"Did you bring silver, did you bring gold... ?"

"Did you bring silver, did you bring gold... ? "

Zum Ausklang eines Jahres ein würdiges und passendes Konzert, dies wünscht man sich nicht selten. Selten wird einem aber dieser Wunsch erfüllt. Hier war es umgekehrt ...
Und getreu dem oben vorangestellten Zitat als Motto läßt sich guten Gewissens sagen: 'Ja, sie brachten wirklich etwas Wertvolles, etwas Goldenes an diesem 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25.12.2003 nach Halle in die Tanzbar Palette...

Sie, damit sind FIRE & ICE, SONNE HAGAL, SONNENTAU, und FORSETI gemeint, sowie die Veranstalter NolteX und Eis & Licht, die dafür sorgten, dass eine gelungene, gut besuchte Veranstaltung über die Bühne ging, die, mit einigen Überraschungsmomenten aufwartend, wunderbar entspannt das diesjährige Julfest zu einem besonderen Höhepunkt machte ...
Ein Fazit über einen wirklich gelungenen Auftritt ist an dieser Stelle angebracht:

Nach einer kurzen Pause für's Getränk erschienen drei andere Herren, wiederrum fast unbemerkt auf der Bühne, von denen einer, in rotes Licht getaucht, die eine Hälfte Orplids, Sonnentau-Kopf und Mitveranstalter Uwe Nolte höchstpersönlich war. Beinahe fehlte einem irgendwie eine angemessene Ansage: 'Halle proudly presents ...' o.ä., denn diesen Auftritt, möchte ich meinen, haben mit Sicherheit 99% der Zuschauer seit Jahren herbeigesehnt. Auch wenn die permanente Bühnenabstinenz Orplids auch hier nicht wirklich beendet werden sollte, Uwe Nolte im Zuammenhang mit Sonnentau nur als 'Session' angekündigt worden war, bekam man doch etwas vom wagnerianischen Amber und der Schwere Orplids zu Gesicht und Gehör, was sicherlich in dieser Form einzigartig war.

So entpuppte sich der Auftritt vorerst mitnichten als Sonnentau - Session, sondern vielmehr als eine urbane, rohe aber kunstvolle und anspruchsvolle Essenz von Orplid, bei der eine ordentliche Portion theatralisch-Nolte'schen Humors nicht fehlen durfte. Der Frontmann begann in Kriegerpose mit ausgestreckten Armen und tief krächzenden Lauten diesen Auftritt, welcher im Grunde nur aus mitunter a capella vorgetragenen Liedern oder streckenweise sogar heftig gebrüllten Rezitativen in Verbindung mit ein paar wuchtig-trockenen Pauken und verhaltenen Akkorden aus der E-Gitarre bestand. Highlight war sicherlich der "Merseburger Rabe", den Uwe Nolte, unnachahmlich mit martialisch verzogener Miene deklamierte, und der hier den größten Jubel beim Publikum erntete.

Sich selbst humorvoll aber souverän in Szene setzend, wußte Uwe ein, zwei Widmungen bzw. kurze Vorworte zu den dargebotenen Stücken einzustreuen oder dem Techniker auch mal einen flotten Spruch herüberzurufen. Jedoch endete er leider schon nach etwa fünfzehn Minuten ... Sicherlich mit gewollter Anspielung auf das weitere "Niveau" des Abends wurden nun erst SONNENTAU angekündigt und die Zuschauer im Saal verblüfft zurückgelassen.

Betrachtet man im Nachhinein diesen, wenn auch kurzen, so doch herausragenden Auftritt, so sollte klar werden, was hier eigentlich für eine besondere Form einer musikalischen Inszenierung, den Grenzweg zum archaischen wie auch modernen Sprechtheater mit dem originellen Wechsel aus epischem Gesang und Trommelwirbel beschreitend, dargeboten wurde. Für kurze Momente war etwas ziemlich Unerwartetes und Neues für die Leute zu erleben, was hinsichtlich des gezeigten Könnens und aber der andauernden vergeblichen Hoffnung auf ein richtiges Orplid Konzert in ferner Zukunft den Rezipienten nun beinahe erst recht unbefriedigt läßt. Nicht zu vergessen ist der gesunde Humor, der hier neben allem antikem Ernst auch einen komödiantischen Aspekt verriet, welcher vielen anderen, ach so ernsthaft scheinen wollenden Gruppen des Genres auch einmal sehr gut tun würde.

Schade, dass es so kurz war! Kurz darauf folgte dann SONNENTAU, allerdings ohne Uwe Nolte selbst, sondern mit der Sängerin, dem E-Gitarristen, der sein Instrument mit der klass. Gitarre getauscht hatte, sowie Forsetis Cellisten. Aus Mangel an Kenntnis über die bereits erschienene Veröffentlichung von SONNENTAU kann ich leider kaum auf die dargebotenen Stücke eingehen. Fakt ist, dieses ebenfalls recht kurze Konzert war für meine Begriffe das schwierigste des Abends.

Die Qualität der vorgetragenen romantischen, deutschen Lieder steht sicherlich außer Frage, allerdings vermochten sie es nicht, uns vollends im Rahmen dieses Abends zu fesseln. Ein gut eingespieltes Trio, bei dem zwar Cello und Gitarre offensichtlich ein paar Monitorprobleme hatten, die aber im Saal gar nicht auffielen, hätten an anderer Stelle sicherlich eine Art Kammermusik-Atmosphäre schaffen können. Hier überzeugte mich lediglich die Sängerin nicht so sehr und alles ging mit wenig echtem Herzschmerz an uns vorbei.


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