100 Wolkenschäfchen (Uwe Nolte)

100 weiche Wolkenschäfchen
Trabten hin, vor Ewigkeiten,
An dem Hange eines Berges
Über saftig grüne Weiden.

100 weiche Wolkenschäfchen
Hörten laute Stimmen nahen,
Als erschreckt sie talwärts blickten,
Viele Menschen sie dort sahen.

100 weiche Wolkenschäfchen
Angsterfüllt hinunter schielten,
Weil die Leute in den Händen
Blitzeblanke Scheren hielten.

100 weiche Wolkenschäfchen
Ahnten was die Diebe wollten
Und warum, sie wie im Fieber,
Gierig mit den Augen rollten.

100 weiche Wolkenschäfchen
Blökten, wie aus tausend Kehlen:
Niemand darf, mit keckem Finger,
Unsre Wollgewänder stehlen!“

100 weiche Wolkenschäfchen
Sprangen über Berg und Klüfte,
Flohen vor den scharfen Scheren
In die himmelblauen Lüfte.

100 weiche Wolkenschäfchen
Sieht man noch in Sommertagen,
Wenn sie mit den milden Winden
Über Himmelswiesen jagen.

100 weiche Wolkenschäfchen
Fürchten weder Schimpf, noch Scheren
Und nur die Erwachsnen glauben
Das am Himmel Wolken wären!

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