Uwe Nolte

Schwarzspechtlist

Wieder hält der Wald gefangen
Deine Sehnsucht, dein Gesicht,
Und du pilgerst voll Verlangen
In das junge Abendlicht.

Sonnengold tropft ungestaltet
Von den Blättern; Schatten und
Träume tanzen, Wirrsal waltet
Auch auf deiner Augen Grund.

Diesen Weg kennst du seit Wochen.
Hat er je gegabelt sich?
Schon lockt eines Spechtes Pochen
Auf die neue Fährte dich.

Weiter gehst du. Längst das Dämmern
Dich umweht mit seinem Bann,
Dann entdeckst du ihn beim Hämmern,
Schleichst dich leise duckend an.

Kohlenschwarz, mit Mohnperücke,
Sitzt auf Borke er und sieht
Dich, mit Argwohn und der Tücke
Eines Waldschrats an und flieht.

Näher springst du, willst umrunden
Schnell die Stelle Kreis für Kreis,
Doch er bleibt dem Blick entschwunden
Auf des Zwielichtes Geheiß.

Und du willst dich noch versichern,
Ob er sich am Stamm festkrallt,
Aber nur ein fernes Kichern
Hörst du, das dämonisch hallt.

Wipfel raunen, Zweige krachen,
Tiergeflüster dich umschwirrt,
Und das Kichern schwillt zum Lachen -
Du hast dich im Wald verirrt!