Die Bummel-Hummel (Uwe Nolte)

Eine Hummel, dick und eitel,
Lief mit stolz geschwellter Brust
Und mit streng gekämmten Scheitel
Durch die Lande im August.
In dem Pelz mit gelben Streifen
Wirkte sie sehr damenhaft,
Ihre Hüfte tarnten Schleifen
Auf der frohen Wanderschaft.

Sie, die schönste aller Hummeln,
Keinen halben Daumen groß,
Wollte diesen Tag verbummeln,
Vogelfrei und sorgenlos.
Pfeifend ging sie über Wiesen,
Kullerte von Berg zu Tal,
Wollte faulenzend genießen
Jeden warmen Sonnenstrahl.

Und sie kletterte am Halme
Einer Blume hoch geschwind,
Die wie eine Kokospalme
Raschelte im Sommerwind.
Oben, auf der weichen Blüte,
Sie ein Ruheplätzchen fand,
Wippte träumend, etwas müde,
Auf des Blütenkelches Rand.

Blinzelnd sah sie rings die Bienen,
Die sich mühten, naß vom Schweiß,
Närrisch sie ihr nur erschienen,
Sie verlachte ihren Fleiß.
Frech sie eine Biene neckte,
Dann stibitzte sie ihr gar
Ihren Nektar, den sie schleckte,
Emsig, wie sie sonst nie war.

"Dieser Saft", die Biene summte,
"Ist nicht deiner, den du nippst!"
Doch die Hummel nur noch brummte,
Sie war scheinbar schon beschwipst.
Alle Farben wurden bunter
Desto gieriger sie trank,
Plötzlich wurde wahr ein Wunder;
Sie hielt sich für groß und schlank!

Jede ihrer Wangen glühte,
Einer Pfirsichfrucht sie glich.
Torkelnd stand sie auf der Blüte,
Sagte kühn und feierlich;
"Ach, das ist ja alles Schummel,
Was ich mit den Augen seh,
Ich bin wahrlich keine Hummel,
Sondern eine Märchenfee!"

"Abbradabbra" laut sie lallte,
Dann fuhr sie noch lauter fort;
"Cadablabla", mächtig hallte
Durch die Welt ihr Zauberwort.
Und sie lallte ohne Ende,
Sehr geheimnisvoll sie tat,
Schwang umher die kleinen Hände,
Wirbelnd wie ein Mühlenrad.

Sie den Mond vom Schlaf erweckte,
Nacht und Sterne sie beschwor,
Weit sie ihre Arme streckte
Und das Gleichgewicht verlor.
Plumps-Pardauz! zur Erde nieder
Fiel sie, einem Steine gleich,
Jedes ihrer zarten Glieder
Schmerzte und war butterweich.

Kleinlaut, ängstlich, ganz beklommen,
Von dem großen Schrecken krank,
Flüsterte sie noch benommen
Von dem süßen Nektartrank;
"Ja, was sollte auch der Fummel
Mit der üblen Zauberei,
Ich bin lieber eine Hummel,
Sorgenlos und vogelfrei!"

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