Zwiegespräche

BARDITUS & NOLTEX

BARDITUS & Stigmata.name 2010

BARDITUS & Black-Magazin 2006

BARDITUS & metalius.de 2005

BARDITUS & metal.de 2005

BARDITUS & schwarzmetall.ch 2005

BARDITUS & Heathen Harvest 2005

BARDITUS & lichttaufe.de 2004




BARDITUS & Stigmata.name 2010

nach oben



BARDITUS & Black-Magazin 2006

Was hat Dich bewogen, mit NolteX einen eigenen Verlag ins Leben zu rufen - warst Du mit der Arbeit von Eis & Licht und Prophecy Productions nicht mehr zufrieden?

Die eigene Kunst in der Öffentlichkeit darzustellen, ist fast genauso wichtig wie die Kunst an sich. Deshalb schwebte mir schon immer ein Eigenverlag vor. Außerdem bringt solch ein Vorhaben neue Inspirationen und Herausforderungen mit sich. Mit Prophecy Prod. bin ich sehr zufrieden und freue mich schon auf die künftige Zusammenarbeit.

Wofür steht das X hinter Nolte im Verlagsnamen?

Es war schon seit Kindertagen eine Angewohnheit von mir, Personen aus meinem engeren Freundeskreis mit der Variabel "X" zu versehen. So liegt es an jedem selber, mit welchem Wert an menschlicher Potenz er diese Variabel versieht. So erklärt sich auch, warum ein Titel auf einer alten RÜCKGRAT-Scheibe "ArndteX" heißt. Es war ein Liebeslied für Claudia Arndt. Im Übrigen hat der Verlagsname folgende Bedeutung: Wir stehen noch mit einem Namen für die von uns geschaffene Kunst!

Dein NolteX-Logo läßt mich sofort an den Duce denken - sehe ich da etwa "Gespenster" oder ist diese Assoziation gar beabsichtigt?

Diese Frage müßte man eigentlich der Künstlerin stellen, die mich als Modell engagierte. Das Signet war ursprünglich für unsere Kampfsport-Loge gedacht. Nachdem der Auftrag platzte, kaufte ich - um ihre junge Agentur zu unterstützen - die Arbeit ab. Vom "Duce" weiß ich kaum etwas. Nur die Filmsequenz aus einer Wochenschau blieb meinem Bildgedächtnis erhalten: er stand auf einem Balkon vor einer jubelnden Menschenmenge, verschränkte selbstverliebt die Arme und wölbte berauscht vom Jubel der Masse seine Lippen wie ein brünftiges Schimpansenmännchen. Seien wir froh, daß er kein Weibchen nachahmte, denn die entwickeln bekanntermaßen melonengroße Brunftblasen am Hintern.

Deine ersten musikalischen Gehversuche waren SCARDANELLI und RÜCKGRAT, wobei von letzterer Band das Material als Wiederveröffentlichung auf NolteX vorliegt - ist ähnliches auch mit SCARDANELLI geplant und erzähl doch bitte ein wenig mehr über das "sportliche" Konzept der Band?

Ich war auch schon vor den zwei genannten Projekten bei diversen DM- und GC-Gruppen tätig, aber das war mir einfach zu langweilig. Die eine hieß OVERLORD und ihr "Manager" wollte, das ich beim Singen einen auf "evil" mache, die Ansagen grunze und lange Haare haben sollte; eben das volle Klischeeprogramm. Daraufhin opferte ich Onkel Satan beim nächsten Auftritt eine aufblasbare Liebespuppe mit einem Hackmesser. Danach wurde ich "gefeuert"! Tja, das waren etwas schrille Zeiten!

Mit SCARDANELLI wurde es dann schon etwas konzeptioneller und weniger klischeebelastet. Leider haben wir es damals nur bis zum Demo-Status gebracht. Vom laibachmäßigen Konzept und von der Musik her, wäre das sicherlich mit 666prozentiger Sicher- heit etwas für die "schwarze Szene" gewesen. Es ging im Proberaum recht martialisch und spektakulär einher und fast hätte ich einmal durch meine Feuerspuckerei uns alle den "Mächten der Finsternis" geopfert. Also das wäre wirklich köstlich "true" gewesen! Evtl. ist eine Veröffentlichung dieser Tondokumente bei NolteX geplant. Aber gegenwärtig haben wir genug mit der HERMANN HESSE-Liedersammlung, dem neuen BARDITUS- Album und unserem Bühnenprogramm zu tun.

Mit SONNENTAU und BARDITUS gehst Du seit einiger Zeit getrennte Wege von Deinem ORPLID-Partner Frank Machau - wo stehen für Dich dabei die Prioritäten?

Getrennte Wege gehen wir gewiß nicht, denn wenn man so lange Zeit mit jemandem verbracht hat, so viel geteilt hat, wird der andere stets ein Stück von einem selbst bleiben. Außer der Selbstverwirklichung innerhalb des NolteX-Verlages habe ich keinerlei Prioritäten - und Frank ist immer willkommen. Auch andere Künstler und Musikgruppen können bezüglich einer Veröffentlichung oder Zusammenarbeit gerne mit uns in Kontakt treten.

Ich muß gestehen, daß ich von ORPLID so gut wie nichts kenne und was ich bis jetzt gehört habe, ehrlich gesagt nicht ganz so mein Geschmack ist. Ganz im Gegenteil dazu BARDITUS - wie kam es zu diesem erhabenen Projekt und kann ich von dem angekündigten Debüt-Album ähnlich gelagerten Klang erwarten, der mich schon auf der EP "Die letzten Goten" gefangen nahm?

Ja, wir werden unbedingt bei der Stimmung des Debüt-Albums bleiben, weil dies unserem Gesamtkonzept entspricht. Sollen andere ihr inhaltloses "Yeah, yeah, yeah" in die Welt säuseln, wir haben Gefühl, Sinn und Kraft zu vermitteln. Der Titel unserer aktuellen Veröffentlichung lautet "Midgards Wölfe kehren heim" und wie der Name schon verrät, wird es hauptsächlich um "nordische Themen" gehen. Sogar die Adaption eines Bathorý-Titels haben wir verwirklicht. Auch Meister Ian Read hat seinen künstlerischen Beitrag zum Al- bum geleistet. Wir freuen uns schon sehr darauf, diese Veröffentlichung unserem Hörerkreis präsentieren zu können.

Auf einigen Fotos sieht man Dich im russischen Marine-Unterhemd (auch liebevoll Telnaschka genannt) - hegst Du etwa die gleiche Vorliebe für dieses äußerst kleidvolle Leibchen wie ich und wenn ja, warum?


Bei mir rührt diese von Dir richtig beobachtete Vorliebe von meinen sommerlichen Hiddenseeaufenthalten her, wo ich mich auch in diesem Jahr wieder "neu" einkleidete. Mich ziehts seit meiner Kindheit jedes Jahr ans Meer; ich liebe seine Weite, sein Rauschen, seinen Duft und es wird gerade wieder höchste Eisenbahn dem deutschen Winter zu entfliehen: Ich gehe bald auf Abenteuer-Tauchreise gen Sinai.

Warum möchtest Du dem deutschen Winter entfliehen - ich dachte Du liebst Deine Heimat über alles?

Auch die emotionalste Bindung muß von Zeit zu Zeit durch eine Dosis Distanz aufgefrischt werden. Man kann sagen, ich fahre in den Süden, um mich wieder zu "norden" - so wie man es mit dem Kompaß macht. "Über alles" liebe ich die Heimat gewiß nicht, denn in diesem Fall würde die Liebe blind (für andere Kulturen) machen und somit Kraft nehmen, statt geben. Ich verspüre eine tiefe, aber stille Verbundenheit mit hier gewachsenen Dingen, die sicherlich essentieller ist, als diese "über alles-Liebe" oder andere deutschtümelnde Stammtischphrasen.

Und wenn ich vom "deutschen Winter" spreche, dann ist nicht unbedingt von der etwas unbequemeren Jahreszeit die Rede, sondern von Kulturarmut, Gefühlskälte sowie Beamten- und Spießertum, in Form von Schubladen- und Schwarz/Weißdenken. Dem deutschen Michel, diesem kastrierten Idioten, fehlt innerhalb aller Bereiche des Lebens jegliche Form der Nuancierung. Oben & Unten, Stark & Schwach, Links & Rechts, Gott & Teufel, Nutzpflanze & Unkraut, Spießer & Aussteiger...Dieses & Jenes, Platsch & Quatsch: total langweilig ist das! Zu wenige Menschen gibt es, die "jenseits von Gut & Böse" ihre eigenen Lebensziele verfolgen.

Es ist uninspirierend und strengt sehr an, im teutonischen Kategorisierungsmorast zu leben. Ein Spaziergang durch blühende Korallengärten läßt unsereins die kulturelle Farblosigkeit, sprich das "Konsumentengrau" und die seelische Armut hiesiger Gefilde vergessen und neue Kraft für künstlerische Vorhaben sammeln.

Und wo wir gerade bei Rußland sind - in Deinem Verlag vertreibst du u.a. auch die wundervoll-melancholischen Fotoarbeiten von Semjon Prosjak - wie bist Du mit seinen Werken in Berührung gekommen?

Andreas und ich haben durch Zufall eine Ausstellung von ihm besucht und waren von seinen Bildern tief beeindruckt. Er war als Kind in einem deutschen KL inhaftiert. Wenn man mit diesem Schicksal vertraut ist, begreift man auch die Menschenleere seiner lyrischen Landschaftsbilder, die trotz seiner bitteren Lebenserfahrung eine faszinierende Schönheit ausstrahlen. Die Begegnung mit diesem Mann und dessen Kunst hat uns sehr bewegt!

Mit der Eichendorff-Liedersammlung hast Du ein thematisch geschlossenes, aber musikalisch sehr abwechslungsreiches Konzept durchgeführt, welches bald mit "Hesse" fortgesetzt werden soll - öffnet so etwas neue Türen und wie wurde die CD bisher angenommen?

Die Eichendorff-Liedersammlung - wie auch alle anderen Dinge die wir bei NolteX produzieren - richtet sich an ein waches, literaturinteressiertes und kulturbewußtes Publikum. Das dieses Publikum uns findet - und umgedreht auch - ist eins unserer Hauptanliegen. Insofern haben sich in den letzten Monaten tatsächlich einige neue Türen geöffnet, was die Erweiterung unseres Hörer-, Künstler- und Freundeskreises betrifft.

Mit der Hermann Hesse-Liedersammlung werden wir sicherlich weiter erfolgreich diesen Pfad beschreiten und jenen Hörern eine Freude bereiten, die Inhalt & Stimmung in der Musik suchen. Wir wollen bei NolteX nicht nur auf Plastescheiben gepreßte Klänge verhökern, sondern ein Gefühl für (die eigene) Schönheit & Herkunft sowie Wissen vermitteln. Auch unsere Internetz-Präsenz noltex.de soll dies zum Ausdruck bringen.

Für LEGER DES HEILS warst Du schon graphisch tätig - was magst Du an dieser Musik bzw. schätzt Du an der Person hinter dem Projekt? Ich finde ehrlich gesagt die Musik und vor allen den Gesang furchtbar...

In diesem Fall kann man getrost von aktiver Nachbarschaftshilfe sprechen. Mario A. wohnt keine zehn Fußminuten von mir entfernt und für mich war es selbstverständlich auszuhelfen, weil ich ihn mag. Die Musik ist mir zu elektronisch, aber wenn man meine musi- kalischen Favoriten anschaut, verwundert dies eh kaum. Um Gefallen und Nichtgefallen gehts uns sowieso nicht, denn wir helfen gerne & immer anderen deutschsprachigen Projekten, sofern sie uns förderungswert erscheinen.

Es ist schon seit einiger Zeit ein neues ORPLID-Werk angekündigt - wo und wann wird dieses denn nun erscheinen und was erwartet dabei den geneigten Hörer?

Das aktuelle Album "Sterbender Satyr" wird in CD-Form Anfang nächsten Jahres über Prophecy Prod. erscheinen und die Vinyl-Version (mit Extra-Grafik und Bonus-Titeln) zum Album bringen wir mit ihnen gemeinsam auf den Markt. Die Musik hat einen absolut neuen Charakter gewonnen! Völlig unübliche Einflüsse und Klangwelten entfalten ihre suggestive Wirkung. Wir werden mit Sicherheit einige alte Hörer verlieren - aber eben auch neue Kunstfreunde gewinnen. Ich möchte aber vorerst die Musik nicht weiter sezieren und erklären. Mir ist es auch letztlich gleich wie sich dieser musikalische Stil nennt, wenn meine schriftlich manifestierten Gefühle nur gut reflektiert werden und das Endergebnis - wie in diesem Fall - stimmt.

Autofahrer oder sexuell erregte Personen hinterfragen ja auch nicht irgendwelche technischen Details, sondern sind um eine harmonische Verkehrsteilnahme ohne Unfall bemüht.

Entgegen früheren Bekunden soll nun doch altes ORPLID-Material wieder zugänglich gemacht werden - in welchen Rahmen wird dieses geschehen und wie kam es zu diesem Sinneswandel?

Wir werden bei NolteX einige verschollene Aufnahmen und Beiträge zu raren Kompilationen unter dem Namen "Frühe Werke" veröffentlichen. Uns war die Produktion nicht gut genug gelungen. Dies befanden wir zumindest damals. Jetzt, wo jeder von uns genug andere Dinge gemacht hat, sind diese Aufnahmen für uns wichtige Zeitdokumente, mit deren Herausgabe wir die erste ORPLID-Ära abschließen wollen. Es ist ein Dankeschön an die Freunde unserer Kunst aus Anfangstagen.

Warum erscheint eigentlich das Frank Machau-Solo-Debüt auf Eis & Licht und nicht auf NolteX, bzw. wie gefällt Dir die deutlich "leichtere" Ausrichtung dieses Projektes?

Warum Franks Veröffentlichung ausgerechnet dort erscheint ist mir auch nicht klar, aber evtl. liegt es am gemeinsamen Wohnort. Ansonsten sind unsere Geschmäcker und Einflüsse zu verschieden, als das ich seine Arbeit objektiv einschätzen könnte - was ja auch letztlich keine Rolle spielt: dafür ist es ja sein Solo-Projekt und hat mit ORPLID überhaupt nichts zu tun.

Ich habe gelesen, daß Du auch an einigen Kinderbüchern mitgearbeitet hast - hast Du eigentlich selbst Kinder bzw. den Wunsch danach?

Wenn ich ein Kind mag, dann das in mir und heutzutage ist es doch so, daß man zumeist genau dieses "innere Kind" dann opfern muß, wenn man leibliche Kinder bekommt. Die zwangsläufige Verantwortung zwingt in das Hamsterrad der Alltagsmühle. An und für sich finde ich aber Kinder reiz- und sinnvoll!

Mit einer starken, eigenständigen und Freiheit gewährenden Frau, könnte ich mir das durchaus vorstellen. Diesbezügliche Bewerbungen (bitte mit Bild & Angabe des Kontostandes) nehme ich deshalb gerne entgegen. Zwar wurde in den letzten Jahren öfter ein Kinderwunsch aus weiblichen Verehrerkreisen an mich heran getragen, aber die menschliche Substanzlosigkeit dieser Techtelmechtel veranlaßte mich nicht meiner Erstfrau, der Kunst, untreu zu werden - ihr allein gehört meine vollkommenste Liebe. Sie fordert und inspiriert mich - und gebärt unsterbliche Kinder: Lieder, Gedichte, Bilder...

Hast Du derzeit musikalische Favoriten im populär-musikalischen Bereich und was sind Deine 5 wichtigsten musikalischen Werke für die Ewigkeit?

Es ist natürlich schwer "Geschmack" mit einer Reihenfolge zu belegen, aber ich versuche es mal:

Aktuell:
1. Holy Martyr "Hail to Hellas"
2. Joan Baez, diverse Lieder
3. Battleroar "Battleroar"
4. Immortal "Blizzard Beasts"
5. Manowar "Into glory ride"

Allgemein:
1. Manowar "Hail to England"
2. Neil Young "Decade"
3. Fire & Ice "Hollow ways"
4. Led Zeppelin, diverse Lieder
5. Slayer "Reign in blood"

Eventuell bietet sich an dieser Stelle die Erwähnung einer Anekdote an; Ich ließ testamentarisch festlegen, daß zu meiner Beerdigung "Battle Hymns" von MANOWAR erklingt. Nie hatte ein Lied eine stärkere Wirkung auf mich. Es ist sicherlich mit der ersten großen Liebe vergleichbar: man vergißt sie nie. Das sind Klänge wie ich sie schätze: heroisch, hymnisch, kämpferisch und lyrisch. Auch mit BARDITUS verfolgen wir - nur mit anderen Stilmitteln - diese Linie. Von MANOWAR selbst mag man halten was man will; bei einem Bäcker interessiert mich ja auch nicht, welchen Bildungsgrad er hat, solange seine Produkte mir schmecken.

Siehst Du Dich als Bestandteil der Neofolkszene, bzw. hörst Du privat diese Musik?

Ich hatte mit der Stigmatisierung zum "Neufolker" schon immer meine Probleme. Gerne unterstütze ich künstlerische Gefährten wie Andreas R. oder Mario A. oder arbeite mit Ian R. zusammen, der für unsere Hermann Hesse-Liedersammlung bei uns zu Gast ist, aber ansonsten bietet diese Musiksparte zu wenige sprachliche Nuancen, ja überhaupt künstlerischen Inhalt. Dieser Mangel soll dann oft mit einer provokativen Symbolik wett gemacht werden.

Von da ab ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum dümmlichen "Provo-Rock" Marke "Neue Deutsche Härte" oder dem üblichen "Casting-Müll", der von Plastik-Menschen für Plastik-Menschen produziert wird. Also kann man nicht unbedingt von einer kulturellen Bereicherung sprechen, was das Wirken dieser "elitären Musiksparte" anbelangt. 2-3mal "Europa" oder andere ausgelutschte nonkonforme Reizwörter ins Mikro flüstern, rettet das in jeder Hinsicht mittelmaßgebeutelte Abendland gewiß nicht vorm kulturellen Niedergang.

Außer Forseti oder Fire & Ice höre ich kaum Musik die der Sparte "Neofolk" entspricht. Ansonsten mag ich aber auch Folk- und Liedermachermusik, so z.B. Gerhard Schöne, "Karl Stülpner", diverse Wandervogelvereine, Ougenweide, einige Titel von Loreena Mäck-Dingsbums und seit einigen Monaten höre ich mit Vorliebe Joan Baez, jedoch nicht den politischen, sozial engagierten Kram, sondern ihre altenglischen Weisen.

nach oben



BARDITUS & metalius.de 2005

Das Orplid zu den wichtigsten und zweifelsohne besten deutschen Neofolk- Formationen gehört, ist in der Szene hinlänglich bekannt. Das Uwe Nolte,
einer der beiden Köpfe Orplids, zudem einer der kreativsten Protagonisten ist, belegt er erneut mit seinem Projekt BARDITUS und deren Debüt, der MiniCD „Die letzten Goten“. In einem der ersten BARDITUS-Interviews überhaupt steht Uwe Nolte Rede und Antwort zu seinem neuen und seinen alten musikalischen Projekten, seinen neugegründeten NolteX-Verlag, inspirierenden Metal und manchem mehr...

BARDITUS besteht aus Andreas Arndt, mit dem Du ebenfalls schon bei Sonnen- tau zusammenarbeitest, und Dir. Was rechtfertigt die eigenständige Existenz von BARDITUS’? Gib doch bitte mal ein paar Informationen zum Konzept und grenze es zu dem von Sonnentau ab.

Nachdem ich in den letzten Jahren mehr oder weniger konsequent mein metallisches
Herz belog, brach nun wieder der Wolf durch die Maske aus schöngeistiger Zuckerwatte: BARDITUS werden immer rabiater und erdiger als die vorangegangenen Projekte sein. Dementsprechend werden die Texte inhaltlich weniger defensiv wirken sowie dargebracht werden. Mit BARDITUS bricht eine neue Ära an.

Um es mit der erhebenden Stelle aus dem Film „Herr der Ringe“ darzustellen, als König Théoden angesichts der (Welt)Katastrophe ruft: „Das Horn Helm Hammerhands soll er- schallen in der Klamm; ein allerletztes mal. Dies möge die Stunde sein, da wir gemein- sam Schwerter ziehen. Grimme Taten erwachet. Auf zu Zorn, auf zu Verderben... “.

Während die „Titanic“, das „unsinkbare Schiff“, jene monströse Ausgeburt der Moderne,
in den rächenden Fluten der allzuoft von Menschenhand gedemütigten Natur versank, spielten die Musiker im Salon unverdrossen weiter.

In ihrer Tradition stehend, wollen wir noch mal kräftig Jerichos Posaunen ertönen lassen und dann ab durch die Mitte...gen Walhalla!

Bei sämtlichen Texten handelt es sich zudem um übernommene Gedichte. Ist das auch Teil des Konzeptes oder wird es zukünftig auch BARDITUS-Texte aus Deiner Feder geben?

Ein schon oft von mir erklärtes Ziel ist es, den Hort unserer Sprache, die Dichtung, mittels des Mediums Musik freizulegen und neu zu repräsentieren. Entsprechend dieser Ziel- stellung müssen nicht immer eigene Werke vertont werden. Für mich steht übrigens
ein stimmiges Endresultat und dessen konzeptionelle Reinheit über meiner Selbstdar- stellung.

Auf der nächsten Langspielplatte allerdings werde ich den sprachlichen Mjöllnir wohl wieder zücken müssen. Schon jetzt geistern Musik- und Wortfragmente durch meine Gedankenräume und bereiten mir schlaflose Nächte. Es wird eine Traumreise durch archaische Kulturen, zurück zu Schamanen, Berserkern und Werwölfen...

Ich finde die Aufgabenverteilung bei Euch sehr interessant: Andreas ist für die gesamte Musik und Produktion zuständig (von Deinen Gast-Vocals mal abge- sehen), und Du kümmerst Dich um Konzept um optische Gestaltung. Kopf und Hände, Gedanke und Tat scheinen strikt aufgeteilt zu sein. Sind zukünftige Konflikte da nicht vorprogrammiert?

Konflikte können auch in kreative Energien umgelenkt werden. Zudem ist die Aufgaben-
teilung nicht so strikt getrennt wie beschrieben. Das Entstehen unserer Lieder ist immer ein organischer Prozeß, ein Zusammenwirken zweier Charaktere. Letztlich haben alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel; sich und die erlesene Hörerschaft mit einem qualitativ hohen Endresultat beschenken.

Äh... für die Stammbaumzeichner: ist Andreas eigentlich mit Claudia Arndt verwandt, die ja bekanntlich auf dem Orplid-Debüt Piano gespielt und gesungen hat?

Er ist ihr leiblicher Bruder. Wir veranstalten oft gemeinsame Musikabende im privaten Rahmen. Claudia spielt Piano, Andreas Cello, und ich bin dazu verdammt diesem hoch- begabten Geschwisterpaar die Notenblätter zu reichen, bevor ich ein morbides Triangel - Solo einwerfen darf. Da gehts recht lustig zu. Zum Glück gibts keine Nachbarn bei uns auf dem Lande...

Musikalisch bewegt sich „Die letzten Goten“, das erste Lebenszeichen von BARDITUS, durchaus im musikalischen Spektrum Orplids, Deiner Hauptband. Welchen Einfluss hast Du auf die musikalische Ausrichtung von BARDITUS? In einer Mail meintest Du, dass die Musik in Zukunft noch wesentlich wuchtiger werden sollte. Was genau ist damit gemeint?

Keins meiner Projekte betreibe ich vor anderen. Dem jeweilig zu realisierenden Vorhaben gilt mein Hauptaugenmerk und das ist nun mal gegenwärtig BARDITUS! Ich benenne den Inhalt und äußere meine Vorstellungen zur musikalischen Umsetzung. Später wird dies im Studio unter Einbeziehung aller Faktoren und anderer Sichtweisen in Form der entstehenden Tonkunst realisiert.

Bei unserer nächsten Veröffentlichung werden wir „noch mehr BARDITUS“ sein, noch wilder und archaischer zu Werke gehen, ohne metallische Klischees zu bedienen. Wenn Du die aktuellen ORPLID mit BARDITUS vergleichst, wirst Du meinen musikalischen Einfluß schnell raushören.

Ist ein komplettes Album eigentlich schon in Arbeit bzw. konkret angestrebt oder sind mit den fünf enthaltenen Songs Eure Archive erst mal geleert?

Unser Archiv wird nie leer sein. Versprochen! Wir arbeiten schon wieder straff organisiert an der Langzeit-VÖ. Es geht gut voran, weil die Arbeit mit Andreas große Freude bereitet. Keiner stellt sich quer und wir ergänzen einander gut.

Wo wir schon Orplid und Sonnentau angesprochen haben: was kannst Du über den aktuellen Stand der Dinge beider Gruppen verraten? Auf www.orplid.de ist die CD „Sterbender Satyr“ ja schon ewig angekündigt...

Beide Projekte werden aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr jeweils eine Veröffent- lichung hervorbringen. Was lange währt wird gut, und ich hoffe das auch in diesen beiden Fällen behaupten zu dürfen. Letztlich entscheiden die Hörer darüber.

Um die Veröffentlichung und Werbung von „Die letzten Goten“ kümmerst Du Dich selbst mit Deinem neugegründeten Noltex Verlag. Gibt es einen bestimm- ten Grund, dass nicht Prophecy bzw. Auerbach Tonträger die MiniCD heraus- bringen, so wie es auch bei Sonnentau geschehen ist? Aus verlässlichen Quellen weiß ich eigentlich, dass Martin Koller grundsätzlich an neuen Projekten seiner Künstler interessiert ist...

Ich bin mit der Arbeit der Moselweinpropheten sehr zufrieden und fühle mich mit ORPLID dort gut aufgehoben, aber mich reizt diese neue Form der Selbstverwirklichung. Zudem gedenken wir mit ihnen in vielerlei Hinsicht zu kooperieren, denn: einmal Professianer, immer Professianer!

Was war überhaupt der genaue Grund und Auslöser zur Gründung von Noltex? Glückwunsch übrigens zum wahrscheinlich coolsten Firmenlogo der gesamten Branche! Gehe ich recht in der Annahme, dass sich sämtliche Noltex-Veröffent- lichungen durch ein bestimmtes musikalisches, grafisches wie konzeptionelles Niveau auszeichnen sollen, das Logo aber stets mit Augenzwinkern daran er- innern soll, dass man sich nicht immer allzu ernstnehmen muss?

Wir haben noch so viele Raritäten und unveröffentlichte Werke auf Lager, daß wir uns zwangsläufig einen Weg zur effektiven Umsetzung suchen müssen. Nach und nach werden wir sie - mit der typischen NolteX-Handschrift versehen, was inhaltlichen, visuellen & musikalischen Anspruch betrifft - veröffentlichen. Ein weiterer Grund zur Verlagseröff- nung: Man hat als Künstler viele deprimierende Leerlaufphasen, Tage und Wochen voller Selbstzweifel, die wir nun mit der Verlagsarbeit zu füllen gedenken.

So gesehen dient auch unsere Gründung einzig und allein der Eigeninspiration. Auch
die Zusammenarbeit mit anderen Musikgruppen reizt uns sehr. Eine größere Breiten- wirkung ist somit vorstellbar. Zum Logo: möglicherweise wirkt es tatsächlich wie von Dir beschrieben etwas kühl, kann sein, aber prinzipiell verhält es sich wie immer im Bezug zur Kunst; dem einen wird’s gefallen dem anderen nicht.

Polarisierung ist nie verkehrt. Zum Ausdruck kommen sollten Identität, Zuversicht, Ent- schlossenheit, aber auch lyrische Weichheit in Form der Lilien. Ich finde die Gestalterin des Logos hat den Kern der Sache nebst meinem Querkopf gut erfaßt. Ursprünglich hatte der Entwurf – in leicht veränderter Form- einen anderen Verwendungszweck. Wer etwas auf unserer Verlagsseite recherchiert, bekommt es garantiert heraus. Es sieht wirklich lustig aus!

Ist „Die letzten Goten“ in irgendeiner Weise limitiert? Wie viele Exemplare hast Du pressen lassen?

Selbstverständlich 666 Stück!

Wann wird die MiniCD denn offiziell veröffentlicht? Wird sie im Handel oder zumindest in den gängigen Mailordern erhältlich sein?

Vorerst werden unsere Veröffentlichungen nur über www.noltex.de oder auf Konzerten erhältlich sein. Die Netzpräsenz müßte ab Mitte Januar stehen. Der Teufel Technik spielt uns immer wieder einen Streich...

Übrigens haben wir noch eine - im weitesten Sinne - bläckmetallische VÖ produziert, die wir auch im Startprogramm anbieten. Sie heißt „Schwarzer Heiland“ und ist sprachlich sowie musikalisch tödlich energiegeladen: Achtung!

Neben Deinen Neofolk-Engagements bist Du ja stets bekennender Metal-Fan geblieben, was Dir bestimmt etliche pseudoelitäre Szenegurus nicht zugetraut hätten bzw. was sicherlich oft auf Unverständnis stieß. Nachvollziehbar ist es ja auch irgendwo: das oft rebellische, brutale und testosterontriefende Gehabe vieler Metaller scheint nicht viel mit feinsinniger Lyrik, bedächtigem Akustik- gitarrengezupfe und (pseudo-)intellektueller Attitüde gemein zu haben. Wie vertragen sich die zwei Seelen in Deiner Brust?

Aus meiner Sicht stehen Energie und Leidenschaft metallischer Musik nicht im Widerspruch zu Geist, Feinsinnigkeit und Anspruch. Gerade die erfrischende Rohheit dieser Kunstart macht ja ihre spezielle Ästhetik aus. Lieder wie „Quintessence“/ Dark- throne, „Battle in the north“/Immortal oder „Open the gates“/Gorgoroth stehen auf dem Siegerpodest meiner Tinnitusolympiade ganz oben. Die ursprüngliche Kraft dieser Barbarenkunst beschenkt mich beim Hören mit Bildern. Außerdem sagen mir episch angelegte Werke sehr zu: Battleroar „Swordbrothers“, Bathorý „Hammerheart“ oder Manowar „Hail to England“ haben mich seit vielen Jahren inspiriert.

Wo wir gerade schon mal beim Thema sind: ist Dir aufgefallen, dass Euer Schriftzug enorm Ähnlichkeit mit dem Panteras hat? ;-)

Letztlich habe ich einfach eine konventionelle, leicht wieder erkennbare Schrift irgend- welchem gekünsteltem, unleserlichen Gekritzel gegenüber bevorzugt. Sie sollte sein wie unsere Musik; geradlinig, markant und wuchtig. Die von Dir angesprochene Musikgruppe kenne ich nur vom Frontbild einer früheren Veröffentlichung. Ein äußerst bewegtes Foto: eine Faust wummert in ein Gesicht. Mich hat die Dynamik und Authentizität dieses Bildes fasziniert und mir stellte sich immer die Frage, wer für mich – bei gleicher Motivwahl - Gesichtsmodell für Fotos mimen könnte. Kandidaten gab und gibt es wahrlich genug.

Ansonsten habe ich keinerlei Bezug zu Pantera, weil mir ihr Erscheinungsbild und ihre künstlerische Gesamtaussage zu schnoddrig sind. Modernes Gehopse für rollbrettfahrende Schlumperpulliträger, Zeitgeistgeschrubbe! Die singen nicht von Odin! Ergo nichts für uns; wo doch jede Note die wir spielen ein schwarzer Todespfeil ist, der alle Ungläubigen treffen soll, nicht wahr?!

nach oben



BARDITUS & metal.de 2005

Hallo Uwe, wie geht's Dir? Seit dem letzten Interview für The Dark Site hat sich einiges bei Dir getan. Lass mich das Interview mit einer Frage nach dem Noltex-Verlag anfangen. Was hat Dich dazu bewegt, diesen zu gründen und erzähl uns in ein paar Worten über die inhaltlichen Schwerpunkte.

Danke der Nachfrage; ich habe viel zu tun, also geht's mir gut. Gerade haben wir eine Liedersammlung mit Versen des Dichters J. v. Eichendorff zusammengestellt auf der Künstler von ORPLID, FORSETI, WALDTEUFEL, SONNE HAGAL, BARDITUS u.a. neben zahlreichen von uns neu entdeckten Talenten mitwirken.

Die Konzeption und Produktion dieser Titel im hauseigenen "Studio Giebichenstein" war sehr zeit- und kraftaufwendig, aber ich denke das wir mit diesem genreübergreifenden Werk vielen Menschen eine Freude bereiten und einen erneuten Beitrag zur Wiederbe- lebung traditioneller Dichtkunst liefern. Letztgenannter Aspekt war ja schon immer eines unserer Hauptanliegen. Ansonsten soll die Gründung des Verlages ermöglichen kreative Kräfte zu bündeln und entsprechend unseres kulturellen Anliegens zu kanalisieren.

Wir unterstützen, produzieren und vertreiben die Werke anderer Künstler, seien es Maler, Fotografen, Musiker, Dichter ja schon länger hinter den Kulissen. Jetzt kooperieren wir offen mit ihnen.

Du hast Dich auch einem neuen Projekt - BARDITUS gewidmet. Was unter- scheidet es von Orplid? Stell es uns bitte vor.

Prinzipiell werden wir mit BARDITUS hauptsächlich nordische Themen verarbeiten. Unter anderem haben wir gerade - zu Ehren Quorthon´s - einen Titel von BATHORÝ adaptiert. Es wird bei BARDITUS - wie es ja der Name schon sagt - immer etwas kämpferischer und derber als bei ORPLID zur Sache gehen. Im Kern besteht BARDITUS aus Andreas Arndt und mir, aber wir laden auch Gastmusiker hinzu oder gehen gar Fusionen mit anderen Musikgruppen ein; gerne auch aus dem metallischen Bereich.

Gibt es einen Hauptgedanken, den Du durch dieses Projekt vermitteln willst?

"Werde, der du bist!" oder mit Meister Goethe gesprochen:

Geh! gehorche meinen Winken,
Nutze deine jungen Tage,
Lerne zeitig klüger sein:
Auf des Glückes großer Wage
Steht die Zunge selten ein;
Du mußt steigen oder sinken,
Du mußt herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboß oder Hammer sein.

Und was waren Deine Inspirationen bei BARDITUS?

Jemand wie ich, dessen cineastischer Horizont seit Jahren nicht über "Conan, der Barbar", "Excalibur" und "Braveheart" hinausreicht, muß notgedrungen irgendwann einmal so ein Projekt wie BARDITUS angehen, um nicht als schwertschwingender Amokläufer zu enden. Aber im Ernst: mich inspirieren alle Dinge die mir begegnen, ohne das ich sie später zu benennen weiß.

Jedoch kann ich mich gut entsinnen, daß vor einem Jahr, gerade als ich den Text zur "Oskorei" schreiben wollte bei mir der Blitz einschlug, was sich natürlich sofort auf den Titel übertrug. Authentischer kann Kunst ja nun wirklich nicht sein. Dafür opfert man schon gerne seine Telefonanlage und sämtliche Elektronik den himmlischen Mächten. Was für Zeiten?! Selbst die Götter verlangen keine blutigen Opfer mehr...

Könntest Du uns bitte den Entstehungsprozess der Songs verraten?

Meistenteils ist zuerst der Text vorhanden, der Stimmung, Länge und Gesamtausdruck des Titels bestimmt. Dann äußert jeder seine Ideen. Ist der jeweilige musikalische Mitstreiter interessiert an einem gemeinsamen Endresultat, ergibt sich eine zwischen-
menschliche Chemie, die - bildhaft gesprochen - eine dritte, imaginäre Person in den Raum treten läßt, welche letztlich das Lied vollendet. Das gelingt nicht immer; nur bei Menschen die Flexibilität, Offenheit und Zielstrebigkeit in sich vereinen.

Wann und wo wird man Dein Erstlingswerk mit BARDITUS erwerben können?

Wir haben mit BARDITUS insgesamt zwei Veröffentlichungen auf den Markt gebracht. Einmal das Werk "Die letzten Goten", das ich jedem Freund von ORPLID wärmstens empfehlen kann und dann zum Zweiten das Werk "Schwarzer Heiland", was ziemlich bläckmetallisch, experimentell und draufgängerisch wirkt. Exklusiv über unsere Verlagsseite kann der Interessent fündig werden und die Veröffentlichungen erwerben.

Laut Deiner Seite ist dieses Projekt eine musikalische Reise durch die Epochen und Kulturen. Welcher Epoche fühlst Du Dich am nächsten und warum?

Wie andere Phantasten auch, würde ich mich wohl in jeder anderen Epoche heimischer fühlen, als in der jetzigen. Momentan fasziniert mich die historische Phase der Völker- wanderung, als die alten Götter noch in den Herzen der Menschen lebten. Es war eine Zeit voller Umwälzungen und Bewährungsproben, die viele große Männer hervorbrachte und Stoff für Legenden wob.

Die Gestalt des Gotenkönigs Teja und sein heroischer Untergang zogen mich in ihren Bann, was sich unbedingt in unserem aktuellen Werk niederschlug. Selbst das von uns vertonte Eichendorff-Gedicht "Klage" spielt darauf an. Der interessierte und aufmerksame Hörer wird den Zusammenhang erkennen und den stillen Aufruf zur Besinnung ver- nehmen.

Mit wem würdest Du gerne einmal eine Platte einspielen? Gibt es einen Musiker, der Dich besonders fasziniert?

Ich bin mit meinen Mitstreitern äußerst zufrieden, bzw. froh, daß sie es mit mir aushalten. Ansonsten würde ich einzig und allein mit Michail Kalaschnikow künstlerisch kooperieren, denn allein sein epochales Werk kommt der Durchschlagskraft unserer gerade neu ent- stehenden BARDITUS-Lieder gleich.

Auf "Schwarzer Heiland" hat ein Gitarrist aus der Schwarzmetallszene (Ruben Schmitt/ehem. EXORIAL) mitgewirkt. Inwiefern fühlst Du Dich selber der Black Metal Szene zugehörig?

Wenn ich eine Zugehörigkeit zum Schwarzmetall empfinde, dann bezieht sie sich gewiß nicht auf die "Szene" sondern auf die essentielle Kraft, die diese Kunstform in mir frei werden läßt. Ich verspüre darüber hinaus zu keiner existenten "Szene" irgendeine Form von Zugehörigkeit. Mich interessieren Ansammlungen uniform angezogener Menschen nicht sonderlich. Solch Herdenverhalten läßt Individualität vermissen.

Jede "Szene" hat ihre langweiligen Modevorschriften, was ich z. B. vor einiger Zeit bei einem Immortal-Konzert belustigt registrierte. Da haben mich doch tatsächlich zwei Volltrottel wegen meiner Frisur, bzw. fehlenden langen Haare angepöbelt und wollten im Suff sogar handgreiflich werden. Ich lud sie daraufhin mit freundlicher Geste zu einem klärenden Gespräch ein, ging mit ihnen raus ins Dunkle und kehrte kurz darauf wieder alleine zurück, um mir nach diesem pädagogischen Kräschkurs ein Bierchen zu gönnen.

Ich hoffe diese beiden menschlichen Kaulquappen paddeln jetzt im seichten Tümpel- schlamm der "Love-Parade" oder anderer ähnlich gearteter Veranstaltungen rum und leben ihren Drang nach glückseliger Uniformität zwischen anderen, zur Persönlichkeits- metamorphose unbefähigten Idioten aus. Dort eckt man wenigstens nicht an. BM setzt nun mal ungeahnte Energien frei. Ich liebe diese Musik!

Du verbindest die schwarzmetallischen mit den Neo Folk Elementen - was verbindet die beiden Richtungen und wo liegen die Grenzen für Dich?

Für mich sind diese Musikrichtungen durchaus themenverwandt, sowohl in ihrer Aussage als auch in ihrer Wirkung - jede auf ihre Art - rebellisch und zeitgeistkritisch. Prinzipiell existieren für mich keinerlei Barrieren, denn Kunst sollte in jeder Hinsicht grenzenlos sein und wirken können.

"Geh, unter Blitzen geborgen,
Nimm deine Götter mit dir,
Zwischen gestern und morgen
Bist du der blinde Kurier..." (Schilling)

- für diese Worte hast Du Dich auf der Künstlerübersichtseite entschieden. Warum und inwiefern identifizierst Du Dich mit ihnen?

Es ist gewissermaßen ein Lebensmotto für mich. Der Gedichtauszug stammt vom wohl größten deutschen Dichter der Gegenwart: Rolf Schilling. Seine im germanischen Geist wurzelnden Werke vertreiben wir über unseren Verlag. Ich las aus diesen Zeilen in all- täglicher Sprache ausgedrückt: Freunde dich mit deinen Abgründen an, denke zeitlos, bewahre dein Ideal auf allen Wegen, entdecke deine Wurzeln und vermittle dein Erbe!

"Mehr im Gestern als im Heute verwurzelt" - könntest Du bitte den Gedanken etwas entwickeln?

Es ist weniger ein Gedanke, schon mehr Ausdruck eines Lebensgefühls. Ich empfinde mich der heutigen Zeit nicht zugehörig. Das war schon immer so. Schon als Kind war ich beim Fasching Seeräuber, Gladiator oder Germane, trug aber keine auf einen konkreten Lebensplan im Hier und Jetzt hinweisende Kostümierung.

"..stets suchend, nur dem Traum verpflichtet" - wonach suchst Du?

Nach immer neuen künstlerischen Visionen & Herausforderungen, nach Menschen die mich inspirieren und einem bleibenden Lebenssinn.

"Ich bin Romantiker. Ja, und?" - die Romantik findet sicherlich nicht nur in Deinen künstlerischen Beiträgen ihren Ausdruck?! Wie zelebriert der Romantiker seinen "Alltag"?

Ich vermeide weitestgehend den Kontakt mit der Alltagswelt und konzentriere mich nur auf meine offiziellen (und heimlichen) Musikprojekte, übe zur Zeit schamanischen Ober- tongesang, mache Kraft- und Kampfsportübungen, halte meine Energien für Wesentliches beieinander, fern von Wein, Weib & Gesang. Nur aller paar Monate, nach Beendigung einer Veröffentlichung, lasse ich diesbezüglich mal etwas die Zügel lockerer. Dann lockt
die Wilde Jagd...

Ansonsten kann ich den ganzen Tag auf einer Wiese liegen und den ziehenden Wolken hinterher träumen, ohne das Gefühl zu haben etwas zu versäumen.

"Der Künstler bleibt letztlich ein Kind, ungenormt und vogelfrei!" - fühlst Du Dich so? Und was ist mit dem Erwachsenteil an Dir?

Natürlich fühle ich mich so, sonst hätte ich diese Umschreibung meiner Person auch
nicht zugelassen. Es wird für mich immer das Vernünftigste sein unvernünftig zu leben, emotional statt rational zu denken. Erwachsen sein heißt für mich, sich aussuchen zu können wer man ist in dieser Welt. In meinem Fall eben Kind & Künstler. Eine alleinig auf Sicherheit orientierte bürgerliche "Erwachsenen-Lebensweise" versperrt den Zugang zur eigenen Traumwelt.

Uwe, mich würde Deine Kunstdefinition interessieren.

Kunst ist kosmisches Licht, gebrochen durch das Prisma der Seele, reflektiert durch Ver- stand und festgehalten mit den Händen oder kurz gesagt; die Sprache der Natur mit menschlichen Möglichkeiten ausgedrückt.

Nach einer näheren Auseinandersetzung mit Deinem Schaffen, würde ich mich trauen zu behaupten, Dein Leben=gelebter Traum. Würdest Du mir zustimmen, oder wie würdest Du selbst Dein Leben "betiteln"?

Aus meiner Sicht führe ich ein völlig normales Leben, das auch keiner besonderen
Namensgebung bedarf; ich verwirkliche mich - wie jeder andere Mensch auch - innerhalb des Rahmens meiner Talente und selbstdefinierten Möglichkeiten.

Du strebst künstlerische Verwirklichung nicht nur als Musiker und Dichter, sondern auch als Maler, Fotograf, Schauspieler & Veranstalter an. Gibt es eine Eigenschaft, die alle diese Kunstformen in Deiner Umsetzung gemeinsam haben?

Eine Gemeinsamkeit gibts: es sind alles nur kleine Schritte auf dem weiteren Wege zur Vervollkommnung.

"Wenn man alles von sich gibt, ist man irgendwann leer" - hast Du keine
Angst vor dieser "Leere", oder stimmst Du dem Satz überhaupt nicht zu?

Ich habe jeden Morgen das Gefühl leer zu sein und bin demnach bestrebt jeden Tag mit persönlicher Essenz anzufüllen. Ob dieses Verlangen nun in einem Waldgang, Gedicht, Lied oder Bild Ausdruck findet ist völlig gleich. Insofern kann ich dem Satz nicht zu- stimmen, denn innere Leere ist - neben dem eigenen Willen - ein sehr wichtiger kreativer Spannungspol für mich.

Kurz zu der aktuellen Weltgeschehnissen - Der Papst und sein Tod -
Deine Meinung dazu?

Ein nach meinem Verständnis existierender Gott bedarf keines irdischen Stellvertreters. Insofern war der Papst in meinen Augen mehr ein Direktor, Präsident oder Politiker, sprich ein Werkzeug der Macht und des Geldes. Der große Zuspruch den dieses Medienspektakel erntete ist in meinen Augen ein bedenkliches Indiz für ein Mangel an Eigen-Spiritualität innerhalb der europäischen Bevölkerung.

Zum Glück habe ich keinen Fernseher, um dieses massenpsychotische, "den sterbenden Menschen" geradezu entwürdigende Lemminggerangel visuell ertragen zu müssen. Jedoch war ich von der offiziellen Formulierung bezüglich seines nahenden Todes fasziniert; "Der Papst sieht und berührt bereits den Herrn." Innerhalb der seelenlosen Konsumsprache unserer kunterbunten, aber letztlich farblosen Medienwelt, war dieses ziemlich antiquiert klingende Glaubensbekenntnis wie eine grünende Insel in einem ölverseuchten Meer.

Wirklich; Großes Kino! Der Tod Harald Juhnkes dagegen fand kaum ein würdiges Echo hierzulande. Wobei er doch bis zum letzten Atemzug ein wunderbar nonkonformer Geselle war. Solche Menschen mit Kanten & Ecken gibt's in der sterilen Arena deutscher Unterhaltungskultur leider viel zu wenig.

Oder was beschäftigt Dich momentan weltpolitisch betrachtet am meisten? Oder vielleicht interessiert Dich Politik überhaupt nicht?

Meine Welt besteht nach antikem Denkmuster aus Feuer, Wasser, Erde und Luft; alles andere ist vergänglicher Trug. Die Weltpolitik der letzten zwei Jahrhunderte ist meisten- teils eine eigentlich leicht zu durchschauende und äußerst stillos dargebotene Macht- komödie in drei Akten: Verhetzung - Verdummung - Versklavung. Warten wir ab wenn
der Vorhang fällt und es Glut und Schwefel regnet.

Die Vorzeichen der Apokalypse zeigen sich ja bereits überall. Mich kann es ja nicht stören, denn ich habe mit BARDITUS noch mal das Schwert gezückt und mir somit einen gemüt- lichen Barhocker in Walhalla reserviert. Betört von blonden Frauen und süßem Met, treffe ich dort sicherlich auf Quorthon und werde das Glas erheben, um mit ihm das ganze weltliche Affentheater verlachen.

Ob ich dort mit einem Politiker anstoßen würde, wage ich zu bezweifeln, zumal Leute dieses Menschenschlages ohnehin keinen Zugang zur Goldenen Halle bekommen! Damit dürfte zu meinem Verhältnis zur Politik auch alles gesagt sein...

Da viele Deine Person vor allem mit Orplid verbinden, könntest Du uns verraten, was man in Zukunft hier erwarten kann?

Wir sind soweit mit der Platte durch! "Sterbender Satyr" ist ein sehr sphärisches, ein- gängiges und lyrisches Werk. Die VÖ wird spätestens im Sommer in Kooperation mit Prophecy Productions erscheinen, worauf wir uns sehr freuen! Allerdings suchen wir aber noch eine geeignete Sängerin für zwei Lieder. Falls also eine stimmbegabte Dame Interesse haben sollte bei uns mitzuwirken, dann kann sie sich bei mir melden. Nur
Mut! Uns ist an einer längerfristigen Zusammenarbeit gelegen.

Und Deine Zukunftspläne im Generellen?

Wir feilen gerade an dem BARDITUS-Album "Midgards Wölfe kehren heim", was sehr urig und brachial werden wird. Ansonsten habe ich keinerlei Pläne. Ich lebe und denke nur von Album zu Album. Sollte ich irgendwann keine Lust mehr auf Musik haben, dann werde ich nur noch schriftstellerisch tätig sein.

Welchen Titel hättest Du gern für dieses Interview?

Necronolticon; ein Buch mit sieben Siegeln

Deine letzten Worte an unsere Leser, Deine Fans?

"Fans"? Das klingt als wäre ich ein "Rockstar"! Mit solchen Klischees habe ich nichts am Hut. Ich freue mich unseren Hörern in nächster Zeit einige Überraschungen anbieten zu können und möchte mich für Ihre jahrelange Treue bedanken.

Uwe, ich danke Dir für Deine Zeit und Deine Antworten und wünsche Dir, dass Deine Suche und Reise nie enden und Du immer neue Früchte in der Kunst findest!

nach oben



BARDITUS & schwarzmetall.ch 2005

Grüß dich Uwe! Da ich davon ausgehe, daß die meisten Leser zwar Orplid
aber Barditus noch nicht kennen, würde ich dich bitten die Vorgeschichte
von selbigem zu erläutern. Was hat dich dazu bewegt dieses Projekt ins
Auge zufassen und wer wirkt mit dir?

Nachdem wir wahrlich lange genug melancholische & vergeistigte Pfade in Sachen Musik beschritten haben und unsere metallische Herkunft verleugneten, werden wir mit BAR- DITUS - wie der eigentliche Ursprung des Wortes schon besagt - wieder Kunst kämpf- erischen Charakters präsentieren. BARDITUS betreiben Andreas Arndt als Musiker und Produzent, diverse Gäste und ich.

Für uns gilt es die Energie und Rohheit des Schwarzmetalls, mit dichterischem Geist und den Werten klassischer Musik zu verbinden. Als besondere Überraschung für uns und die Hörer adaptieren wir auf unserer gegenwärtig entstehenden Veröffentlichung "Midgards Wölfe kehren heim" einen Bathory-Titel. Es soll ein bescheidener Dank an Quorthon sein, dessen Werk große inspirierende Wirkung auf uns hatte.

Schön, daß du Bathory ansprichst. Welches von Quorthons Werken begeistert dich denn am stärksten?

Sein Album "Hammerheart" bereitete mir in früher Jugend schlaflose Nächte. Es ver- mittelte ein wunderbar heroisches Gefühl und bestärkte mich auf der Suche nach dem eigenen Ursprung. Nun wollen wir mit der Vertonung eines seiner Titel sein Erbe be- wahren, indem wir die spirituelle Fackel an andere Menschen weiter reichen.

Du bist allgemein recht umtriebig, neben Barditus auch noch bei Orplid, Rück- grat und Sonnentau zugange. Wie bringst du diese Projekte unter einen Hut und was treibt dich voran?

Es ist eine Frage der Sichtweise: nur oberflächlich betrachtet unterscheiden sich diese verschiedenen Projekte. Im Kern kommen immer kulturelle Identität und menschliche Energie zum Tragen und insofern ist es nicht sonderlich anstrengend oder widersprüchlich, alle Projekte konzeptionell durchzusetzen.

Was treibt mich an? Kurz gesagt: der Drang meinem Leben einen Sinn zu geben und anderen Menschen helfen ihren eigenen für sich zu entdecken. Letztlich möchte ich aber einmal wie "Euer" H.R. Giger, befreit vom Dämon der Unzufriedenheit in einer selbst- gebauten Kindereisenbahn tagein und tagaus durch meinen Garten mit der köstlich ballernden Panzerdivision Marduk um die Wette fahren.

Gibt es etwas Neues von besagten Gruppen zu berichten?

Es wird an allen schöpferischen Fronten gefochten: Neues Material von ORPLID und BARDITUS sowie eine Liedersammlung zu Ehren Eichendorffs werden demnächst erscheinen. Neben allen eigenen Projekten werden auch FORSETI, SONNE HAGAL, WALDTEUFEL, NOREEA uva. mitwirken.

Bei den beiden Barditus Veröffentlichungen "Schwarzer Heiland" und "Die letzten Goten" fühlt man den ureigenen Archetypus berührt. Gerade bei "Oskorei" stellt sich dieses Gefühl bei mir ein. Doch zunächst, was für Konzepte liegen diesen Werken zugrunde und aus welchen Inspirations- quellen schöpfst du?

Genau darum geht es mir: Ein heimlicher Dialog von Archetyp zu Archetyp sozusagen! Das unter der Zivilisationskruste schlummernde Wilde, ein vergeblich von den Einflüssen "moderner Lebensweise" zu domestizierender Instinkt soll angesprochen werden. Meine Inspirationsquellen sind längst nicht mehr menschlicher Natur. Dazu fehlen mir die nötigen Idole. Ich habe keine mehr. Sturm, Blitz und Nacht sind meine Lehrmeister.

Man möge mir es nachsehen...auf "Schwarzer Heiland" befindet sich ein Lied mit dem Namen "Oskorei". Nun ist die Wilde Jagd ein Thema das mich per- sönlich antreibt und fesselt. Sind dir die Bücher Höfflers und Kershaws zu diesem Thema ein Begriff? Und welche Beziehung hast du selber zu dieser Thematik?

Ich lese in den letzten Jahren kaum Bücher. Die beiden angesprochenen Autoren sagen mir nichts. Nur vom persönlichen Erleben her empfange ich inspirierende Bilder; just in jenem Augenblick als ich die Feder zum Schreiben des Textes ansetzen wollte, schlug vor meinem Haus der Blitz ein. Da es mir nicht vergönnt war durch diesen flammenden Himmelsboten - von jeglichem irdischen Rollenspiel befreit - heimgeholt zu werden, deutete ich diesen göttlichen Wink als eine Aufforderung zum Lebenskampf:

"Jetzt ist die Stunde reif, folge dem Ruf,
Folge der Schöpfungskraft, die dich erschuf,
Sei jetzt ein Mann, sei entschlossen und frei,
Folge den Stimmen; Rüste dich zur Oskorei!"

Ansonsten verbinde ich sehr viele archaische Impressionen mit den Geschichten um die Wilde Jagd, zumal sie ein fester Bestandteil meiner eigenen Traumwelt ist. Sie verkörpert für mich absolute Freiheit und Ekstase, ist eine Bewußtseinsebene "jenseits von Gut und Böse", die ich in atavistischen Momenten oft betrete.

Joseph von Eichendorff ist ein neues Projekt von dir gewidmet und auch auf "Die letzten Goten" spielt er eine gewisse Rolle. Was verbindet dich mit diesem Dichter und der Epoche der Romantik im Allgemeinen?

Sein Werk "Mondnacht" war es, welches mir den Himmel der Dichtung öffnete. Außerdem wird im Frühling in Halle das "Eichendorff-Jahr" eröffnet. Da erscheint es mir als Bewohner der Saalemetropole geradezu eine Pflicht zu sein, mit Freunden unserem beliebtesten Romantiker ein musikalisches Denkmal zu setzen.

Warum die Romantiker? Jeder nach Bestimmung und eigener Tiefe suchende, sich in der gegenwärtigen Welt fremd fühlende Mensch, wird wohl bei ihrem Werk anfangen einen Ausweg aus dem Drangsal sozialer Seelenlosigkeit zu suchen, den die konsumorientierte, fast industriell zu nennende heutige Menschenhaltung mit sich bringt. Schließlich waren die Romantiker es, die den immer größer werdenden Riß zwischen Kultur und Natur zuerst registrierten, deutlich darstellten und mit der Schaffung einer geistigen Gegenwelt sich selbst und ihren Anhängern ein Refugium schufen. Genau das wollen wir auch mit unseren Projekten. Daher mancher bei uns wahrnehmbare romantische Bezug.

Wo wir gerade beim Thema sind...In dem Lied "Klage" von Eichendorff klingt die ganze Verdrossenheit an und das Hoffen auf eine neue Zeit. Parallelen zum hier und jetzt gibt es sicherlich einige. Wie beurteilst du unsere heutige Zeit und siehst du in ihr Perspektiven?

"Von Gott verlassen, zerstreut" wie in dem Lied angesprochen, sind heute unsere lieben Mitmenschen sicherlich wohl noch viel mehr als zu Eichendorffs Zeit. Das Überangebot an Medien, ihre schrille Farbigkeit bei mangelnder Informationsessenz und die suggerierte Freiheit der Wohlstandsmatrix erschweren die Suche nach einer eigenen - spirituell verwurzelten - Identität. Es ist recht bequem in einem Goldenen Käfig zu leben. Wer
sich doch zur Suche ermannt, der versickert oft im Sumpf zahlloser Subkulturen.

Es kommt zu keinem Austausch, keinem Miteinander was gesellschaftliche Veränderungen - auch in persönlicher Hinsicht - betrifft. Insofern besteht derzeit ein akuter Mangel an einer gebündelten Kraft kreativer Geistern, die befähigt wäre kulturelle Perspektiven zu schaffen. Letztlich spielt aber eine Perspektive - aus meiner Sicht - ohnehin keine Rolle. Sie ist ein dürrer Hoffnungsstrohhalm. Solange noch irgendwo ein Menhir steht, die Jahreszeiten kommen und gehen und Erinnerungen an essentiellere Epochen wach sind, sollte man aus ganzem Herzen leben und sich selbst eine Perspektive jenseits vorgeschriebener Gesellschaftsnormen schaffen; individuell, stark und frei sein.

Dieser Weg steht nach wie vor jedem offen! Von kulturpessimistischem Gewinsel halte ich nicht viel. Ein auf vollbetoniertem Parkplatz wachsendes Grasbüschel hinterfragt auch nicht irgendeine Perspektive; es treibt seine Wurzeln in die Tiefe und reckt sich dem Licht entgegen. Es lebt seinen Daseinssinn ohne stetes, nur dem modernen, von Langeweile geplagten Menschen eigenes Hinterfragen!

Was die globale Perspektive der Menschheit allgemein anbelangt möchte ich anmerken, daß unsere Spezies - wie jedes andere Bakterium auch - Naturgesetzen unterliegt. Gerade jetzt wo wir doch alle - fröhlich feiernd - an dem prickelnden Experiment "Leben ohne Ozon im kulturellen Nirwana" teilnehmen, gilt der alte Hippie-Spruch: Wir brauchen die Natur, aber sie nicht uns!

Du sprichst oben Altmeister Quorthon an, Barditus enthält Schwarzmetall - Elemente und aus mehreren Interviews wird deutlich, dass du dieser Musik nicht gerade abgeneigt bist. Wie bist du mit Black Metal in Kontakt gekommen und was bedeutet diese Musik für dich?

Gleiches gesellt sich zu Gleichem; das ist ein Urgesetz, welches man nicht kontrollieren kann. Gerne würden wir innerhalb unseres Verlages mit - engagierten, menschlich korrekten - heidnischen Musikgruppen dieses Genres kooperieren, das Texten übernehmen, singen usw. usf.! Der mich infizierende Virus hieß "Throne of Ahaz" (Nifelheim). Nun leide ich mit Wonnen schon fast 10 Jahre an der Schwarzmetallpest.

Was mir diese Kunstform bedeutet: Leidenschaft, Aufbegehren, Inspiration, Rebellion, Totalität...

Allerdings hat es mich schon immer maßlos wütend gemacht, daß die Kraft schwarz- metallischer Kunst sich meist nur ungenügend in ihren Texten widerspiegelt. Ein- zweimal "Odin" krächzen in kaum erkennbarem Zusammenhang mit einigen anderen geistlos hingekotzten Reizwörtern reicht gewiß nicht aus, um dem Gott der Dichtkunst würdig zu begegnen. Er verlangt schon andere Opfer als permanenten Halsschmerz und dümmliches Metgesaufe, bei schwachbrüstigem Plastikschwertgepose.

Was für Musik beeinflusst dich denn sonst noch und siehst du dich selbst als Teil der Neofolk Szene?

Das traditionelle Liedgut der Wandervögel sagt mir sehr zu, ansonsten fehlt mir jeglicher Bezug zu zeitgenössischer Musik. Ob man zu einer Szene gehört oder nicht, beurteilen ohnehin immer Außenstehende. Mir ist jegliche Zugehörigkeit gleichgültig.

Orplid ist eine sagenhafte Insel. Was bedeutet euch diese Insel?

Es handelt sich ja bei Orplid bekanntermaßen um keine Insel im geografischen Sinne, sondern um ein imaginäres Eiland, entworfen von dem deutschen Dichter Eduard Mörike. Orplid verkörpert für uns in Stichworten: Rückzug, Harmonie, Ursprung, Heimkehr, Paradies...


In deinen Werken spürt man oftmals eine Hingezogenheit zur germanischen Mythologie. Inwieweit beeinflußt dich diese als Mensch. In Form des Entdeckens von Archetypen oder gar in gelebtem Glauben?

Ich bin in jeder Hinsicht konfessionslos, doch verbindet mich meine Herkunft zwangsläufig mit der Vorstellungswelt unserer Vorväter. Schon als Kind zog sie mich magisch in ihren Bann. Durch Zufall fiel mir zu DDR-Zeiten ein Buch über den germanischen Götterkreis in die Hände. Diese Thematik unterlag damals weitestgehend einem Tabu und es gab kaum Literatur darüber. Instinktiv wußte ich aber, ohne mich jemals zuvor in dieser Hinsicht belesen zu haben, daß ich ein Bewohner dieses einheimischen Mythenreiches bin.

Plötzlich waren Indianergeschichten, die Märchen aus 1001er Nacht und die Sagen um
die Gestalten der antiken Welt nur noch zweitrangig. Jetzt, mit etwas mehr Wissen und Lebensweisheit gesegnet, differenziere ich kaum noch und könnte problemlos im Vers einen Bogen von Loki, über Prometheus zu Luzifer schlagen, ohne an germanischer Essenz zu verlieren. In ihrem innersten Kern sind die Mythen der verschiedenen Kulturen ohnehin nahezu kongruent. Sie künden stets vom ewigen Kreislauf von Opfer, Erleuchtung, Auferstehung und Wiederkehr.

Okkultes Runengesäusel und teutonische Überlegenheits-Kraftmeierei vermittelten nicht effektiv zwischen dem Heute und der lebensfrohen, erhaltenswerten Geisteshaltung unserer Altvorderen, die ausschließlich menschliche Größe und die Akzeptanz anderer Religionen repräsentiert und - aus meiner Sicht - besagt: "Jeder sei für sich stark!"

Im Lichttaufe-Forum war vor einiger Zeit das Thema Humor im Neofolk ein Thema, welches ich mit Interesse verfolgt habe. Wie wichtig ist Humor für dich und denkst du, dass er einen Platz in solch "ernsthaften" Szenen wie dem BM und Neofolk haben sollte?

Der Volksmund sagt: "Lachen ist Medizin"! Allerdings kann es selbst dem humorvollsten Gesellen angesichts der billig inszenierten Ernsthaftigkeit einiger Szeneäffchen schon vergehen. Mich öden langweilige Klischeefratzen an. Gesichter inspirieren mich, keine Masken!

Die Welt dreht sich immer schneller, was gestern neu ist heute schon hoffnungslos veraltet. Gibt es deiner Meinung nach einen gesunden "Konservatismus" der sich gegen den kurzlebigen Zeitgeist wenden könnte?

Das muß jeder für sich selbst entscheiden. Wer sich und seine Wurzeln entdecken will, der kann und sollte dies tun. Ansonsten möchte ich an dieser Stelle keine Weltverbesserer- formeln propagieren, sonst hätte ich ja Sozialpädagogik studieren müssen, was aber seit Abschaffung der Prügelstrafe ein recht nervenaufreibendes und undankbares Fach sein dürfte.

Du bist neben deiner musikalischen Tätigkeit noch künstlerisch aktiv. Stell doch wenn du magst deine Tätigkeit als Maler vor (Projekte etc.).

Es stimmt; ich male, fotografiere und betätige mich auch auf anderen künstlerischen Ebenen. Wer sich wirklich für weitere Details interessiert, kann sich gern und ausführlich unter www.noltex.de informieren.

Gibt es bestimmte Maler bzw. Autoren, welche dein Denken und Handeln beeinflussen?

Die Werke der Präraffaeliten, der Symbolisten allgemein beeinflußten mich vor einiger Zeit sehr. Jetzt weniger. Als mich beeindruckende Autoren muß ich unbedingt Uwe Lammla und Rolf Schilling erwähnen. Beide Männer tragen das Erbe Nietzsches, Georges und Jüngers in unsere Zeit. Sie sind die derzeit größten Geister im deutschsprachigen Raum. Um die Verbreitung ihrer Werke zu fördern, bieten wir innerhalb unseres Verlages ihre Bücher an.

Zu folgenden Themen wüßte ich gerne deine Meinung:

Freundschaft: Sich gegenseitig stärken, vorwärts bringen, künstlerisch befruchten, Kritik üben.

Drogen: Um sein Bewußtsein zu erweitern, sollte man erst mal ein (Selbst)Bewußtsein entdecken und entwickeln; ansonsten sind Drogen nur eine neue Form natürlicher Selektion.

Ernst Jünger: Ein zu eigener Metamorphose und Reflektion befähigter, verehrenswerter Mann. Unbeugsam, weise und inspirierend!

Darkthrone: Vorzüglich musizierende Teufelsbraten: ihr Lied "Quintessence" ist eine Hymne an die dunkelsten Instinkte. Ich liebe es!

Magie: Lebt, strebt und webt in allen Dingen.

Vielen Dank für deine Antworten und alles Gute! Die letzten Worte gehören dir.

Ich grüße alle Leser in der Schweiz: Vor einigen Jahren verbrachte ich eine längere Zeit wandernd und lesend in St.Gallen und weiß daher, daß über die Klasse der frühen Celtic Frost-Alben hinaus, auch andere großartige Kunst der Schweiz entstammt. Zahlreiche Männer lieferten ihren Beitrag zur Bereicherung deutschsprachiger Dichtkunst. So zum Beispiel Gottfried Keller, dessen Gedicht "Winternacht" mich sehr bewegt. Wir möchten innerhalb unseres Verlages auch in ihrem Sinne wirken, ihr künstlerisches Vermächtnis bewahren und weitergeben.

nach oben



BARDITUS & Heathen Harvest 2005

At what age did you first become interested in music as a form of artistic expression?

At the tender age of 10, when I heard the nihilistic stomping immolation that is Slayer's “Reign In Blood” and my innocent soul was consumed whilst I lost my belief in the normal God of mortals, I sought healing and refuge in communal singing: I joined a Christian children's choir. Alas, it was too late: alia iacta est! However, from this very experience,
a love for chorus, pathos, and religious expression through music has remained an important legacy.

Did you grow up in a household where music and the arts were encouraged?

No, my background lies solidly in the humble beginnings of a working-class family. How- ever, my mother explained to me that her grandmother, of maiden name LUTHER, was descended from the great German Reformer. Thus were a number of mental seeds planted, roots which would later grow.

What influences in your childhood do you think helped direct you towards being an artist?

Now, I don't necessarily consider myself an artist. I have simply remained a child, and many things continue to influence me today, just as they did years ago. I daydream fondly of my garden pool, observe the animals and plants, living in their own habitat and tempo, without wagering and losing time, or energy, in a prescribed and stiffly regulated societal role. I am, so to speak, a typical ‘woodsman,' in the Jünger tradition.

Can you explain how growing up in a country formerly divided by communist and western control influenced your development, politics and artistic ex- pression?

Despite having spent my childhood under a communist regime, I hesitate to say that I perceived any great or lasting influence. We live as children, and marvel at the brave, wide world with astounded and fascinated eyes. Some things, especially that, never change. I am not interested in political structures of influences; I relate more closely to the furthest star than to a politician, even when that politician deigns to relieve himself in a public toilet next to me.

Do you seek inspiration in natural or wild environments?

I often spend my nights under a clear sky, and feel the absence of time and stress as I gaze upon the stars while dreaming of the glory of ages past. In stormy times, when hail and lightning ride the skies, do I come to my finest ideas. A magical place, all too ge- nerous in spurring me on to greater inspiration, is Hiddensee, a small Island in the Ost- see, where long ago the heathen corsairs hid themselves and buried golden treasures torn from others' hands.

In the footsteps of their tradition, I, in turn, hide myself from the world's glare and spend many days each year, alone and withdrawn. However, in contradiction to their plans, I turn the earth upwards, digging, searching for the spiritual, abstract treasures of lyrical text and music. The next BARDITUS album, “Midgards Wölfe kehren heim,” will emerge there.

Your artistic expression spans a number of artistic fields. Can you explain the various fields of artistic endeavor you have undertaken? You are an estab- lished writer, painter, photographer, actor, and musician. Which of these forms of artistic expression is the most important to you and why?

For me, an immersion in the Red Sea, a wandering walk through the forest, or a wild row bring with them the same results as those garnered by writing a poem. Such things are invaluable, small journeys into a buried archaic empire, free from the confines of this world's rules. I cannot say how much this or that thing may have been more important than the other, because EVERYTHING I recall has a particular, unique worth. After all is said and done, one experiences everything but once throughout the course of one's far-too-short Earthly vacation. Every moment is irreplaceable, and in every breath lies hidden the pure magic of Being. Gaining this consciousness improves your life – and eventual death!

What drew you to explore each of the above mention forms of artistic expression?

I would like to give my other life a purpose, by helping other people to discover their roots or to tread the path of finding themselves, the search for their spiritual roots.

How does your interest in acting manifest? Are you interested in stage acting or film?

Earlier, I was interested in Film and Drama. Today, no longer. This modern society is enough of a stage for me, even if it lies shortly before its collapse.

What themes do you pursue when painting and taking photographs?

Above all, I am fascinated by the myths which have grown up in and around this place, although I do not limit myself to the Germanic imaginative tradition. As a free human being, every one of us should possess an indemic yet simultaneously cosmopolitan per- spective on existence, which allows for inspiration through the influences of many a cultural circle without ever once denying the validity of one's own roots.

Do you feel as if your success as a musician has eclipsed your other artistic endeavors?

Success does not interest me, at least not in the sense in which it is generally under- stood. Money, fame? Poison for the soul. I am privately overjoyed with every release, and for me, success lies in having provided every day with a purpose. By the way, I do not see myself as a musician, but rather as the spiritual force which drives the NolteX turbines; I am a wolf in an ever-expanding pack.

Can you name some of the artists, writers, painters, and musicians that have impacted your own creativity?

Among poets and authors, Friedrich Hölderlin, all of the German Romanticists, Hermann Hesse, Friedrich Nietzsche, Ernst Jünger, Gottfried Benn, and Rolf Schilling have left an impression on me. As far as painters are concerned, the pre-Raphaelites and the other Symbolists – including, but not limited to, Franz von Stuck, Gustave Moreau, and Jean Delville.

You participate in the musical project Orplid. Can you discuss how Orplid was formed?

At that point, we had simply had enough of the harder music, and wanted to realize
our vision through another form of intensity and artistic expression. ORPLID began as
a musical project, founded in the summer of 1996, aimed at heading in an increasingly experimental and meditative direction from the starting point provided by the original creative process' more acoustic material. The name, ORPLID, is drawn from the German Romanticist poet Eduard Mörike's “Gesang Weylas.”

The poem describes a paradise beyond the sea, a pure and unsullied world where
the searching soul finds its home. ORPLID's corpus should offer our listeners a refuge constructed of Lyricism, Beauty, and Song.

What was the original vision for the band and how has it changed since the bands inception?

We wanted to make music that came from the heart, which is exactly where our music should affect our listener. We wanted to create an art that nurtures identity, while guaranteeing our native tongue the respect and loyalty she deserves – for ourselves,
and for those who come afterward. Those were our initial intentions, and, praise be to Odin, nothing has changed.

The music of Orplid is a combination of neoclassical and neofolk influences. What drew you to work within this genre?

I consider myself a chance passerby in these particular music scenes. It is probably the demands imposed upon the music by the seriousness of my linguistic illustrations which have caused the music to find form in these stylistic parameters. I cannot say for sure, and do not place particular importance on saying, to which particular musical direction I belong.

Did you have previous musical experience before joining Orplid?

Earlier, I participated in a number of musical projects: OVERLORD, SCARDANELLI, RÜCK- GRAT, and others. For us, it was never loud, shrill, or brutal enough. Today, I find myself bored by extremes. I have experienced them in every context, on every path, and am now concerned with describing phenomena in essence, rather than with creating emotional outlying zones.

The music of Orplid tends to revolve around themes of nature mysticism, mythology, and folklore. What is your interest in these fields of thought and study?

I have neither official collegiate qualifications, nor an extraordinary educational back- ground. Everything comes to me through the wellspring of pure intuition. When I find myself surrounded by a peaceful moment, the clouds, wind, and sun whisper to me, elves dance around me, and the strains of old Pan's flute drift into my consciousness. There exists, for me, no concrete borderline between Fantasy and Reality. Nothing “real” inspires me; however, I can certainly imagine that one year ago, as I went to write the lyrics for “Oskorei,” lightning struck my home.

This, naturally, immediately manifested itself in the song's title. Art can hardly be more authentic (you can even hear the thunderclap on the recording!)!

My complete communication system was disabled, but for such godly signs one is, of course, more than willing to sacrifice his telephone and electric appliances to the Gods. Such sad times! Even the old Gods expect bloody sacrifices no longer.

When composing music do you tend to begin with the lyrical content or do you start with the music?

This question relates well to the ancient question of the chicken and the egg. Most of the time, the lyrics are available to determine the mood, length, and overarching statement of the piece at hand. Then, everyone offers his ideas to the collective.

If that musical blacksmith is interested in a cohesive and inclusive end result, an inter- personal chemistry springs to life, which – to put it imaginatively – allows a third, imagin- ary partner to enter the room, who brings the song's development to a close. Of course, this doesn't work all the time; only among people who share the qualities Flexibility, Openness, and Dedication.

Can you explain how the music project Barditus began and who the current members are?

After I, in the last several years, more or less, with partial success had deceived my metallic heart, the wolf tore once again through the flimsy, filmy mask of lyrical sens- itivity covering my output like a shield of cotton candy: BARDITUS will always be more brutal, more earthy than its predecessors. As a result of this, the lyrics' content will always represent a lack of defensiveness, as is also apparent in their delivery. With BARDITUS, a new era is dawning.

To portray it in relation to the glorious scene in the film “Lord of the Rings,” where King Théoden responds to the worldwide catastrophe by crying, “The horn of Helm Hammerhand will sound in the Deep; one last time. May this be the hour where we draw our swords together. Grim deeds are afoot. Onward to rage, onward to rot!”

While the “Titanic,” the “unsinkable ship,” that monstrous miscarriage of modernity, sank into the vengeful flood of Nature, raped all-too-often by human misdeed, the musicians filled the silence of decline with the unperturbed notes they'd been taught to play.

In their tradition, we want once again to give voice to Jericho's horns and then plunge into the breach – toward Valhalla ! For this reason, Andreas Arndt is exactly the right friend and creative partner. He has traveled throughout the world, as a mendicant carpenter and musician. Also in the USA. He often tells me of the Hopi People, of their rites and traditions. With such a man at one's side, all battles can be won!

The first Barditus album is in the vein of “Dark Metal” whilst the second album is in the vein of “Epic Folk / Neoclassical.” How is it that a band can have such a varying sound album to album?

As humans, we have many faces and live through many phases; why would anyone prevent these changes from being expressed in his art?

The metal music projects you have participated in are drastically different from the music you create with Orplid. Do you find it difficult or challenging to spread yourself between such differing projects?

For me, only the intensity of a work counts – not the style! As a result, there exist for me no differences between the manifold projects in which I have participated! From my perspective, the energy and obsession of metallic music represent no contradiction to Soul, Refinement, and Aesthetics. In fact, it's that selfsame, refreshing rawness of this artistic style that determines its special aesthetic.

Songs like “Quintessence,” / “Darkthrone,” “Battle in the North” / “Immortal,” or “Open the Gates” / “Gorgoroth” stand atop the victor's column of my own personal tinnitus Olympics. The original power of this barbaric art showers me with gifts, gifts of images. Additionally, epically-realized works speak volumes to me: Battleroar's “Sword Brothers,” Bathory's “Hammerheart,” or Manowar's “Hail to England ” have inspired me for many years.

The latest offering from Barditus titled “Die Letzten Goten” was based upon a historical battle between the Ostrogoths and the Byzantium Eastern Roman Empire. What drew your interest to this conflict?

“The victory was mine, but he earned the laurel!” Narses is supposed to have said, as the “last of the Goths” bore away their fallen King, the Black Teja, on a pallet of spears.

This is one of those rarest of opportunities, those windows into the past, where an un- avoidable tragedy banishes all traces of enmity, and ill-will is shattered on the granite of human greatness. Man oversteps the boundaries of his existence's shadows, overcomes himself, and becomes the light of reason, smithed from his own light and his own legend. Such men, able to overcome themselves, their epoch, and societal norms, have fascinated me forever.

What aspects of recent and ancient history interest you the most?

Alongside many others, I too would feel more at home in another era than I do in our own. At present, the historical phase of cultural migration is my bread and mead – when the Old Gods still sprung eternal in the human heart. It was a time of paradigm shifts, where mettle was tested and those who passed became the innumerable great men of whose cloth legends are woven.

Do you find that the themes you focus upon in your music also appear in the other art forms you pursue?

The statements are certainly consistent, as I, regardless of context, remain but a medium of the same, overarching spirit.

Your music and art seem to be fairly Eurocentric. Can you discuss your interest in exploring Eurocentric themes?

Since I was born here, it makes sense for me to have roots extending throughout the local spiritual earth. However, my thoughts and feelings do not limit themselves, geo- graphically speaking, to Europe . The man of antiquity stood at the apex of his world- view. As a result, I feel a greater connection to culturally-connected Indians, Aborigines, or the bounty hunters of the South Seas than to your average mindless, consumption- obsessed European.

You recently launched the website Noltex. Can you discuss the intent of the website and what purpose you see it fulfilling?

We wish to provide a collecting basin for aware, creative people who refuse to submit to the mandates of contemporary standards and instead concentrate on bringing their own, historically-developed “I” to artistic expression.

You often collaborate with other artists across a broad array of mediums. Is collaboration an important element of your artistic process?

We like to work with other people, and do so often, since it has such an inspiring effect. Collectivity strengthens. What is a wolf, without his pack?

Do you find it difficult to balance your personal life with the vast array of artistic pursuits you are involved in?

Whoever chooses to divide his life into Public- and Private-sectors has no life of his own. Man has but one life, and the experience of living it should reflect that, in that nobody try to be or to represent anything other than what he or she may be.

Orplid has been accused in the past of being right wing extremists. How do you handle such accusations made against yourself and Orplid?

I have gotten that impression, peripherally. However, I am categorically unable to understand this absolute nonsense, for I have absolutely nothing against anybody or anything on this Earth. Everybody should live his or her life according to his or her own principles! It is a point of fact that one who brings art into the light of day exposes him- or herself, as when one lies naked on the beach.

The pests, the beach flies arrive by the dozens, and crawl about on the exposed, warm bottom. If you swat, shake yourself, or curse, there won't be any fewer. The only thing that helps is a stoic state of mind, because gadflies are never still and, after all, have to live too!

Do you ever use your art or music to reflect or promote political ideas?

My world is composed of the four elements which made up antiquity: Fire, Water, Earth, and Air. Everything else is a temporary, petty distraction. World politics, in the last two centuries, has generally been a comedy of power plays, easily dissected and poorly stylized in its three acts: Exhortation, Stupification, and Enslavement.

Let us wait for the curtain to fall along with the fire and brimstone. The harbingers of the apocalypse are visible, everywhere. It doesn't bother me, since I have once again, with BARDITUS, drawn my sword and secured a place in Odin's Hall. Bemused by blonde women and sweet, sweet mead, there shall I certainly meet Quorthon of BATHORÝ, will raise my horn to happily celebrate and scorn the ridiculous sideshow of politics, power, and fame together.

Do you ever attempt to communicate spiritual or mystical ideas through your music or art?

“Become, what you are!” could be the motto for my art. Otherwise, I inhabit without a doubt a world apart from religion, though my origins connect me, inseparably, to the imaginative world of our ancestors. When I was a child, that world drew me inexorably under its influence. Coincidentally, a book about the Germanic pantheon fell into my hands during the GDR period. This topic was subjected at that point to the most extreme taboos, and almost no literature existed to discuss it. However, I knew instinctively, without ever having read into the material, that I was an inhabitant of this indigenous, mythical kingdom.

Suddenly, the stories of the First Nations, the tales of the 1001 Arabian Nights, and the sagas of the figures who inhabited the world of antiquity became the second priority. Now, though, blessed with more knowledge and wisdom, I hardly differentiate at all and could, within a single verse and without a single problem, run the gamut from Loki through Prometheus, all the way to Lucifer, without losing that Germanic essence.

At their core, the myths of the various cultures are nearly congruent anyway. They tell
of sacrifice, enlightenment, rebirth, and return. The occult's casting of the bones and Teutonic superiority posturing do not effectively allow for communication between today and the life-affirming, preservation-worthy spiritual convictions of our forefathers, who exclusively represent human worthiness and the acceptance of other religions, and –in my opinion- say, “let every one be strong for themselves!”

What kind of activities do you like to pursue when not creating art and music?

I dedicate the majority of my time to strength training and martial arts, and to long walks in the woods or in the meadows, with my raven-black dog.

Do you have an established belief system or spiritual belief system that you partake in?

When people ask about my religion, I always allow Friedrich Schiller to answer for me:

Which religion I accept?

- None of those which you suggest –

And why, then, none?

- I'm religious! -

I noticed on the Noltex website that you breathe fire. What is your interest in fire breathing and are you skilled in other unusual forms of art / entertainment such as piercing, acrobatics etc.?

The spirit of the fire, in its inherent contradiction, which dwells in its simultaneously destructive and creative aspects, have had since my childhood an absolutely fascinating effect on me. Even then did I dedicate hours to making bombs, Bengal fire, and Silver Rain. Fire-breathing, however, I came across more randomly. Otherwise, I have no interest for the world of the Big Top, which has lost the exotic and mysterious luster it may have had ahundred years ago.

You also appear to be in very good physical shape and health. Do exercise and diet play a prominent role in your life?

You know what they say (and they never lie!): “A healthy body, a healthy spirit.” I steer both aspects of my Self with great discipline. If I am less creative on a particular day, then I'll go be active. When the Muses kiss me, so do I neglect my physicality. That ensures for a healthy amount of variety and spiritual activity. Otherwise, it would be very difficult, to find a new inspiration every day.

Your upper body appears to be heavily tattooed. Can you discuss the personal significance of these tattoos and their individual personal meanings?

The runes for masculinity and the joy of life decorate my torso, and also naturally my totem: the wolf.

Are you a family man or Bachelor?

I have emptied the chalice of female beauty, likely of the last of its drops! Now, my mother is the only woman whom I grant my trust and respect. Otherwise, I am married to my art. She is inexplicably beautiful, loyal, continuously inspiring, and wonderfully fertile; the children we have will live on forever.

What can we expect from Orplid, Barditus and you in the future?

A wonderful BARDITUS release (“Midgards Wölfe kehren heim“) is on the anvil, as we speak. The next ORPLID (“Sterbender Satyr”) and SONNENTAU productions are in the cards. Otherwise, we plan to release an ORPLID collection, entitled “Frühe Werke” (Early Works) which will offer a cross-cut selection representative of our primordial develop- mental phase, such as several pieces from the rare album “Heimkehr.” Much of this will be available on our website, http://www.noltex.de . Aside from that, I will be taking part in a marathon, something which holds as much importance for me as even my art…we must arise to all the new challenges life brings us!

Lastly is there anything you would like to share with the Heathen Harvest audience before parting?

I am excited to learn, in the context of this interview, that there are also spiritually aware, awake people in the United States, who wish to greet Europe 's heart in this way.

nach oben



BARDITUS & lichttaufe.de 2004

Uwe, die meisten Leser werden die bekannte Gruppe Orplid mit Deinem Namen in Verbindung bringen. Neben Deiner Arbeit für Orplid, so weiß ich, arbeitest Du momentan an zahlreichen weiteren Projekten. Kläre die Lichttaufe-Leser und mich doch bitte auf, um was es sich dabei genau handelt.

Wir haben innerhalb unseres Verlages einige ältere Projekte ausgearbeitet, neu produ-
ziert, aber auch neue musikalische Konzepte entworfen. Drei dieser Vorhaben sind nun
bei uns im Startprogramm zu ergattern. Den Rest werden wir nach und nach veröffent- lichen. Auch gesuchte Raritäten sind darunter. Auf unserer Verlagsseite werden wir alles rechtzeitig anzeigen.

Was erwartet den Hörer bei der Veröffentlichung "Die letzten Goten"? Wie kam es zur Gründung von Barditus, konntest Du Dein kreatives Potential bei Orplid nicht mehr genügend ausschöpfen oder ist das gar das Ende Deiner Mitarbeit bei Orplid?

Das Leben ist ein fortwährendes Abenteuer. Jeder Tag bietet neue Herausforderungen. Egal ob man an ihnen scheitert oder sie meistert, es endet mit dem gleichen Resultat; man bildet seinen Charakter und vervollkommnet seine Weltsicht. Als Künstler hat man ohnehin immer das Gefühl am Anfang einer Reise zu sein. Mit unserem Projekt BARDITUS „Die letzten Goten“ läuten wir eine neue Schaffensphase ein. Episch, brachial und schnör- kellos wird es wohl prinzipiell immer zur Sache gehen.

Eine wirklich spannende Angelegenheit für uns und unsere Hörer. Zumal wir auch mit BARDITUS (& DONNERKEIL) eine, sagen wir mal metallische Platte namens „Schwarzer Heiland“ aufgenommen und produziert haben. Ein Ende von ORPLID? Bei uns ist in diesem Jahr mit einer sphärisch/lyrischen Veröffentlichung bei Prophecy zu rechnen. Gerade eben habe ich eine bezaubernde, am Wochenende von mir erhaschte, sehr markant wirkende Dame telefonisch konsultiert, die für die VÖ „Sterbender Satyr“ Modell stehen soll. Wenn sie wüßte, daß sie eine böse Hexe mimen soll, würde sie mich bestimmt schon vorher mit einem Bann belegen. Wenn sie es nicht schon längst getan hat, dieses flachsblonde Teufelsweib...

Wann und wo wird man Dein Erstlingswerk mit Barditus erwerben können?

Erstmals werden wir mit einigen unserer Veröffentlichungen auf dem Sylvesterkonzert
in Jena zugegen sein. Später dann, wenn endlich unsere Netzpräsenz fertig ist, kann
man unsere Produkte natürlich problemlos über www.noltex.de erwerben.

Wie kamst Du zur Gründung von Noltex? Warum hast Du Dein erstes eigenes Werk nicht bei Eislicht veröffentlicht, denn immerhin erschien einst die erste Scheibe von Orplid auch bei Eislicht und war damals sogar Impulsgeber zur Gründung dieses Labels.

Es erschien uns weitaus effektiver den Strom eigener Kreativität, in selbst bestimmbare Bahnen zu lenken. Das ist spannend und inspirierend zugleich!

Warum veröffentlichst Du jetzt, viele Jahre später, die Demoaufnahmen von Rückgrat. Was genau erwartet den interessierten Hörer - etwas für Fans von Orplid?

Nennen wir es schlichtweg Nostalgie! Wer Freude an Sprache und Intensität hat, kann hier getrost zuschlagen. Ob das Material nun unbedingt etwas für Freunde von ORPLID ist, vermag ich nicht zu sagen, da ich da zu subjektiv urteilen würde. Einige verborgene künstlerische Parallelen sind wohl zwangsläufig vorhanden, wenn auch nur dem auf- geschlossenen Hörer zugänglich.

Als wir uns vor nun mehr 6 Jahren erstmals trafen, begann ich gerade erst, mich für Neofolk und die Szene dahinter zu interessieren. Du hattest mir da ja ein paar Jahre voraus. Warum hast Du es bis heute so gehalten, Dich nicht zu tief in die Szene selbst zu verstricken. Aus unseren regelmäßigen Telefonaten hörte ich immer heraus, daß Du oft gar nicht so genau wußtest, was aktuell innerhalb der Szene vor sich ging. Warum diese Distanziertheit? Wie stehst
Du zur Szene heute, wie zur Entwicklung der vergangenen Jahre, die Du mit- bekommen hast?

Ich lebe innerhalb meines autarken Weltbildes und bekomme manche Dinge nur am Rande mit. Entwicklungen außerhalb meines persönlichen Sichtkreises nehme ich somit überhaupt nicht wahr. Dahinter steckt keine tiefere Absicht.

Würde es Orplid und Barditus auch ohne Bands wie Fire + Ice, Death in June und dergleichen geben?

Sicherlich schon: ich sah mich nie als „Neu-Folker“! Aber ich muß ehrlich gestehen, daß
die Musik von Fire & Ice, bzw. die wehmütig stolze Aura die sie ausstrahlt mich sehr an- gezogen hat. Meine ersten dichterischen Versuche schrieb ich übrigens auf das Silben- taktmaß der Lieder von der VÖ „Hollow ways“ („Der Merseburger Rabe“=„Lord of se- crets“). Damals wußte ich als Prototyp eines Autodidakten - der ich ja nun mal bin -
nichts von Metrik oder anderen sprachlichen Regeln. Es war eine wunderbare Zeit
des eigenen Entdeckens. Mein Lieblingsstück war „Old grey widowmaker“...

Was hältst Du davon, sich mit Repliken zu schmücken, die sehr an die Zeit
des Zweiten Weltkrieges erinnern, und mit diesen auch noch auf Konzert -
und Tanzveranstaltungen zu gehen. Für mich ergibt sich da immer unwill- kürlich der Eindruck, hier spazieren junge Menschen mit den Leichentüchern ihrer Großväter herum und fühlen sich großartig dabei. Käme so was für Dich
in Frage oder bist Du vielleicht ein geheimer Uniformfetischist?

Mir ist so etwas zwar völlig fremd, aber wenn es jemanden nützt sich über spezielle Kleidung darzustellen oder seinen Platz innerhalb der Gesellschaft zu definieren, ist das prinzipiell sicherlich für denjenigen in Ordnung. Auf diese Art fängt ja jeder Individualist
an seinen eigenen Weg zu gehen. Er grenzt sich durch Kleidung von der sogenannten „Masse“ ab, bekennt sich zu einer imaginären Szene usw. usf.; nur ab einem gewissen Alter wirkt es eben albern. Von mir aus können die von Dir angesprochenen Gesellen
auch einen löchrigen Stahlhelm als Nachttopf benutzen, solange sie im Eifer ihres glor- reichen Militärfaschings den gewöhnlichen Umgang mit einem Scheuerlappen nicht ver- lernt haben. Denn das wäre doch etwas unästhetisch, nicht wahr?

Weihnachten 2003 ludst Du, gemeinsam mit Stephan Pockrandt von Eislicht, Ian Read von Fire and Ice nach Halle in die „Palette“. Welches Resumé ziehst Du heute, ein Jahr später, vom damaligen Konzertabend?

Meine jetzigen Gedanken zu diesem Abend: ach, hätte ich doch der schwarzhaarigen Burzumnickihexe voller Entrüstung das anstößige Wäscheteil vom Leib gerissen. Mein Gewissen wäre reiner und die nun schon einjährig währende Neugierde gestillt. Aber letztlich im Ernst: Es war ein wundervoller Abend, dessen Stimmung mich dermaßen begeisterte, daß ich mich spontan zu einer kleinen Bühnenimprovisation hinreißen ließ. Manchmal erschien es als ob eine einzige Familie sich im Saal befand. Momente voller Kraft und Magie. Herrn Reads kurze Ansprache hat mich sehr bewegt. Das war mehr
als „nur“ Musik. Vergessen werde ich diesen Abend nie.

Was uns ja nicht ganz verborgen blieb, war die Tatsache, daß die üblichen Probleme, die schon fast zur Routine im Vorfeld von Neofolk Konzerten
gehören, auch Euch nicht verschonte. Später ein ganzes Konzert sogar komplett ausfiel. Warum begeben sich die Kritiker auf diese derart un-
sachliche Ebene, warum agieren sie überwiegend anonym?

Ich mag ungenormte Menschen und kann gut verstehen, daß Jugendliche ihrem Ärger - ob nun berechtigt oder unberechtigt - freien Lauf lassen. Das ist doch absolut in Ordnung. Sich über solche un-sozialen Verhaltensweisen aufzuregen, wäre genauso als würde man bei einem Gewitter ohne Regenschirm auf die Straße gehen, und sich hinterher kleinlich beschweren naß geworden zu sein. Unser Kulturhimmel ist nun mal gegenwärtig von Wolken verhangen; nirgends Musik und Sprache mit Tiefgang! ...und wenn man dann
mit einem ästhetischen Anspruch an die Öffentlichkeit tritt, setzt man sich eben der kindischen Laune zeitgeistiger Witterung aus, dann hagelts eben ein wenig Kritik...
Das ist nicht schlimm. Darüber wütend zu sein, wäre vulgär.

Wie bist Du mit den Problemen umgegangen, was kannst Du anderen empfehlen, sollten Sie in solch eine Situation geraten?

Ich habe in der von Dir angesprochenen Phase lautstark Bläck Metall gehört und eimer- weise Kaffee konsumiert, so wie ich es eben immer mache und auch weiterhin tun werde. Was kann ich empfehlen? Da gibt es kein Rezept. Wie immer im Leben gilt auch hier die Formel; “Außer Dir kann niemand Deinen Weg gehen.“. Ich für meinen Teil habe die negativen Energien in Kreativität umgewandelt.

Das erste Mal kamen wir 6 Jahren während einer kleinen, privaten Sonn- wendfeier im Thüringer Wald ins Gespräch. Du sagtest mir mal, dieses kleine Zusammentreffen wurde für Dich zum Impuls für viele neue Prozesse. Was genau hat sich seit dem für Dich geändert, welchen Einfluß hatte dieses erhabene Gefühl am Feuer, fern von Pathos, Met oder Gruppenbesäufnis
auf Dein gesamtes Empfinden? In welchem Kontext sind hier Lieder wie
das Questenlied oder „Die letzten Goten“ zu betrachten?

Unvergeßlich wird mir diese wahrhaft heilige Nacht im Thüringer Wald bleiben! Der schweigende Fackelträgerzug im Tanz der Schneekristalle, das meterhohe Lodern
des Feuers, die schwarze Tannenphalanx vor nächtlichem Himmel; sehr ergreifend
und feierlich war das. Erstmalig wurde ich mit dem Liedgut der Wandervögel vertraut gemacht und begegnete zwangsläufig eben jenem Stück, das vom Tod des Schwarzen Teja, dem Gotenkönig handelt. Doch schon damals empfand ich die Interpretation dieses Themas zu „klampfendurig“ und minimalistisch; einfach lasch. Die menschliche Größe
und Tragik dieser Geschichte bedurfte einer passenderen musikalischen Umsetzung...

Ich kann mich noch zu gut erinnern, daß, als mein Handy während der Teestunde klingelte, die allgemeine Runde sehr die Nase rümpfte. Wie
stehst Du zu einem derartigen Ausschließen moderner Kommunikations-
mittel?

Naja, den Nobelpreis für Sensibilität hattest Du sicherlich nicht verdient, als im feier- lichsten Moment Dein Funktelefon trällerte, aber ich fand es irgendwie schon wieder lustig, weil sich einige der ewiggestrigen Oberförster klischeegerecht aufbliesen. Ich
finde Dogmatiker langweilig. Zur modernen Kommunikationstechnik. Hier gilt wie überall; „Die Dosis machts!“.

Deine spontanen Gedanken zu folgenden Stichworten:

- Gothic:
Treffen in Leipzig: immer wieder ein willkommener Anlaß um sich Momente der Zerstreuung zu gönnen.

- Forseti: ist ein Folkprojekt aus Jena, dem ich gerne textlichen Beistand biete.

- Black Metal: ist Krieg, habe ich neulich auf einer Lederjacke gelesen. Wie man - in diesem konkreten Fall - als bierbäuchiges Metallstachelschwein allerdings erfolgreich im Krieg funktionieren soll, erschien mir rätselhaft. Als Straßensperre? Was aber, wenn ein Kettenfahrzeug kommt?

- Flammenzauber: Eine fast familiäre Veranstaltungsreihe, die ich gerne besuche.
Schon die Nähe zum mythengesättigten Kyffhäuser macht eine Reise lohnenswert.
Viele Erinnerungen verbinden mich mit diesem Ort. Zumal ich in meiner frühen Jugend
ein bezauberndes Mädel in Heldrungen hatte. Jetzt befürchte ich mit einjähriger Regelmäßigkeit, daß mir dort das damals graziöse, kaum zähmbare Seepferdchen
als bürgerlicher Rollmops entgegen kullert.

Du verfügst über ein scheinbar unerschöpfliches kreatives Potential. Nenn
mir den Quell Deiner Inspiration.

Den Quell meiner Inspiration vermag ich nicht zu benennen. Jedoch weiß ich, daß er
mir durch Wachsamkeit, Selbstkritik und Verzicht immer zugänglich bleiben wird.

Du bist Texter und Grafiker von Orplid, Sonnentau sowie Sänger und Texter von Barditus, Betreiber von NolteX, Autor von diversen Kinderbüchern und zahlreichen Gedichten, Fotograf und Grafiker, stößt Du nicht langsam an
Deine Grenzen? Leidet hier nicht Dein Privatleben?

Schon wer sein Leben in Dienst –oder Privatleben unterteilt, hat im Grunde genommen kein Eigenleben. Man hat -so altklug das auch klingen mag- nur ein Leben, und das sollte man in seiner Essenz auskosten, indem man nichts darzustellen versucht, außer sich selbst.

Welche Pläne hast Du für die kommenden Jahre?

Eine wunderbare BARDITUS Veröffentlichung ist bereits im Entstehen. Die nächste ORPLID und SONNENTAU Produktion steht Anfang des Jahres ins Haus. Ein Buch über
die Sagen des Harzes ist in Vorbereitung. Ausstellungen, Auftritte sind geplant...etc. etc. Vieles wird man unserer Verlagsseite entnehmen können.

Die berühmten letzten Worte.

Lernen, lernen, nochmals lernen!

nach oben