Uwe Nolte

Ostaras Kuß

Dunkel, noch vom Mondlicht trunken,
Noch vom Schattenrausch verzückt,
Noch in Ahnungen versunken,
Träumt der Teich, der Nacht entrückt.

Übers trübe Wasser neigen
Sich des Schilfes Halme und
Nur der Molche Hochzeitsreigen
Leuchtet auf dem fahlen Grund;

Ihr geheimes, leises Regen
Bricht den winterlichen Bann,
Daß der Morgensonne Segen
Seine Kraft entfalten kann!

Endlich! nach des Winters Schweigen,
Nun das Jahr beginnen muß,
Vogellieder tönend steigen,
Strömen in des Lichtes Fluß.

Herden junger Wolkenpferde
Jagen südwärts auf der Flur
Blauer Weiden und die Erde
Dampft von ihrer Funkenspur

Sanft gezeichnet. Blütenschimmer,
Zaghaft prunkend, perlmuttbleich,
Frühster Stunde Goldgeflimmer,
Spiegeln wider sich im Teich.

Von dem Grat des Ufersaumes,
Zu des Schilfrohrs schwankem Kiel
Tanzt, im Spiegel seines Traumes,
Aller Lüste Farbenspiel

Und lebendig, hinter Schlehen,
Über feuchtem Moos, versteckt,
Alte Bilder auferstehen,
Von Ostaras Kuß erweckt.

Selig schimmernd, frühlingstrunken,
Still, vom Sonnenrausch verzückt,
Tief im Schoß der Zeit versunken,
Träumt der Teich, dem Tag entrückt.

für Waldteufel