Uwe Nolte

Falken-Eid

Wurzelt denn die Blaue
Blume noch in dir?
War je Balders Braue
Deiner Sommer Zier?

Runen, die du fandest,
Waren staubverhüllt,
Wünsche, die du sandtest,
Blieben unerfüllt.

Erstes Silber nistet
Schon in deinem Haar
Und dein Gang, befristet,
Endet am Altar.

Glätte letzter Träume
Wirres Federkleid,
Keine Zeit versäume:
Sprich den Falkeneid;

Nur des Himmels Weite,
Unterm Odalstern,
Sei mein Maß. Ich streite
Ohne Sold und Herrn.

Fliegen will ich, fliegen.
Dies ist mein Gewinn;
Ich will licht-verstiegen
Werden, der ich bin.

Deine Flügel spreizen
Sollst du, dir getreu;
Nur im Flug der Weizen
Trennt sich von der Spreu.

Reitest du den Tiger
Und bezwingst auch ihn,
Atmet aus dir, Krieger,
Bruder Hölderlin.

Blitze, dir zu eigen,
Tragen deinen Reim,
Wenn der Schatten Schweigen
Dich geleitet heim.

Dann bist Korn und Krume
Du, vom Licht verzecht,
Blühst als Blaue Blume
Künftigem Geschlecht.