Uwe Nolte

Lied zur Nacht

Wenn der Tag betäubte
Dich mit seinem Tand,
Nimm die traumbestäubte
Fiedel von der Wand.

Spanne flink die Saiten,
Stimme Ton für Ton,
Laß ein Lied entgleiten,
Aller Welt zum Hohn.

Klang allein soll walten,
Ihm verschaffe Raum.
Niemand kann dich halten,
Folgst du deinem Traum.

Traue nicht der leisen
Töne Trug und Zier,
Laß Zigeunerweisen
Wettern nur aus dir.

Glanz von schwarzen Haaren,
Feuer, Unrast, Wein,
Flechte in die Scharen
Deiner Noten ein.

Lasse Sang erklingen,
Frei, wie Wolkenflug -
Leben um zu singen
Ist schon Sinn genug.

Soll der Bogen flitzen
Über Saiten schrill,
Bis dein Lied verblitzen
Bei den Sternen will.

Spiele dir zur Feier,
Ohne Fron und Frist;
Niemals bist du freier
Als du heute bist.

für Roxane