Nun werden reif

Nun werden reif
Die roten Beeren,
Denen du Freund
Von früh her bist,
Nach ihnen greif,
Sie zu verzehren,
Eh Rost sie bräunt
Und Schnecke frißt.

Leg ab den Stab,
Erst wenn die Hülle
Von selbst sich sprengt,
Fließt Blut im Nu,
Die Erde gab
Der Frucht die Fülle,
Der Himmel schenkt
Den Glanz dazu.

Wie ist es leicht,
Hier einzukehren,
Wo auch der Fink
Mit Lust verweilt,
Der dich umstreicht,
Und nicht verheeren
Soll Erz-Geblink
Die Hand, die heilt.

Gebeugt ins Grün
Bist du der Pflücker
Der Fülle, die
Der Sommer beut,
Fast ohne Mühn,
Kein Sichelzücker,
Was lind gedieh,
Sei sanft verstreut.

So trachte du,
Das Glück zu mehren
Aus grünem Hort,
Aus rotem Born,
Die deinen Schuh
Mit Samt beschweren,
Du trägst sie fort
In deinem Horn.

Von Sonne mild,
Geschwellt vom Regen,
Lädt dich die Schar
Zum Mahl im Glast,
Wo Fruchtfleisch quillt,
Strömt Himmels Segen,
Gibt Pan sich dar
Dem Clan, der praßt.

Nun mag der Hirt
Den Widder scheren,
Der Weiser fällt,
Die Lilie welkt,
Dir Blüher wird
Sich nichts verwehren,
Hast du als Held
Im Blut geschwelgt.

Ob sich das Tier,
Das weiße, wende,
Ziehn, bar der Zucht,
Die Schweifer heim?
Was bot der Gier
Dein Mund zur Spende,
Die Schatten-Frucht?
Den Sonnen-Seim?

Nun werden reif
Die roten Beeren,
Aus Holders Ruh
Lockt Shivas Tanz,
Wie Aar und Greif
Den Himmel sehren,
So trachte du
Nach seinem Glanz.

Rolf Schilling

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Einhorn-Gesang VI