Uwe Nolte

Heilendes Fieber

Fieber erlöst mich vom Tag und sein Drache
Bricht ungezähmt durch der Adern Geäst,
Schlingt sich um Sinne und flüstert: Erwache!
Marduk lädt dich, Ungetreuen, zum Fest.

Steig aus dem Bett, das nur für ihn bereitet,
Nimm von dem Wein, der allein ihm gebührt,
Trink bis sein flammender Atem dich leitet
Und an das Ende der Zeiten entführt.

Geh! und verlaß das Gemach der Geschicke,
Rüste dich heiter, zum Sehen erwählt,
Wage die Schritte zur Quelle, erblicke
Dich nackt in ihr, deinem Schatten vermählt.

Rette die Bilder, die dir noch verblieben,
Fliehe mit ihnen im Sperbergewand
Hin zu der Freiheit, die jene bloß lieben,
Die sich der Nacht und dem Traum zugewandt.

Fliege jetzt heimwärts zum Himmel, mit Feuern
Ältester Opfer besternt; kehre ein.
Wenn sich die Welt wird im Schwerttanz erneuern,
Darfst du ihr Spiegelbild längst nicht mehr sein.

Tritt aus der Asche der Jahre, verlache
Frech deiner Tage verödeten Glanz.
Werde, der Mann der du bist: raunt der Drache.
Heilendes Fieber, erlöse mich ganz.