Uwe Nolte

Dann…

Du bist nicht fromm und weise.
Längst fremd ist dir dein Land –
Nur Sagen raunen leise,
Was dich mit ihm verband.

Nicht Hirt folgst du, noch Herde,
Reich ist dein Geist an Wehr,
Doch fällt der Gang zur Erde
Dir, letztem Goten, schwer.

Du traurigster Gesandter
Aus Thules Paradies,
Schleppst dich wie Rilkes Panther
Durchs irdische Verließ.

Doch manchmal keimt ein reiner
Gedanke auf, flammt schier -
Dann bist du leicht wie keiner
Sonst sein kann – außer dir.

Dann steht der Kosmos offen;
Du tanzt im Ätherschaum,
Bis, fern von allem Hoffen,
Zerstieben Zeit und Raum.

Du fliegst, feind jeder Schwere,
Gelockt vom Nornenruf,
Im Hagalsturm der Speere
Zum Fuße des Vesuv.

Dann sehrt dich kein Ermatten.
Im Wetter der Gefahr
Bringst du der Kriegerschatten
Phalanx Gesänge dar.

Du singst und singst für Sterne,
Die lange schon verweht,
Bis deines Traumes Ferne
Dir spendet Gold und Met

Dann feierst du die Feste,
Die dir gebühren, dann
Bist du das Allerbeste,
Was je ein Mann sein kann;

Ein Felsen, bar der Klage,
Dem Schwarzen Teja gleich
Ein Raunen schöner Sage -
Ein König ohne Reich.