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Anthologie II (Balladen) |
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Volksweisen |
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Doctor Faust |
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Hört ihr Christen mit Verlangen etwas Neues ohne Graus: Wie die eitle Welt tut prangen mit Johann, dem Doctor Faust.
Zu Anhalt war er geboren, er studiert mit allem Fleiß; In der Hoffart auferzogen, richtet sich nach alter Weis.
Vierzigtausend Geister er zitierte mit Gewalt wohl aus der Höll, Doch es war nicht einer drunter, der ihm recht konnt tauglich sein.
Nur Mephisto, dem Geschwinden, gab er seine Seele drein. Denn sonst keiner in der Höllen, welcher diesem gleich konnt sein.
Dafür muß er Geld ihm schaffen, Gold und Silber, was er nur wollt, Er hat auch zu allen Sachen viele Geister hergeholt.
Zu Straßburg schoß er nach der Scheiben, daß er haben konnt sein Freud; tät oft nach dem Teufel schießen, daß er vielmals laut aufschreit.
Kegelschieben auf der Donau war zu Regensburg sein Freud; Fisch zu fangen nach Verlangen war seine Ergetzlichkeit.
Wie er an dem heiligen Karfreitag nach Jerusalem kam auf die Straß, allwo Christus am heiligen Kreuzstamm hinge ohne Unterlaß.
Mephistophelus geschwinde mußte gleich ganz eilen fort, und ihm bringen drei Ellen Leinwand von einem gewissen Ort.
»Satan, du sollst mir jetzt abmalen Christus an dem heiligen Kreuz, und dazu die fünf Wunden alle gib nur Acht, daß dirs nicht leid;
daß du nicht fehlst an dem Titel, an dem heiligen Namen sein! Wirst du dieses recht abmalen, sollst du mir nicht mehr dienstbar sein.«
»Dieses kann ich nicht abmalen, bitt dich drum, o Doctor Faust! Ich tat dir schon so großen Gefallen. fordre nunmehr dies nicht auch.
Denn es ist ja ganz unmöglich, daß ich schreib Herr Jesu Christ. Weil ja in der Welt Nichts heiliger zu finden ist.«
In derselben Viertelstunde kam ein Engel von Gott gesandt, der tät ja so fröhlich singen mit einem englischen Lobgesang.
So lang der Engel dagewesen, wollt sich bekehren Doctor Faust. Als er fort, tät er sich abkehren; sehet an den Höllengraus!
Der Teufel hatte ihn verblendet, malt ein Venusbild an die Stell: Die bösen Geister kamen eilends, führten ihn mit in die Höll. |
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Die Frau aus dem Grabe |
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Hört Christenleut jetzt ein neues Lied, was kürzlich zu Cöln ist noch geschehn von einer Frauen, Richmundis genannt, von Adocht in vierzig Geschlechtern bekannt.
Sie starb, man legte sie in die Lad, der Mann aus lauter Trauern sprach: »Laßt meiner Hausfrau den Trauring an, mit Treuen da war sie wohlgetan.«
Der Tag verging, es kam die Nacht, der Glöckner zu seinem Knechte sprach: »Wir wollen hinein in das Grab wohl gehn und wolln der Frau den Ring absehn!«
Und als der Knecht das Grab auftät, der Glöckner schnell die Lad aufhebt; vor Schrecken liefen sie beide fort und ließen der Frauen die Leuchte dort.
Sie nahm die Leuchte wohl in die Hand und ging, bis sie den Neumarkt fand: »Ach Mann, ach Mann, mach auf die Tür! dein ehrlich Hausfrau steht dafür.«
Die Frau, die rief, die Magd, die lief wohl zu dem Mann, der oben schlief: »O Gott, wie kann das möglich sein, so müßten meine zwei beste Roß bei mir sein.«
Sobald der Mann das Wort aussprach, zwei Rosse liefen aus dem Stalle jach, sie sprangen bereits die Treppe hinan und gingen vor dem Herrn ins Fenster stehn.
Der Herr macht selbsten auf die Tür: »Ach Gott im Himmel, sei gnädig mir! Es ist wahrhaft meine Hausfrau gut, ich hatte sie nächte begraben tot.«
»Ach, liebster Gemahl, sei nicht erschreckt, ein Engel vom Himmel hat mich geweckt; der Engel vom Himmel gar hübsch und fein, wir sollen zusammen in Treuen sein!«
Er faßt sie wohl unter den Arm sogleich und führt sie herauf gar freudenreich; sie setzen sich beide zusammen also und aßen und tranken und sprachen dazu.
Nach diesem Wunder, das ist wahr, hat sie gelebt noch sieben Jahr, geboren ihm sieben Söhnelein, in Aposteln gewirkt ein Meßkleid fein.
Dazwischen hat sie keinmal gelacht, hat immer gar ernst den Tod betracht'; das ist zu Cöln in der Stadt geschehn und mag sich begeben so bald nicht mehr. |
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Die grausame Schwester |
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Es warn einmal zwei Schwestern zu Hirschberg in der Stadt, die eine ging rum betteln, die andre war so reich.
Die Leut, die täten sprechen, du darfst nicht betteln gehn; du hast eine reiche Schwester, die kann dir wohl beistehn.
Die arme Schwester, die wendt sich um und ging wohl ihren Gang zu ihrer reichen Schwester, die sie in Freuden fand.
»Ach Schwester, liebste Schwester, ich bitt dich um ein Brot für meine sechs kleinen Kinder, die leiden Hungersnot!«
»Ach nein, meine liebe Schwester, ach nein, das tu ich nicht; ein Brot soll ich anschneiden, sechs Stücklein davon schneiden? Ach nein, das tu ich nicht!«
Die arme Schwester, die wendt sich um und ging wohl ihren Gang zu ihren sechs kleinen Kindern, die sie im Schlafe fand.
Und als der Herr aus der Kirche kam, wollt er aufscheid'n das Brot: das Brot war wie die Steine, das Messer von Blut so rot.
»Ach Fraue, liebste Fraue, wem hast du's Brot versagt?« »Ach meiner armen Schwester, die mich so kläglich bat!«
Die reiche Schwest'r die wandt sich um und ging wohl ihren Gang zu ihrer armen Schwester, die sie in Trauren fand.
»Gott grüß dich, liebe Schwester, hier bring ich dir ein Brot für deine sechs kleinen Kinder, daß sie nicht leiden Not.«
»Ach nein, meine liebe Schwester, ach nein, das nehm ich nicht: Gott hat uns heut gespeiset, er speist uns morgen auch!« |
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Danhauser |
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Nun will ich aber heben an von dem Danhauser singen, und was er Wunders hat getan mit Venus, der edlen Minnen.
Danhauser war ein Ritter gut er tat der Wunder schauen er wohnte in Frau Venus Berg bei Venus der schönen Frauen.
»Eure Minne ist mir worden leid; zu gehen hab ich im Sinne, Frau Venus, edle Fraue zart, Ihr seid eine Teufeline.«
»Herr Danhauser, ihr seind mir lieb, daran sollt ihr gedenken! Ihr habt mir einen Eid geschwor'n Ihr wöllt mir nit wenken.«
»Mein Leben das ist worden krank, ich mag nit länger bleiben. Nun gebt mir Urlaub, Fräulein zart, von eurem stolzen Leibe!«
»Herr Danhauser, nit reden also! Ihr tut euch nit wohl besinnen. So gehn wir in ein Kämmerlein. Und spielen der edlen Minne!«
»Frau Venus, das en will ich nit, ich mag nit länger bleiben. Maria Mutter, reine Maid, nun hilf mir von dem Weibe!«
Do schied er wieder aus dem Berg in Jammer und in Reuen: ich will gen Rom wohl in die Stadt auf eines Papstes Treuen.
Nun fahr ich fröhlich auf die Bahn, Gott, der tut immer walten! Zu einem Papst, der heißt Urban, ob er mich möcht behalten.
»Ach Papste, lieber Herre mein! Ich klag euch hie mein Sünde, die ich mein Tag begangen hab, als ich euchs will verkünden.
Ich bin gewesen auch ein Jahr bei Venus, einer Frauen. So wollt ich Buß und Beicht entpfahn ob ich möcht Gott anschaun.«
Der Papst hat ein Stäblein in seiner Hand, das was sich also dürre: »So wenig das Stäblein grünen mag, kommst du zu Gottes Hulde!«
Da zog er wiedrum aus der Stadt in Jammer und in Leiden: »Maria Mutter, reine Magd, Muß ich mich von dir scheiden!«
Er zog nun wiederumb in den Berg und ewiglich ohn Ende: »Ich will zu meiner Frauen zart, dort hin will ich mich wenden.«
»Seid gottwillkommen, Danhauser! Ich hab eur lang entboren; Seid gottwillkommen, mein lieber Herr, zu einem Buhlen auserkoren!«
Das währet an den dritten Tag, der Stab hub an zu grünen, Der Papst schickt aus in alle Land: Wo der Danhauser wär hinkummen?
Da war er wieder in dem Berg Und hätt sein Lieb erkoren; Deswegen muß der Danhauser Nun ewig sein verloren! |
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Es waren zwei Königskinder |
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Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb; sie konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief.
»Ach Liebster, könntest du schwimmen, so schwimm doch herüber zu mir! Drei Kerzen will ich anzünden, und die sollen leuchten zu dir.«
Das hört ein falsches Nörnchen, die tät als wenn sie schlief; sie tät die Kerzlein auslöschen, der Jüngling ertrank so tief.
Es war an ei'm Sonntagmorgen, die Leute waren alle so froh; nicht so die Königstochter, ihre Augen saßen ihr zu.
»Ach Mutter, herzliebste Mutter, mein Kopf tut mir so weh! Ich möcht so gern spazieren wohl an die grüne See.«
»Ach Tochter, herzliebste Tochter, allein sollst du nicht gehn, weck auf dein jüngste Schwester, und die soll mit dir gehn!«
»Ach Mutter, herzliebste Mutter, meine Schwester ist noch ein Kind, sie pflückt ja all die Blümlein, die auf Grünheide sind.«
»Ach Tochter, herzliebste Tochter, allein sollst du nicht gehn, weck auf dein jüngsten Bruder und der soll mit dir gehn!«
»Ach Mutter, herzliebste Mutter, mein Bruder ist noch ein Kind, der schießt ja all die Vöglein, die auf Grünheide sind.«
Die Mutter ging nach der Kirche, die Tochter hielt ihren Gang, sie ging so lang spazieren, bis sie den Fischer fand.
»Ach Fischer, liebster Fischer, willst du verdienen groß Lohn, so wirf dein Netz ins Wasser und fisch mir den Königssohn!«
Er warf das Netz ins Wasser, es ging bis auf den Grund; er fischte und fischte so lange, bis er den Königssohn fand.
Sie schloß ihn in ihre Arme und küßt seinen bleichen Mund: »Ach Mündlein, könntest du sprechen, so wär mein jung Herz gesund!«
Was nahm sie von ihrem Haupte? ein goldne Königskron: »Sieh da, du wohledler Fischer, hast dein verdienten Lohn!«
Was zog sie von ihrem Finger? ein Ringlein von Gold so rot: »Sieh da, du wohledler Fischer, kauf deinen Kindern Brot!«
Sie schwang sich um ihren Mantel und sprang wohl in die See: »Gut Nacht, mein Vater und Mutter, ihr seht mich nimmermeh!«
Da hört man Glöcklein läuten, da hört man Jammer und Not, hier liegen zwei Königskinder, die sind alle beide tot. |
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