Volkslieder

Balladen

Die schöne Bernauerin

Es ist der Morgensterne

Als die wunderschöne Anna auf dem Breitensteine

Es ritt der Herr von Falkenstein

Es fuhr sich ein Pfalzgraf wohl über den Rhein

Der Mädchenräuber

Das Waisenkind




Die schöne Bernauerin

Es reiten drei Reiter zu München hinaus,
sie reiten wohl vor der Bernauerin Haus:
"Bernauerin, bist du drinnen, ja drinnen?

Ei, willst du lassen den Herzog entwegn,
willst du lassen dein jungfrisches Lebn,
ertrinken im Donauwasser, ja Wasser?"

"Und als ich will lassen mein Herzog entwegn,
so will ich lassen mein jung frisches Lebn,
ertrinken im Donauwasser, ja Wasser.

Der Herzog ist mein und ich bin sein;
der Herzog ist mein und ich bin sein:
sind wir gar treu versprochen, ja versprochen.

Es stund kaum an den dritten Tag, dem Herzog,
dem kam eine traurige Klag:
Bernauerin ist ertrunken, ja ertrunken.

Sie legten's dem Herzog wohl auf den Schoß,
der Herzog viel tausend Tränen vergoss,
er tät gar herzlich weinen, ja weinen.

"So rufet mir her fünftausend Mann!
Einen neuen Krieg will ich nun fangen an
mit meinem Herrn Vater eben, ja eben."

Es stund kaum an den dritten Tag,
dem Herzog, dem kam eine traurige Klag:
sein Herr Vater ist gestorben, ja gestorben.

"Die mir helfen mein Vater begrabn,
rote Manteln müssen sie habn,
rot müssen sie sich tragen, ja tragen.

Und die mir helfen mein feins Lieb begrabn,
schwarze Manteln müssen sie habn,
schwarz müssen sie sich tragen, ja tragen.

So wollen wir stiften ein ewige Mess,
dass man der Bernauerin nicht vergess,
man wolle für sie beten, ja beten."


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Es ist der Morgensterne

"Es ist der Morgensterne
er leucht mit hellem Schein
Es weckt uns mit Gesange
der Allerliebste mein."

"Alde, ich muß mich scheiden
von der Allerliebsten mein
Mein Rößlein will nit bleiben
Alde, ich reit von dir!"

"Dein Roß bind an ein Linden
da mag es stehen bei
Leg dich an meine Arme
und ruh ein kleine Weil."

"Nein, ihr zart schöne Fraue
ich mag nit haben Ruh
Wie bin ich so zerhauen
rat Frau, wie ich ihm tu!"

"Nun muß es Gott erbarmen
daß ich dein Schild nit bin
so wären deine Wunden
so weit nit und so viel."

Was zog er von seinem Finger?
Ein golden Ringelein
"Das trag du schöne Fraue
wohl um den Willen mein!"

"Was soll ich mit dem Golde
so ichs nit tragen soll
vor Rittern und vor Knechten?
Mein Herz ist Trauerns voll."

(Melodie 1607)

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Als die wunderschöne Anna auf dem Breitensteine

Als die wunderschöne Anna auf dem Breitensteine saß
und strählte ihre schwarzbraunen Haare so schön,

sieh, da kam einmal ein Fähnrich geritten daher
und sah die schöne Anna, und die weinte so sehr.

"Ach, du wunderschöne Anna , warum weinest du so sehr?"
"Ich weine weil ich heut noch sterben muß."

Sieh, da zog der Fähnrich sein blitzendes Schwert
und stach die schöne Anna durch und durch.

Der Fähnderich, der schwenkte sich wohl auf sein Pferd
und ritt nach seiner Heimat zu.

Ach, Fähnderich, ach Fähnderich, was hast du den getan
Wovon ist dir dein Schwertchen so rot, so rot.

Ich habe gestern abend zwei Täubchen geschlacht
davon ist mir mein Schwertchen so rot, so rot.

Zwei Täubelein geschlacht, und das kann es ja nicht sein
die wunderschöne Anna wird das Täublein wohl sein.

(nach dem Zupfgeigenhansl, aus Hessen)

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Es ritt der Herr von Falkenstein

Es ritt der Herr von Falkenstein
wohl über ein breite Heide
Was sieht er an dem Wege stehn?
Ein Maidel mit weißem Kleide.

Wohin? Wohinaus du schöne Magd
Was machst du hier alleine
Willst du die Nacht mein Schlafbuhle sein
so reit du mit mir heime.

Mit euch heimreiten, das tu ich nicht
kann euch doch nicht erkennen
Ich bin der Herr von Falkenstein
und tu mich selber nennen.

Seid ihr der Herr von Falkenstein
der selbe edle Herre
so will ich euch bitten um den Gefangenen mein
den will ich haben zur Ehe.

Den Gefangenen mein, den geb ich dir nicht
im Turm muß er verfaulen
zu Falkenstein steht ein tiefer Turm
wohl zwischen zwei tiefen Mauern.

Steht zu Falkenstein ein tiefer Turm
wohl zwischen zwei tiefen Mauern
so will ich an die Mauern stehn
und will ihm helfen trauern.

Sie ging den Turm wohl wieder um
Feinslieb bist du darinnen
Und wenn ich dich nicht haben kann
so komm ich von meinen Sinnen.

Ei dürfte ich scharfe Messer tragen
wie unsers Herrn sein Knechte
ich tät mitm Herrn von Falkenstein
um meinen Herzliebsten fechten.

Mit einer Jungfrau fecht ich nicht
das wär mir immer ein Schande!
Ich will dir deinen Gefangenen geben
zieh mit ihm aus dem Lande!

(nach Herder, Melodie 1539)

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Es fuhr sich ein Pfalzgraf wohl über den Rhein

Es fuhr sich ein Pfalzgraf wohl über den Rhein
viel Roß und Jäger wohl um ihn sein.

Als sie nun durch den Talweg ziehn
da steht eine stille Mühle vor ihn.

Des Müllers schönes Töchterlein
sie schaute aus ihrem Fensterlein.

O Müller, gib deine Tochter heraus
sonst steck ich den roten Hahn aufs Haus.

Zuerst schlug er den Vater tot
zum andern die Frau Mutter rot.

Zum dritten alle Brüder drei,
daß Gott der Herr ihnen gnädig sei.

Der Pfalzgraf steckte ein das Schwert,
die Tochter nahm er mit aufs Pferd.

Und sie kamen auf grüne Heid,
da glänzten sieben Schlösser weit.

"Schaust du die sieben Schlösser mein
drauf sollst du morgen Markgräfin sein."

Bei Spiel und Tanz und Jubelschall,
führt man die Braut wohl in den Saal.

"Nun iß und trink den kühlen Wein
und laß dein Herze fröhlich sein."

"Ich esse nicht, trinke nicht den Wein,
mein Herz kann nimmer fröhlich sein."

Zuerst schlugst du den Vater tot,
zum andern die Frau Mutter rot.

Zum dritten alle Brüder drei,
daß Gott der Herr ihnen gnädig sei."

Der Tag verging, es kam die Nacht,
die Braut ward in die Kammer bracht.

Bei zweiundsiebzig Kerzen Schein
führt man die junge Braut hinein.

Wohl um die Nacht, die halbe Nacht,
der Pfalzgraf heimlich vom Schlaf erwacht.

Da wollt er küssen den roten Mund,
doch sie war tot und nicht mehr gesund.

(aus dem Bergischen)

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Der Mädchenräuber

Es ritt ein Räuber wohl über den Rhein,
der konnte so wunderschön singen,
ein Liedchen von dreierlei Stimmen,
ein Liedchen von dreierlei Stimmen.

Ein Mädchen auf das Fenster sprang
und hörte den wunderschönen Gesang.
"Ach könnt ich so wunderschön singen,
ein Liedchen von dreierlei Stimmen!"

Er griff sie bei dem rothen Rock
und schwang sie auf sein hohes Roß.
Drauf giengs so geschwind und so balde,
durch einen stockfinsteren Walde.

Da kamen zwei Turteltäubchen her,
die setzten sich auf ein'n Haselstrauch.
Die konnten so wunderschön singen:
"Ach Mädchen, laß dich nicht verführen!"

Ach Räuber, du lieber Räubersmann,
laß mich noch dreimal schreien!
"Ja dreimal schreien, recht gerne,
doch nicht so weit in die Ferne."

Den ersten Schrei und den sie that,
den that sie an ihren Vater:
"Ach Vater, ach komme ja balde,
sonst muß ich ja sterben im Walde!"

Den zweiten Schrei und den sie that,
den that sie an ihre Mutter:
"Ach Mutter, ach komme ja balde,
sonst muß ich ja sterben im Walde!"

Den dritten Schrei und den sie that,
den that sie an ihren Bruder:
"Ach Bruder, ach komme ja balde,
sonst muß ich ja sterben im Walde!"

Ihr Bruder war ein Jägersmann,
Der schoß den Räuber wohl durch die Brust.
Das ging so geschwind und so balde,
in diesem stockfinsteren Walde.

(aus Nauheim bei Limburg (1885)
Erk-Böhme, Deutscher Liederhort)

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Das Waisenkind

An einem Fluß, der rauschend schoß,
Ein armes Mädchen saß.
Aus ihren blauen Äuglein floß
Manch Tränchen in das Gras.

Sie wand aus Blumen einen Strauß
Und warf ihn in den Strom.
Ach, guter Vater, rief sie aus,
Ach, lieber Bruder, komm!

Ein reicher Herr gegangen kam
Und sah des Mädchens Schmerz,
Sah ihre Tränen, ihren Gram,
Und dies brach ihm das Herz.

Was fehlet, liebes Mädchen, dir,
Was weinest du so früh?
Sag deiner Tränen Ursach mir,
Kann ich, so heb ich sie.

Ach, lieber Herr, sprach sie und sah
Mit trübem Aug ihn an,
Sie sehn ein armes Mädchen da,
Dem Gott nur helfen kann.

Denn sehn Sie, jene Rasenbank
Ist meiner Mutter Grab,
Und ach, vor wenig Tagen sank
Mein Vater hier hinab.

Der wilde Strom riß ihn dahin,
Mein Bruder sah's und sprang
Ihm nach, da faßt der Strom auch ihn,
Und ach, auch er ertrank.

Nun ich im Waisenhause bin,
Und wenn ich Rasttag hab,
Schlüpf ich zu diesem Fluße hin
Und weine mich recht ab.

Sollst nicht mehr weinen, liebes Kind,
Ich will dein Vater sein.
Du hast ein Herz, das es verdient,
Du bist so fromm und rein.

Er tats und nahm sie in sein Haus,
Der gute reiche Mann!
Zog ihr die Trauerkleider aus
Und zog ihr schöne an.

Sie saß an seinem Tisch und trank
Aus seinem Becher satt. -
Du guter Reicher, habe Dank
Für deine edle Tat.

(aus dem 19. Jahrhundert)

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