 |
            |
 |
|
|
|
Sagen & Legenden |
|
|
Sachsen-Anhalt |
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Der Merseburger Rabe |
|
|
Der Merseburger Rektor Georg Möbius hinterließ 1668 die Rabensage in ihrer ältesten überlieferten Form:
"Von diesem Bischof Thilo von Trodte ist unter dem ge- meinen Mann eine gemeine Rede gewesen, als wenn er einsmahls Cammer-Diener darumb, daß ihm seinen Pitzschier-Ring entführet haben solle, hinrichten laßen, welches sich aber nach etlichen Jahren anders befunden, indem ein Schiefer-Decker solchen Ring in eines Raben Nest auf dem Thurm innen an der Domkirchen gefunden,... |
 |
|
|
|
|
|
|
...weswegen solcher Bischof hernachmahls solche That an seinem Diener soll sehr be- dauert, und zum steten Andenken einen Raben mit einem Ring im Schnabel in seinem Wappen geführet haben. Allein dieses ist billig für eine Fabel zu halten, weil 1. die alten geschriebenen Chronicen davon nichts melden, 2. haben die Edelleute von Trodte solch ein Wappen lang zuvor geführet, 3. liegen in der Dom Kirchen alle Trothen begraben, so ebenfallß solch Wappen auf den Leichenstein haben, ehe noch Thilo von Trodte Bischoff worden."
Ambrosius Sanders gilt als Urheber einer 1837 in den Lesebüchern der Schulen ver- breiteten Version der Rabensage: "Um das Jahr 1500 saß Thilo von Trotha auf dem bischöflichen Stuhle zu Merseburg, ein jähzorniger und übereilter, ja oft auch harter Prälat. Er hielt sich einen Hausraben, der hoch in seiner Gunst stand, und dessen Pflege dem Jäger Ulrich anvertraut war. Plötzlich verschwand ein wertvolles Kleinod aus dem Schlafzimmer des Bischofs, ein Ring mit köstlichem Edelsteine, welchen ihm sein Freund, Herr Gerhard, Bischof zu Meißen, geschenkt hatte.
Außer dem Bischof hatte das Gemach nur dessen alter Kammerdiener betreten, den seine Treue gegen allen Verdacht, daß er seines Herrn kostbaren Ring entwendet habe, zunächst schützte. Allein das Vertrauen, das der Bischof seinem treuen Johannes kund- gab, hatte diesem schon längst unter dem übrigen Hofgesinde Feinde und Neider erweckt. Unter ihnen war es besonders der Jäger Ulrich, der Johannes zu verdächtigen suchte. Als ihm dieses nicht gelang, griff er zu einer List. Den gelehrigen Raben prägte er die Worte ein: "Thilo, Thilo! Hans - Dieb! Hans - Dieb!"
Als der Bischof vom Raben diese Worte hörte, sah er sie als Gottesurteil an und befahl, den treuen Diener zu enthaupten. Auf dem Schafott soll der Unglückliche erklärt haben, daß er zum Zeichen seiner Unschuld, sobald der Kopf gefallen sei, die Hände über dem Rumpf zum Himmel erheben werde, was denn auch geschehen sei.
Bald darauf wehte ein Sturm das Nest jenes Raben von einem Turme der Bischofspfalz herab, und ein köstliches Kleinod blinkte aus demselben dem Prälaten entgegen: es war sein Ring, um dessentwillen er unschuldig Blut vergossen hatte. Er empfand eine tiefe Reue über seinen Jähzorn, legte den alten Schild seines Geschlechtes ab und setzte für ewige Zeiten den Raben mit dem Ringe in sein Wappen. Auch sicherte er durch eine Stiftung den Unterhalt eines Raben, der von dem Torwärter des Schlosses bis auf den heutigen Tag gepflegt wird." |
|
|
|
|
|
|
|
|
Sage vom Giebichenstein |
|
|
Seit ewigen Zeiten steht ein hoher, steiler Felsen über der Saale bei Halle. Über den Namen des Felsens, Giebichenstein, gibt es eine Sage. Vor mehr als zweitausend Jahren wollten die Römer Germanien erobern. Der römische Feldherr Drusus kam mit seinem Heer bis an das Ufer der Saale. Am Fuße eines hohen Felsens ließ er das Heerlager auf- schlagen. Eines Abends stieg Drusus auf den Felsen. Er überlegte, wo er eine Brücke über die Saale bauen könnte. Plötzlich trat eine riesige Frau - eine Priesterin alten Glaubens - auf ihn zu. Mit zornigem Blick rief sie:
"Geh weg vom Stein! Dein Leben ist mein kommst nimmer heim!"
Drusus erschrak. Am Morgen ließ er das Heerlager abbrechen. Eilig zog er mit seinen Sol- daten von der Saale weg. So eilig hatte er es, daß sein Pferd stürzte. Drusus brach sich ein Bein. Die Wunde heilte nicht; nach dreißig Tagen war er tot. Die Riesenfrau hatte Recht behalten: er kam nicht mehr nach Hause. Von dem geheimnisvollen Spruch: "Geh weg vom Stein" erhielt der Felsen den Namen "Giebichenstein". |
|
|
|
|
|
|
|
|
Ludwig der Springer |
|
|
Der thüringische Landgraf Ludwig II. (1042 - 1123), Erbauer der Neuenburg und der berühmten Wartburg, war wohl der berühmteste Gefangene auf der Burg Giebichenstein in Halle (Saale). Er wurde aufgrund eines der wohl ältesten Verbrechen der Menschheits- geschichte vom deutschen Kaiser festgesetzt: Ludwig ließ 1087 den Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen ermorden, um dessen Gemahlin Adelheid zu heiraten.
Landgraf Ludwig konnte sich frei ohne Fesseln auf dem Giebichenstein bewegen. Nach gut zwei Jahren Haft befahl der Kaiser dem Burghauptmann, ihn töten zu lassen. Der Landgraf sann nach, wie er dem Tode entgehen könne. Also schickte er seinen Diener zu einem Schreiber und einem befreundeten Ritter, weil er seinen letzten Willen aufschreiben und sein Erbe verteilen lassen wolle. Beim Aufschreiben des Testaments waren Wachen zu- gegen, aber beim Abschied umarmte er den Ritter und flüsterte in dessen Ohr, er solle am nächsten Morgen sein Lieblingspferd, der Schwan, ans andere Ufer und einen Kahn an das diesseitige Ufer der Saale bringen lassen. Dann stellte sich Ludwig krank, er aß und trank wenig und ließ sich warme Kleidung bringen, weil ihm fröre. Er zog alle Kleider an, und überzeugte sich, dass alles vorbereitet war.
Am Ufer warteten Fischer aus Weißenfels im Röhricht und ein Reitknecht wartete mit dem Pferd am jenseitigen Ufer der Saale. Der Landgraf öffnete das Fenster, angeblich um frische Luft zu bekommen und sprang schnell in die Tiefe! Durch die vielen Kleider ge- schützt, erreichte er unverletzt das Röhricht und die Fischer setzen ihn zu seinem Pferd über, er schwang sich auf und ritt davon. Der rettende Sprung in die Saale brachte ihm den Namen: Ludwig der Springer ein. |
|
|
|
|
|
|
|
|
Der Feuerberg |
|
|
Einige Stunden von Halberstadt liegt ein ehemals kahler, jetzt mit hohen Tannen und Eichen bewachsener Berg, der von vielen der Feuerberg genannt wird. In seinen Tiefen soll der Teufel sein Wesen treiben und alles in hellen Flammen brennen.
Vor alten Zeiten wohnte in der Gegend von Halberstadt ein Graf, der böse und raubgierig war und die Bewohner des Landes ringsherum drückte, wo er nur konnte. Einem Schäfer war er viel Geld seit langen Jahren schuldig, jedesmal aber, wenn dieser kam und darum mahnte, gab er ihm schnöde und abweisende Antworten.
Auf einmal verschwand der Graf, und es hieß, er wäre gestorben in fernen Landen. Der Schäfer ging betrübt zu Felde und klagte über seinen Verlust, denn die Erben und Hinter- lassenen des Grafen wollten von seiner Forderung nichts wissen und jagten ihn, als er sich meldete, die Burg hinab. Da geschah es, daß, als er zu einer Zeit im Walde war, eine Ge- stalt zu ihm trat und sprach: »Willst du deinen alten Schuldner sehen, so folge mir nach.« Der Schäfer folgte und ward durch den Wald geführt bis zu einem hohen, nackten Berg, der sich alsbald vor beiden mit Getöse öffnete, sie aufnahm und sich wieder schloß. Innen war alles ein Feuer.
Der zitternde Schäfer erblickte den Grafen, sitzend auf einem Stuhle, um welchen sich, wie an den glühenden Wänden und auf dem Boden, tausend Flammen wälzten. Der Sünder schrie: »Willst du Geld haben, Schäfer, so nimm dieses Tuch und bringe es den Meinigen; sage ihnen, wie du mich im Höllenfeuer sitzen gesehen, in dem ich bis in Ewigkeit leiden muß.« Hierauf riß er ein Tuch von seinem Haupt und gab es dem Schäfer, und an seinen Augen und Händen sprühten Funken.
Der Schäfer eilte mit schwankenden Füßen, von seinem Führer geleitet, zurück; der Berg tat sich wieder auf und verschloß sich hinter ihm. Mit dem Tuch ging er dann auf des Grafen Burg, zeigte es und erzählte, was er gesehen; worauf sie ihm gern sein Geld gaben. Quelle: Deutsche Sagen, Gebrüder Grimm |
|
|
|
|
|
|
|
|
Die Totentäler |
|
|
Als im Jahre 933, nach 9jährigem Waffenstillstand, der fällige Tribut durch König Heinrich I. verwehrt wurde, fielen die Ungarn abermals in sächsisch-thüringische Gebiete ein. Klug hatte der König durch wirksame Verteidigungsmaßnahmen, sie betrafen vor allem die Anlage und den Ausbau von Befestigungen und die Schaffung eines kampftüchtigen Reiterheeres, sowie durch den Bau und Ausbau von Burgen und die Anlage von Vorräten diese Jahre genutzt. Er brauchte deshalb den gefährlichsten äußeren Feind nicht mehr zu fürchten. Und während sich das Hauptheer der Ungarn anschickte, das feste Merseburg zu berennen, trennte sich eine bedeutende Gruppe, um einen Streifzug in das Herz Thür- ingens zu tun, um auch diese Gegend mit Raub, Mord und Brand heimzusuchen.
So drang nach Durchreiten bei Freyburg ein kleiner Haufen derselben in das Tal der Hassel. Und gerade dieses wildverwachsene Tal war es, welches viele Bewohner der um- liegenden Dörfer zum Versteck gewählt hatten, nicht erwägend, daß die Feinde sich auch hierher verirren könnten.
Mehr als eine halbe Stunde aufwärts, wo das Tal am wildesten und das Gestrüpp am dichtesten war, hatten sie ihren Lagerplatz aufgeschlagen und sich mit Zweigen und Laub notdürftig schützende Unterkünfte errichtet.
Während die rüstigen Männer und Jünglinge das Lager verlassen hatten, um Nahrung zu beschaffen und um die Gegend zu erkunden, waren nur die Greise, die Frauen und die Kinder hier zurückgeblieben. Zitternd vor Angst und jammernd vor dem Ungewissen er- warteten alle die Rückkehr der Männer. Blutrot hatte sich mehr und mehr der Himmel gefärbt und zeigte damit den Weg an, den die Feinde nahmen. Da öffnete sich das Gebüsch und in den Kreis der Wartenden stürzten einige Männer mit der schrecklichen Kunde, daß sich berittene Feinde im trockenen Bachbett ihrer Zufluchtstätte nähern würden.
Angst wurde laut, und die Kinder schrien auf. Man wußte auch nicht, welchen Weg man einschlagen sollte, um sich in Sicherheit zu bringen. Und im gleichen Augenblick stürzten auch schon die Ungarn mit wildem Geschrei auf ihre Opfer. Kaum einer entging dem entsetzlichen Gemetzel. Nach dieser furchtbaren Bluttat stiegen die Reiter von ihren kleinen Pferden, eigneten sich die wenigen Habseligkeiten der Gemordeten an und über- nahmen sogleich den Zufluchtsort als Lagerplatz, um am nächsten Tage weiterreiten zu können.
In der heraufziehenden Nacht braute sich über dem Tal ein furchtbares Unwetter zu- sammen, so daß die arglosen Feinde nicht bemerken konnten, wie sich die Männer und Jünglinge, die unterwegs gewesen waren, aber inzwischen von der Untat erfahren hatten, sammelten, um Vergeltung für den blutigen Überfall zu üben.
Im Dunkel der Nacht wurden die Wachen überwältigt und die Mehrzahl der Ungarn getötet. Die wenigen, die zu fliehen vermochten, wurden jedoch durch die wilden Wassermassen, die sich inzwischen von den Hängen zu Tale wälzten, mit fortgerissen und mußten jämmerlich ertrinken. Als dann der junge Tag heraufzog und die Strahlen der Sonne den Ort beleuchteten, war der Anblick der vielen Gemordeten und Ver- stümmelten so furchtbar, daß man fortan dieses Tal "die Totentäler" nannte. Quelle: Sagen und Legenden aus Nebra (Rudolf Tomaszewski) |
|
|
|
|
|
|
|
|
Der wilde Jäger Hackelberg |
|
|
Vorzeiten soll im Braunschweiger Land ein Jägermeister gewesen sein, Hackelberg ge- nannt, welcher zum Waidwerk und Jagen solche große Lust getragen, daß, da er jetzt an seinem Todbett lag und vom Jagen so ungern abgeschieden, er von Gott soll begehrt und gebeten haben (ohnzweifelig aus Ursach seines christlichen und gottseligen Lebens halber, so er bisher geführt), daß er für sein Teil Himmelreich bis zum Jüngsten Tag am Solling möcht jagen. Auch deswegen in ermeldete Wildnis und Wald sich zu begraben befohlen, wie geschehen.
Und wird ihm sein gottloser, ja teuflischer Wunsch verhängt, denn viermal wird ein greulich und erschrecklich Hornblasen und Hundegebell die Nacht gehört: jetzt hie, ein andermal anderswo in dieser Wildnis, wie mich diejenigen, die solch Gefährd auch selbst angehört, berichtet. Zudem soll es gewiß sein, daß, wenn man nachts ein solch Jagen vermerkt und am folgenden Tag gejagt wird, einer ein Arm, Bein, wo nicht den Hals gar bricht, oder sonst ein Unglück sich zuträgt.
Ich bin selbst (ist mir recht im Jahr 1558), als ich von Einbeck übern Solling nach Ußlar geritten und mich verirrte, auf des Hackelbergers Grab ungefähr gestoßen. War ein Platz wie eine Wiese, doch von unartigem Gewächs und Schilf in der Wildnis, etwas länger denn breit, mehr denn ein Acker zu achten; darauf kein Baum sonst stund wie um die Ende. Der Platz kehrte sich mit der Länge nach Aufgang der Sonne, und am Ende lag die Zwerch, ein erhabener roter (ich halt Wacken-) Stein, bei acht oder neun Schuhen lang und fünfe, wie mich deuchte, breit. Er war aber nicht, wie ein anderer Stein, gegen Osten, sondern mit dem einen Vorhaupt gegen Süden, mit dem andern gegen Norden gekehret.
Man sagte mir, es vermochte niemand dieses Grab aus Vorwitz oder mit Fleiß, wie hoch er sich des unterstünde, zu finden, käme aber jemand ungefähr, lägen etliche greuliche schwarze Hunde daneben. Solches Gespensts und Wusts ward ich aber im geringsten nicht gewahr, sonst hatte ich wenig Haare meines Haupts, die nicht emporstiegen. Quelle: Deutsche Sagen, Gebrüder Grimm |
|
|
|
|
|
|
|
|
Die Elbjungfer und das Saalweiblein |
|
|
Zu Magdeburg weiß man von der schönen Elbjungfer, die zuweilen aus dem Fluß herauf- kam, um an dem Fleischermarkt einzukaufen. Sie trug sich bürgerlich, aber sehr reinlich und sauber, hatte einen Korb in der Hand und war von sittsamer Gebärde. Man konnte sie in nichts von andern Mädchen unterscheiden, außer, wer genau achtgab und es wußte, der eine Zipfel ihrer schloßenweißen Schürze war immer naß, zum Zeichen ihrer Abkunft aus dem Fluß.
Ein junger Fleischergesell verliebte sich in sie und ging ihr nach, bis er wußte, woher sie kam und wohin sie zurückkehrte, endlich stieg er mit ins Wasser hinab. Einem Fischer, der den Geliebten beistand und oben am Ufer wartete, hatte sie gesagt, wenn ein hölzerner Teller mit einem Apfel aus dem Strom hervorkommen sei's gut, sonst aber nicht. Bald aber schoß ein roter Strahl herauf, zum Beweis, daß den Verwandten der Elbjungfer der Bräutigam mißfallen und sie ihn getötet.
Es gibt aber hiervon auch abweichende andere Erzählungen, nach welchen die Braut hinabgestiegen und der Jüngling am Ufer sitzengeblieben war, um ihren Bescheid ab- zuwarten. Sie wollte unten bei ihren Eltern um die Erlaubnis zur Heirat bitten, aber die Sache erst ihren Brüdern sagen; statt aller Antwort erschien oben ein Blutflecken; sie hatten sie selbst ermordet. -
Aus der Saale kamen auch zuweilen die Nixfrauen in die Stadt Saalfeld und kauften Fleisch auf der Bank. Man unterschied sie allein an den großen und gräßlichen Augen und an dem triefenden Schweif ihrer Röcke unten. Sie sollen vertauschte Menschenkinder sein, statt deren die Nixen ihre Wechselbälge oben gelassen haben. Zu Halle vor dem Tore liegt gleichfalls ein rund Wasser, der Nixteich genannt, aus dem die Weiber kommen in die Stadt, ihre Notdurft zu kaufen, und ebenmäßig an ihren nassen Kleidersäumen zu er- kennen sind. Sonst haben sie Kleider, Sprache, Geld wie wir andern auch.
Unweit Leipzig ist ein Nixweiblein oft auf der Straße gesehen worden. Es ist unter andern Bauersweiblein auf den Wochenmarkt mit einem Tragkorbe gegangen, Lebensmittel ein- zukaufen. Ebenso ging es auch wieder zurück, redete aber mit niemandem ein einziges Wort; grüßte und dankte auch keinem auf der Straße, aber, wo es etwas einkaufte, wußte es so genau wie andere Weiber zu dingen und zu handeln. Einmal gingen ihr zweie auf dem Fuß nach und sahen, wie sie an einem kleinen Wasser ihren Tragkorb niedersetzte, der im Augenblick mit dem Weiblein verschwunden war. In der Kleidung war zwischen ihr und andern kein Unterschied, außer daß ihre Unterkleider zwei Hände breit naß waren. Quelle: Deutsche Sagen, Gebrüder Grimm |
|
|
|
|
|
|
|
|
Der Brutpfennig |
|
|
Der Brutpfennig oder Heckegroschen soll auf folgende heillose Weise erlangt werden: Die sich dem Teufel verbinden wollen, gehen auf Weihnachtsabend, so es beginnet zu dunkeln, nach einem Scheideweg unter dem offenbaren Himmel. Mitten auf diesem Flecken legen sie dreißig Pfennige oder auch Groschen, Taler in einem runden Ring der Reihe nach nebeneinander hin und heben an, die Stücke vorwärts und rückwärts zu zählen. Dies Zählen muß gerade geschehen in der Zeit, wenn man zur Messe läutet.
In dem Zählen nun sucht der höllische Geist durch allerhand schreckliche Gesichter von glühenden Ofen, seltsamen Wagen und hauptlosen Menschen irrezumachen, denn wenn der Zählende im geringsten wankt und stolpert, wird ihm der Hals umgedreht. Wofern er aber richtig vor- und nachgezählt, so wirft der Teufel zu den dreißig Stücken das einund- dreißigste in gleicher Münze hin. Dieser einunddreißigste Pfennig hat die Eigenschaft, daß er alle und jede Nacht einen gleichen ausbrütet.
Eine Bäuerin zu Pantschdorf bei Wittenberg, die einen solchen Brutpfennig hatte, wurde auf diese Art als Hexe kundgemacht: Sie mußte einmal notwendig ausgehen und hieß die Magd, die Milch von der gemelkten Kuh (eh sie die andern melkte) alsbald sieden, auf Weißbrot in einer dastehenden Schüssel gießen und in eine gewisse Kiste setzen, welche sie ihr zeigte.
Die Dienstmagd vergaß das entweder oder dachte, es wäre gleichviel, ob sie die Milch vor oder nach dem Melken der anderen Kühe aufkochte, und tat also erst ihre ganze Arbeit. Nachher nahm sie die siedende Milch vom Feuer, und in der einen Hand den Topf haltend, mit der andern im Begriff, die bezeichnete Kiste zu öffnen, sah sie in dieser ein pech- schwarz Kalb sitzen, das den Mund aufsperrte. Vor Schrecken goß sie die gesottene Milch in seinen Rachen, und in selbem Augenblick floh das Kalb davon und steckte das ganze Haus in Brand. Die Frau wurde eingezogen und bekannte; ihren Brutpfennig haben die Bauern noch lange Zeit in der gemeinen Kassa aufbewahret. Quelle: Deutsche Sagen, Gebrüder Grimm |
|
|
|
|
|
|
|
|
Das Bauopfer |
|
|
Vor langer, langer Zeit lebte an der Unstrut, zwischen Zeddenbach und dem Wendelstein, ein Müller, der bei seiner Mühle ein neues Wehr bauen wollte, da die Fluten der Unstrut ihm schon zweimal das Wehr zerstört hatten. Bevor er jedoch an die Ausführungen des Baues gehen wollte, besprach er sich dieses Mal mit einem Baumeister, um sicher zu sein, daß nun endlich das Wehr den Fluten standhielt.
Dieser erklärte jedoch, daß alle Mühe umsonst wäre, wenn nicht ein lebendes Wesen, ein Mensch gar, in das neue Bauwerk eingemauert werden würde.
Und er flüsterte, ängstlich um sich schauend, dem Müller ins Ohr: "Kauft noch vor Jo- hannis, dem 24. Juni, heimlich ein Kind, das noch an der Mutterbrust trinkt, und ver- mauert es lebend, dann wird das Wehr allen Gewalten trotzen und unzerstörbar sein!" Dem Müller grauste. Doch tagtäglich lag ihm der Baumeister in den Ohren, denn das Wehr war gar wichtig und notwendig.
Schließlich schob der Müller alle Bedenken beiseite und suchte heimlich in der weiteten Umgebung nach einem entsprechenden Opfer. Endlich fand er, weit von der Mühle ent- fernt, eine arme Frau, die sich bereit fand, gegen schnödes Geld ihren Säugling von der Mutterbrust zu reißen und ihm zu überlassen. Und nun mauerte der Baumeister heimlich bei Nacht das wimmernde Kind unter allerlei Beschwörungsformeln und Sprüchen in das Mauerwerk ein, ohne daß jemals irgendein Mensch von dieser schrecklichen Untat etwas erfahren sollte.
Als nun das nächste Frühjahr herankam, führte die Unstrut über alle Maßen großes und wildes Wasser, aber das neue Wehr trotzte tatsächlich den Fluten, als wäre es aus Granit erbaut. Und so hielt es volle 20 Jahre allen Unbilden stand.
Da kam eines Tages von ungefähr und ganz zufällig die Rabenmutter, die seinerzeit ihr Kindlein verkauft hatte, in die Nähe der Mühle und des Wehres. Und sogleich fing das Wasser der Unstrut gewaltig an zu brodeln, zu zischen und zu schäumen. Zutiefst wühlte der Fluß den Grund auf und zerstörte in einem Augenblick das so lange Zeit unversehrt gebliebene Wehr.
Unter furchtbarem Getöse zerbarst es und verschwand in den Fluten des Flusses. Da tauchte ganz plötzlich aus den tobenden Fluten die Unstrutnixe empor. Art ihrer Hand schwebte eine holde Jungfrau mit langem, wallendem Haar. Entsetzt erkannte die Frau in dem schönen Mädchen ihr Ebenbild von einst. Sie eilte wie von Sinnen davon, man suchte lange nach ihr, schließlich fand man sie tot im Schilfe des Flusses. Quelle: Sagen und Legenden aus Nebra (Rudolf Tomaszewski) |
|
|
|
|
|
|
|
|
Die silbernen Tannenzapfen |
|
|
Zu einer Zeit, als man in den Steinbrüchen bei Nebra noch den Sandstein brach, der ebenso berühmt wie begehrt war, wohnte in Wangen ein Steinbrucharbeiter mit seiner Familie. Obwoni der Mann seine Arbeit ernst nahm und auch fleißig war, seine Frau durch vielerlei Dienste etwas dazu verdiente, reichte beider Lohn für ihre große Familie nicht aus.
Als der Vater eines Tages krank nach. Hause geschickt wurde und für eine längere Zeit das Bett hüten mußte, zog bittere Not bei ihnen ein. Sorgenvoll schauten alle in die Zukunft, denn auch der Winter stand vor der Tür. Vorräte hatte man nicht anlegen können, Korn und Kartoffeln waren längst verbraucht. Am meisten aber hatten die Kinder unter dem Mangel zu leiden, denn auch das letzte Stücklein Brot war längst aufgezehrt.
Da sprach die Mutter eines Tages in ihrer Verzweiflung: "Liebe Kinder, bleibt im Haus, entfernt euch nicht vom Krankenlager eures Vaters, ich will in den Wald gehen, Tannen- zapfen zu suchen, vielleicht finde ich einige, die ich dem Bäcker bringe, und er gibt mir etwas Brot dafür." Mit ihrem großen Tragkorb ging sie in den nahen Wald. Aber so sehr sie in die Runde blickte, nirgends fand sie die begehrten Zapfen. Dabei geriet sie unmerklich immer tiefer in den Wald, der dichter und undurchdringlicher wurde.
Als sie schließlich mutlos und verzagt umkehren wollte und dicke Tränen wegen ihres Miß- erfolgs über ihre vergrämten Wangen rollten, gesellte sich ein alter Mann zu ihr, der ihr aber vollkommen unbekannt war.
Teilnahmsvoll erkundigte er sich nach dem Grund ihrer Tränen. Sie erzählte ihm alles wahrheitsgetreu. Plötzlich vernahm sie hinter den Tannen Stimmen, und auch der Mann war genauso heimlich von ihrer Seite verschwunden, wie er vordem plötzlich neben ihr gestanden hatte. Ihr wurde in "dem dichten Walde umheimlich und bange, und ihr war es auch, als wäre sie von lauter Geistern umgeben. Voller Angst im Herzen trat sie den Heim- weg an, und mit einemmale lösten sich viele Zapfen von den über ihr hängenden Tannen- zweigen, fielen ihr direkt in den Tragkorb und füllten ihn alsbald bis zum Rande. Erfreut und glücklich zugleich schritt sie nun rüstig aus, um recht bald bei ihrer Familie zu sein. Doch die Last drückte und wurde immer schwerer.
Und der Weg war noch weit. Sie mußte mehrfach verschnaufen und wollte auch schon die Hälfte der Zapfen auf den Waldboden schütten, ihre Last zu erleichtern. Später wollte sie diese dann ebenfalls nach Hause tragen. Aber da stand erneut der alte Mann an ihrer Seite und raunte ihr mit seltsamer Stimme zu, alle Tannenzapfen nach Hause tragen zu wollen. Auch solle sie unterwegs keine Rast mehr einlegen. Und sollte sie zuviel von den Zapfen haben, dann solle sie auch anderen davon abgeben. Die Frau verwunderte es sehr, daß sie von dem wertlosen Gut auch noch anderen Leuten abgeben sollte. So stapfte sie ohne Rast weiter, obwohl die Last kaum noch zu tragen war. Aber sie erreichte ihr Haus, wenn auch völlig erschöpft.
Wie staunte sie aber, als sie den Korb ausschüttete: alles blitzte und blinkte, die Tannen- zapfen waren aus blankem Silber. Nun hatte alle Not ein Ende. Aber sie wurden durch den plötzlichen Reichtum nicht etwa übermütig und leichtfertig. Eltern und Kinder blieben ein- fach und bescheiden und vergaßen auch die Worte des alten Mannes nicht, anderen von ihrem Schatze abzugeben. Sie hatten an sich selbst erfahren, wie schwer bittere Not zu ertragen ist. Quelle: Sagen und Legenden aus Nebra (Rudolf Tomaszewski) |
|
|
|
|
|
|
|
|
Des Mannes Feld |
|
|
Kaiser Heinrich, gerade vom siegreichen Feldzug gegen die kriegerischen Hunnen zurückgekehrt, saß froh über den glücklichen Ausgang des Kampfes im Thronsaale der seinerzeit prächtigen Pfalz Wallhausen (heute Landkreis Sangerhausen).
Er belohnte die tapfersten Krieger mit Lob und reichen Geschenken an Ländereien und Gütern. Da trat einer seiner Ritter zu ihm, ein mutiger Kämpfer mit unzähligen Narben im bärtigen Gesicht. “Mein Herr und Kaiser”, sagte er, “ich bin in Euren Diensten ergraut, die Zeit, da meine Kraft mich verläßt, wird kommen. Ich habe keinen Platz, wo ich im Alter der Ruhe pflegen kann. Ich bitte Euch, mir ein Feld zu geben, welches ich mit einem Scheffel Gerste umsähen kann.” “Dieser Wunsch sei Dir gewährt!”, sprach der Kaiser.
Einige Zeit später hielt der Kaiser wieder Residenz in der Pfalz Wallhausen. Da traten einige seiner Günstlinge an ihn heran und sprachen: “Edler Herr, der Ritter hat Euch bitter betrogen. Er hat die Gerste dünn gesät um eine weite, weite Strecke Eures Landes und nennt die eingeschlossene Fläche sein eigen. Nehmt das Land zurück und straft ihn für sein Vergehen.”
Darauf sprach der Kaiser: “Dieser Ritter hat mich nie betrogen, er hat es auch jetzt nicht getan. Was er umsät hat mit dem Scheffel Gerste, ist und bleibt des Mannes Feld!” So ist - zumindest der Sage nach - die Grafschaft Mansfeld entstanden. |
|
|
|
|
|
|
|
|
Jungfrau von Dölau |
|
|
Mit der Steinernen Jungfrau von Dölau verbindet sich die folgende Sage: Eine Jungfrau aus Dölau wollte an ihrem dienstfreien Abend zum Tanze gehen. Vorher aber wurde sie noch von ihrem Dienstherren um Brot ins nahe Brachwitz geschickt. Auf dem Rückwege von Brachwitz nach Dölau geriet sie in ein heftiges Gewitter.
Wegen des bevorstehenden Tanzes war sie in großer Eile. Kurz vor Dölau jedoch versperrte eine große Wasserpfütze ihren Weg. Um ihre Schuhe und Kleider nicht zu beschmutzen und einen Umweg zu vermeiden, warf sie die Brote als Tritte in die Pfütze. Daraufhin wurde sie unvermittelt von einem Blitz getroffen, der sie und die wegge- worfenen Brote in Steine verwandelt hat. |
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
|
|
 |
 |
 |
|
|