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Merseburg |
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Geschichte |
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Zum ersten Mal wurde Merseburg als "Mersiburc civitas" im Hersfelder Zehntverzeichnis um 850/860 erwähnt. Schon in der Steinzeit diente der Hügel mit seinem steilen Ufer zur Saale hin als Befestigung und Schutzburg. Die Burg lag im frühen Mittelalter an der Grenze zum Slawengebiet und diente als Sicherung gegen Überfälle. Viele Legenden und Sagen entstanden an diesem geschichtsträchtigen Ort, von dem eine große inspirierende Kraft ausgeht. Von dort aus zog Heinrich I. in die Schlacht gegen die Hunnen und legte damit den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich Deutscher Nation. |
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Heinrich hatte die Tochter des Merseburger Grafen Erwin geheiratet, so daß der Ort in die Herrschaft des sächsischen Herrschaftshauses gelangte. Er verstärkte die Befestigungs- anlagen auf dem Burgberg und ließ nach seinem Sieg gegen die Ungarn bei Riade den Speisesaal mit Fresken ausschmücken. Zugleich siedelte er als Verstärkung die soge- nannte Merseburger Schar, die aus Freigelassenen bestand, bei der Burg an. Im Jahr 955 gelobte sein Sohn König Otto I., nachdem er in der Schlacht auf dem Lechfeld die Ungarn endgültig geschlagen hatte, ein Bistum zu schaffen. Daraufhin wurde von ihm und auf Betreiben der Synode von Ravenna 968 das Bistum Merseburg gegründet. |
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Merseburger Dom |
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Der Grundstein für den ersten Bau einer Kathedrale des Bistums Merseburg wurde 1015 durch den Bischof Thietmar von Merseburg (Thietmar von Walbeck) gelegt. Die erste Weihe fand 1021 statt. Nach zwei Einsturzunglücken und nach dem Wiederaufbau erfolgte 1042 eine zweite Weihe. Anschließend wurde der Vierungsturm errichtet. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist der Merseburger Dom durch seine von Friedrich Ladegast im Jahr 1855 erneuerte Domorgel. Mit ihren 5687 Pfeifen gilt sie als eine der größten und klangschönsten romantischen Orgeln Mitteldeutschlands. |
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Inspiration |
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Der mythischen Vielfalt dieser Region haben wir schon mehrfach unseren musikalischen Tribut gezollt. Unter anderem wurde von uns die Sage vom Merseburger Raben textlich neu interpretiert und mit Orplid vertont.
Berühmt ist Merseburg hauptsächlich für die in der Bibliothek des Domkapitels im Jahre 1841 aufgefundenen Zaubersprüche, die sich auf einer theologischen Handschrift des 9./10. Jahrhunderts befanden. Den ersten der beiden einzigen Schriftzeugnisse ger- manischer Herkunft vertonten wir mit Barditus (Die letzten Goten). |
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Merseburger Zaubersprüche |
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Die Bedeutung dieser Zaubersprüche in althochdeutscher Sprache für die deutsche Literaturgeschichte würdigte Jakob Grimm bei einem Vortrag an der Königlichen Akademie der Wissenschaften 1842 in Berlin mit den Worten: "Gelegen zwischen Leipzig, Halle, Jena ist die reichhaltige Bibliothek des Domcapitels zu Merseburg von Gelehrten oft besucht und genutzt worden. Alle sind an einem Codex vorübergegangen, der ihnen, falls sie ihn näher zur Hand nahmen, nur bekannte kirchliche Stücke zu gewähren schien, jetzt aber, nach seinem ganzen Inhalt gewürdigt, ein Kleinod bilden wird, welchem die be- rühmtesten Bibliotheken nichts an die Seite zu setzen haben." |
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Merseburger Zaubersprüche (vergrößern)
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Erster Merseburger Zauberspruch |
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Eiris sâzun idisi, sâzun hêra duoder. suma hapt heptidun, suma heri lezidun, suma clûbôdun umbi cuoniouuidi: insprinc haptbandum, inuar uîgandun!
Übersetzung ins heutige Deutsch:
Einst setzten sich Idisen, setzten sich hierher... Manche hefteten Haft, manche hemmten das Heer. Einige zerrten an den Fesseln. Entspring den Haftbanden, entfahr den Feinden! |
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Zweiter Merseburger Zauberspruch |
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Phol ende Uuôdan uuorun zi holza. Dû uuart demo Balderes uolon sîn uuoz birenkit. thû biguol en Sinthgunt, Sunna era suister, thû biguol en Frîia, Uolla era suister; thû biguol en Uuôdan sô hê uuola conda: sôse bênrenkî, sôse bluotrenkî, sôse lidirenkî: bên zi bêna, bluot zi bluoda, lid zi geliden, sôse gelimida sin!
Übersetzung ins heutige Deutsch:
Phol und Wodan ritten ins Holz. Da ward dem Fohlen Balders der Fuß verrenkt. Da besprach ihn Sinthgunt (und) Sunna, ihre Schwester. Da besprach ihn Frija (und) Volla, ihre Schwester. Da besprach ihn Wodan, wie (nur) er es verstand: So Knochenrenke wie Blutrenke Wie Gliedrenke: Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, als ob geleimt sie seien! |
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