Er, der die Sphären umfaßt, Hat schon die Tafel gerichtet Dir seinem spätesten Gast.
Tönt aus balsamischer Grotte Leise der Holder Geharf, Löst sich vom träumenden Gotte, Was er einst spielend entwarf, Schwirren goldene Bienen Flüsternd zum Honig-Hort, Weilst du blind unter ihnen, Ohne Wink, ohne Wort.
Kommen die Schwäne gezogen, Die dir der Lichte verhieß, Trenn dich von Brünne und Bogen, Ritter vom Goldenen Vlies, Dunkel sind deine Farben, Aber dein Auge ist blau, Schenkst du, Schnitter, die Garben, Schlägst du, Adler, den Pfau.
Geh zu den Hyperboreern, Drifter im Nachen Apolls, Kehr, wenn die Nebel sich nähern, Heim an die Schwelle des Golds, Weinlaub auf dämmernden Schläfen, Asche von Eden bestaubts, Heil aus den brennenden Häfen Fahren wir, heiteren Haupts.
VII
Tritt ein ins Haus des Wassermanns, Lösch deine Glut im Firn, Von weißen Schwingen dunkler Glanz Senkt sich auf deine Stirn.
Laß, was du wobst und was du wägst, Dem kühlen Souverän, Er wird die Wolfshaut, die du trägst, Mit Sternen übersän.
Der Pfeil, der auf dein Herz gezielt, Schwebt über deinem Haar, Dem Drachen, der die Harfe spielt, Reichst du den Becher dar. |
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Zweiter Einhorn-Gesang |
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Wir trugen durch endlose Räume Das Kreuz, drin die irdische Gier Erlischt, doch im Dunkel der Träume Stand weiß und unzähmbar das Tier. Und keiner, der sagt, was es sinne, Und keiner, der weiß, ob es sei, Doch wenn wir uns grüßten in Minne, War immer das Einhorn dabei.
Wo Stirnen sich schmückten mit Speeren, Frau Venus mit blühendem Reis Uns rührte, das Holde vom Hehren Sanft schied, und wir schritten in Weiß, Wo Küsse den Büßer entsühnen, In Wäldern, wo ewiger Mai Die Minner beglückte, die kühnen, War immer das Einhorn dabei.
Horn Oberons, Hörner der Brüste, Horn Thors, draus verdunkelt das Blut Des Delphins von goldener Küste Verströmt in die salzige Flut, Horn Rolands, Gepränge der Recken, Horn Klingsors, aus berstendem Ei - Wo Stämme stehn, Schäfte sich strecken, War immer das Einhorn dabei.
Wo Schlangen die Häupter erheben In Säumen von seidener Haut, Der Purpur aus Ranken und Reben In Trauben, belaubten, sich staut, Wo Quester-Adepten im Schatten Dem Gralshüter, daß er sie weih, Sich neigten zu frommem Begatten, War immer das Einhorn dabei.
Sein Bild blich im Grün der Gefilde: Gibt Winter die Treibenden frei, Fügt keiner die Splitter zum Bilde, Trägt keiner den Speer, der ihn frei. Doch wenn, wie von göttlicher Gilde Zur Hochzeit entboten, wir zwei Uns finden im Spiegel der Schilde, War immer das Einhorn dabei. |
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Babylon |
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Sag, hast du Babylon gekannt, Das Löwentor, die Wappenwand, Den Himmel, hell und morgenweit? Dort leg den Stab aus deiner Hand, Dort kehrst du ein, vom Traum gebannt, Am Ausgang jeder Ewigkeit.
Dort bist du Schweifender zuhaus Im Wortgewirr, im Labyrinth. Die Schwalben fliegen ein und aus, Geheime Kunde weiß der Wind.
Ein Sperber, Spender dunklen Lichts, Erbarmt sich deiner Ungeduld, Versinkst du, starren Angesichts, In seines Fittichs grauer Huld.
Du hast kein neues Reich entfacht, Hast nur, geneigt ins Niezurück, Uraltes endlich heimgebracht: Den Abgesang, das Ernteglück, Die letzten Flüge vor der Nacht.
Nun holt dich keine Zeit mehr ein, Was jemals werden kann, verging, Was morgen war, wird gestern sein, Beginn und Ende schließt der Ring.
Fern aller Bitte, allem Ruf, Tritt vor, nimm dein verheißnes Los. Blind war der Gott, der dich erschuf, Blind kehrst du heim in seinen Schoß.
Sag, hast du Babylon gekannt, Den Regenbogen, weit gespannt, Verschwistert allem Einst und Je? Die Morgenhimmel sind verbrannt, Von morschen Schwingen stäubt der Sand, Und Schnee wird sein, viel Schnee. |
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Mein Garten |
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Kreuz im Gedächtnis, verwunschene Gruft, Lied, unterm Windfall verdorrt - Dies ist mein Garten: Sein Atem, sein Duft Weigert sich jeglichem Wort.
Manchmal nur, wie aus Träumen, ein Licht, Das seine Tiefen erschließt, Wenn uns vor Tag ein geliebtes Gesicht Anblickt und wieder zerfließt.
Flamme, die Grünes mit Güldenem paart, Engel gebieten der Glut, Kirschblüte, elfenweiß, schmetterlingszart, Schwebt noch, ein Schatten, im Blut.
Wachen die Toten noch immer, umhegt Von Tauben, im Abendrauch still? Hat sich ihr Hauch auf die Hügel gelegt, Schimmernd wie Reif im April?
Du, schon am anderen Ufer, sag an: Welches der Reiche ist dein? Hält dich die Süße des Sommers in Bann? Treibst du im Nordwind allein?
Keine der Rosen, doch Lilien vielleicht Hätten deiner gedacht, Nymphen der Trauer, ihr Klageruf reicht Her aus der ältesten Nacht.
Aber die schwankende Brücke zerbrach, Die unsre Pfade verband. Gib mir ein Schneegesicht, frag mir nicht nach, Streust du die Asche ins Land.
Dies ist mein Garten, aus Bildern gefügt, Die schon kein Himmel mehr trägt. Dies ist mein Garten, ein Steinwurf genügt, Der ihn für immer zerschlägt.
II
Sommer ging die Sonnenpfade Abendwärts, ein schlankes Schwert Gartenglück, aus ferner Gnade Einst entsprungen, unbegehrt.
Nichts vollendend, nichts beginnend, Warst du Stimme, Spiel des Lichts, Träumer, goldne Fäden spinnend In die Himmel des Gedichts.
Dein Gesang, der Erdenschwere Bar, ein weißer Vogel, fand Wolkenher, nach sanfter Kehre, Stets zurück in deine Hand.
Ließ sich in den Zweigen nieder, Grünender Vergängnis froh, Stob mit leuchtendem Gefieder Wieder fort nach Nirgendwo.
Schwalben und die Dunkelfalter Abends, die man übersah, Unberührt von Staub und Alter Schlug dein Herz, der Tiefe nah,
Leis das Eigene befreiend Aus der Stille, die dir tönt, Nicht mehr suchend, nur noch seiend, Unbegehrend, allversöhnt.
III
Kindheit, beflügelter Pfeil, Blick nach verwegensten Zielen, Wanderung ohne Gespielen Morgenweit, zeitlos und heil.
Fernen, im Fluge erreicht, Deutlich blieb das Erkannte, Tiefe, noch niemals benannte, Gab sich dem Schauenden, leicht.
Alles kam unerfleht. Schon im Beginn war Gelingen. Bote, befiederte, gingen Weiß über Wege und Beet.
Garten der Kindheit - wohin? Treibend im Strom der Gesichter, Fügst du, Verdichter, Vernichter, Bilder zu fraglichem Sinn.
Lächeln im spätesten Jahr, Rauhreif auf dämmernden Fährten, Rose verblich in den Gärten, Aber ihr Blühen bleibt wahr.
Immer, aus flüchtigem Grün, Reifst du den Himmeln entgegen, Ihrem unendlichen Segen Wirst du vergeblich entfliehn. |
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ausgewählte Werke III |
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Farewell |
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Gefährtin morbider Ekstasen, Meine Schwester, mein Kind, Was bleibt vom Rufen und Rasen, Wenn wir uns wandeln im Wind? Wird es dem Winter gefallen, Dein Antlitz im Schnee zu verwehn? Werden wir, kalt und metallen, Dem nüchternen Tag widerstehn?
Ach, Liebe lebt nicht im Lichte, Schön, dem Verwesen verwandt, Mit holdestem Doppel-Gesichte Schreitet ihr Gott übers Land. Lachend zertritt er die kleinen Engel mit knirschendem Huf, Wahn ist und Wehmut und Weinen, Folgst du dem lockenden Ruf.
Die mühsame Ordnung der Dinge Stürzet er lächelnd zu Grund, Klirrend mit nächtlicher Schwinge Rührt er an Auge und Mund, Spürst du die Qual seiner Wonnen, Der Mohnblüte giftigen Strahl Wie Haut von verfallnen Madonnen, Der Küsse vergängliches Mal.
Mit träumte, wir wären gefahren Mit schwarzem Segel so weit, Du lagst mit flammenden Haaren Zu künftiger Freude bereit. Aber wie fremd war die Stunde! Du schweigst und lächelst verklärt ... Kaum sah man die winzige Wunde, Die mein Dolch dir beschert.
Seltsam unfaßliches Wesen, Königin ohne Reich, Sehr weiß und zur Hochzeit erlesen Wanderst du lilienbleich. Was hat dir die Sehnsucht verheißen? Wohin schwebst du lächelnd voran Im Seewind, das Rote dem Weißen Paarend wie Scharlach und Schwan.
Kennst du das Ziel unsrer Reise, Im ewigen Dunkel das Land? Dort fallen die Falter ganz leise Von deiner marmornen Hand. Aus Brünsten, die mürb und zerschlissen Wandern im wärmeren Süd, Sind die bösen Narzissen Verzweifelt und grausam erblüht.
Dort im Lande der Toten, Jenseits von Wahn und Weh, Kommen geflügelte Boten, Zum Scheitern bereite von je, Zu dir, die sinnend im Schatten Der Weiden im Wiesengrund ruht. Dort mählt sich, nach süßem Ermatten, Mein Herz deinem dunkleren Blut.
Weißt du dann noch, was wir wähnten Zwischen Wahnsinn und Wein, Die Engel, die wir ersehnten Und manchmal glaubten zu sein? Doch vor zerbrochenen Kronen, Umwallt von Moder und Rauch, Wo Mumien im Purpurstaub thronen, Stirbt die Erinnerung auch.
Nur Puppen, aschene Stühle, Flaschen, geborsten Gebälk, Ein Garten verbrauchter Gefühle, Skorpione, künstlich und welk, Tauben, geköpft, die dich kosen, Katzen mit samtenem Fell, Trauer und Sehnsucht und Rosen Und kein Himmel so hell.
Jenseits von Angst und Begehren Treiben wir träumend allein, Kann dir niemand verwehren, Frei wie ein Vogel zu sein. Von meiner Trauer getragen, Doch traurig bin ich von je, Kannst du der Sehnsucht entsagen, Bleibst du mir hold, wenn ich geh.
Gefährtin morbider Ekstasen, Sag, kennst du das Land meiner Wahl, Jenseits von Rufen und Rasen, Jenseits von Reue und Qual? Kein Hoffen, daß ich dich hasche, Meine Schwester, mein Kind, Einsam mit Schwalben und Asche Fährst du dahin wie der Wind. |
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Die Messingstadt |
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Wir lasen auf den Tafeln der Kalifen: Tritt ein und schweig - ich bin die Messingstadt. Das Tiger-Band gezackter Hieroglyphen Spricht: Was auf Erden weilt, was Flügel hat, Kehrt lichtgestillt zurück in meine Tiefen: Dschinn, Marduk, Seraphim, der Fahrten satt, Vlies, Urne, Gral: die Asche aller Gestern Bewahrt der Stein in seinen Schweige-Nestern.
Von jener Mauern schroffer Zinne schalle Kein Echo, süßen Reimworts Widerpart, Aus Himmeln, draus die Adler schwanden, falle Kein Tropfen Taus, der Taxushag beharrt In Trauer, Sphinx mit harrscher Wächterkralle Schläft auf der Schwelle, die von Schwertern starrt, Und nur der Glanz der Messing-Minarette Spinnt Flöre Golds um Hain und Opferstätte.
Da dehnen sich, bewacht von Talismanen, Die Felder Traums, im Alabaster-Schnee Zerfallner Pavillons vergilben Fahnen, Ein Schädel harrt im Staub, das er zerweh, Und Lethe-Nektar, strömend blaue Bahnen, Ist bittrer als das Blut der Aloe. Nur du allein, Fragilster der Gefeiten, Bist ausersehn, ins dunkle Reich zu schreiten.
Da locken Flure, Fluchten, Spiegel-Gänge, Treppen ins Nirgends, Elfenbein zerspellt, Ein blinder Falke heftet seine Fänge Auf deinen Helm, du hörst im Traumgezelt Nichts als der Lanzenottern feine Sänge, Du siehst dich selbst im Purpur, der zerfällt Und nichts beläßt als jene blinde Schwinge, Die dich entrückt zum innersten der Ringe.
Ein jeder schlafe da mit Stab und Krone, An Herzens Statt ein flammender Rubin, Zartsamtne Flügler: Schmetterling und Drohne Bewölken schwarz den Blüten-Baldachin, So lies im Rauch des Hanfs, im Blau der Mohne Die Botschaft: Alles ist uns nur verliehn Für eines Atems Hauch: Im Fall der Stunde Bleibt nur das Schwert und was es schlug: die Wunde.
Da kauern regungslos auf Bronze-Rossen Entfleischte Reiter, Turmalin-verziert, Im Gelb der Ampeln, Ambradurft-umflossen, Ein Knaben-Leichnam, köstlich präpariert, Als sei zerstörter Brünste Glut ergossen Auf seine Stirn, die Traum um Traum gebiert: So sucht ein Engel, jäh ins Nichts verwiesen, Noch immer nach verlornen Paradiesen.
Er war der Golder deiner Arieltage, Sein Aug dein Stern, sein Leib dein Honigstock, Nun schattet Blut am weißen Saum der Sage, Der Schnecke Spur auf seidenem Gelock, Zu Häupten steht der Walter mit der Waage, Und aus der Wolke stieß der Vogel Rock, Daß er mit Schnabels diamantner Schneide Verwester Schöne Herzgefild beweide.
Hier wird kein Reisiger den Bogen spannen, Kein Seraph nackten Schwerts im Frühlicht stehn, Kein Sindbad seiner Sehnsucht Boot bemannen, Kein Morgenstern von West zum Aufgang gehen, Die Schweiger all, die Blicke, die dich bannen, Und was auch träumt im Dämmer der Moscheen: Stier, Nimrod, Seraphim: Du spürst in allen Nur eine Lust: in Hoheit zu verfallen.
Dir aber, Dunkelstem der Flügler-Gilde, Wird alles Traumgold einmal noch zum Ring, Dein Wehn befrei die Inneren Gefilde, Den Sänger, dem du Atem gabst, beschwing Mit Ost-Gekos, dem Abglanz aller Milde, Daß er dein Wappen wähl: den Schmetterling, Der tief im Purpur alter Dämmerungen Die Flügel senkt, von Blütenduft bezwungen.
Ein Schatten seiner Weisheit, nicht in Worten Und tiefer als der Tag, blieb uns gewährt: Wenn dann der Falter goldene Cohorten Auf deinen Wink, von spätem Glanz verklärt, Zur Nacht sich sieghaft scheiden vom Verdorrten, Besteigen wir das Magische Gefährt Und fliehn, durch Marmorwand und Spiegel-Säle, Der Flamme zu, die uns dem Traum vermähle.
für Ernst Jünger |
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Der Götter Schwert und Feder
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